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Ritterschlag für zwei Lieblinge der Self-Hosting-Szene: Pocket ID und Tinyauth dürfen sich ab sofort OpenID Connect Certified™ nennen. Die offizielle Zertifizierung der OpenID Foundation bestätigt, dass beide Projekte den Standard sauber und vollständig implementieren — ein Gütesiegel, das sonst eher Enterprise-Schwergewichte wie Keycloak oder Okta tragen.
DARUM ist das Siegel mehr als Deko
OpenID Connect ist das Protokoll hinter dem „Mit X anmelden“-Knopf — und im Homelab der Schlüssel zu Single Sign-On: einmal anmelden, alle Dienste nutzen. Die Zertifizierung bedeutet, dass ein Projekt die offiziellen Konformitäts-Tests der OpenID Foundation bestanden hat. In der Praxis heißt das: weniger Kompatibilitäts-Überraschungen, wenn du Dienste wie Grafana, Portainer, Immich oder Jellyfin anbindest — und mehr Vertrauen, dass sicherheitskritische Details wie Token-Validierung korrekt umgesetzt sind.
Pocket ID: Passkeys statt Passwörter
Pocket ID ist der radikalere der beiden Kandidaten: Der schlanke Identity-Provider kennt ausschließlich Passkeys — Passwörter gibt es schlicht nicht. Angemeldet wird per Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder Hardware-Schlüssel. Dazu kommen LDAP-Sync, Benutzergruppen, Audit-Logs und eine REST-API. Wir hatten Pocket ID bereits im Mai vorgestellt — seitdem ist das Projekt rasant gewachsen.
Wer Passkeys mit maximaler Sicherheit nutzen will, kombiniert sie mit einem Hardware-Schlüssel wie dem YubiKey 5 NFC*: Der speichert deine Passkeys physisch getrennt vom Rechner — selbst ein kompromittiertes System kommt dann nicht an deine Identität.
Tinyauth: SSO aus fünf Umgebungsvariablen
Tinyauth verfolgt die Gegenphilosophie: so klein wie irgend möglich. Der Auth-Server konfiguriert sich komplett über Umgebungsvariablen — kein Dashboard, keine Config-Dateien, keine Datenbank-Pflicht. Externe OAuth-Provider und LDAP-Backends werden trotzdem unterstützt. Perfekt für alle, die ihrem Reverse Proxy (Traefik, Caddy, Nginx) einfach einen Login-Schutz vorschalten wollen, ohne gleich einen Keycloak zu betreiben.
EXTRA-TIPP: Welcher passt zu dir?
Faustregel: Willst du einen vollwertigen Identity-Provider mit Nutzerverwaltung und passwortlosem Login für viele Apps — nimm Pocket ID. Willst du schnell und minimalistisch ein paar Dienste hinter einen Login klemmen — nimm Tinyauth. Beide lassen sich sogar kombinieren: Tinyauth kann Pocket ID als OAuth-Provider nutzen.
FAZIT: Self-Hosting wird erwachsen
Dass zwei junge Community-Projekte die gleiche Zertifizierung stemmen wie kommerzielle Identity-Plattformen, sagt viel über den Reifegrad der Self-Hosting-Szene. Passwort-Formulare im Homelab sind 2026 endgültig Nostalgie — und mit dem offiziellen Siegel gibt es jetzt noch einen Grund weniger, am alten Zustand festzuhalten.
Häufige Fragen
Was bringt mir die OpenID-Connect-Zertifizierung konkret?
Worin unterscheiden sich Pocket ID und Tinyauth?
Brauche ich für Passkeys zwingend einen Hardware-Schlüssel?
Wie steige ich am einfachsten ins Homelab-SSO ein?
Quellen: Self-Host Weekly · Pocket ID · Tinyauth