Endlich tut sich was an einer der größten Smart-Home-Baustellen: Kameras. Bisher kochte jeder Hersteller sein eigenes Süppchen, jede Cam brauchte ihre App. Mit Matter 1.5 ziehen Kameras und Türklingeln jetzt offiziell in den gemeinsamen Standard ein — und die ersten echten Geräte erreichen gerade den Markt. Wir erklären, was das bringt.
Was Matter 1.5 neu kann
Die Spezifikation Matter 1.5 wurde Ende 2025 von der Connectivity Standards Alliance veröffentlicht und erweitert den Standard kräftig. Neu dabei sind unter anderem Kameras, Verschlüsse (z. B. Rollläden), Bodensensoren und erweiterte Funktionen fürs Energiemanagement bis hin zum EV-Laden. Der Star der Runde sind aber klar die Kameras.
Kameras endlich im Standard
Matter 1.5 deckt ein breites Spektrum an Kamera-Anwendungen ab: Innen- und Außenkameras, Video-Türklingeln, dazu Funktionen wie Live-Streaming, Zwei-Wege-Kommunikation, Bewegungserkennung, Ereignis-Verlauf und Schwenk-/Neige-/Zoom-Steuerung. Das Ziel: Eine Matter-Kamera lässt sich künftig herstellerübergreifend einbinden — egal, welche Steuerzentrale du nutzt.
Der Haken: Die Hardware kommt erst jetzt
Ein Standard auf dem Papier nützt wenig, solange keine Geräte ihn beherrschen. Genau hier passiert gerade der Durchbruch: Samsung SmartThings hat als Erster Support für Matter-Kameras angekündigt. Und der Zeitpunkt ist kein Zufall — die Connectivity Standards Alliance richtet vom 16. bis 18. Juni in Austin ihr erstes „Unify“-Event aus. Rund um diesen Termin ist mit weiteren Ankündigungen zu rechnen.
Was heißt das für dein Smart Home?
Mittelfristig: weniger App-Chaos. Wenn Kameras zum offenen Standard gehören, kannst du Geräte verschiedener Hersteller in einer Oberfläche bündeln — etwa in deiner zentralen Smart-Home-Steuerung. Auch Open-Source-Plattformen werden den Kamera-Support voraussichtlich nach und nach aufgreifen, sobald die Geräte verbreitet sind.
Kurzfristig heißt es aber: genau hinschauen. Stand jetzt ist der Kamera-Support frisch und noch nicht überall vorhanden. Wer demnächst eine Cam kauft und auf Matter setzen will, sollte konkret prüfen, ob sowohl die Kamera als auch die Steuerzentrale Matter-1.5-Kameras unterstützen. Sonst landest du wieder in einer Hersteller-App — genau dem, was Matter eigentlich abschaffen soll.
Unterm Strich: Ein wichtiger, lange überfälliger Schritt. Die Richtung stimmt, die ersten Geräte rollen an — aber gönn dem Ökosystem noch ein paar Monate, bis die Auswahl wirklich groß ist.
Was mit deinen alten Kameras passiert
Keine Sorge: Deine bestehenden Cams hören nicht auf zu funktionieren. Sie laufen weiter über ihre jeweilige App oder Plattform — nur eben nicht über Matter. Wer ein gemischtes Setup fährt, kann viele Kameras zusätzlich über offene Lösungen wie Frigate oder eine selbst gehostete Zentrale einbinden und so trotzdem eine gemeinsame Oberfläche schaffen. Matter 1.5 macht diesen Umweg langfristig überflüssig — aber bis es so weit ist, bleibt die bewährte Mischung aus Hersteller-App und Self-Hosting für viele die praktischste Lösung.