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DATENBANK-ALARM! MariaDB hat gleich DREI Lücken mit der Höchstnote 9,9 — jetzt patchen

DATENBANK-ALARM! MariaDB hat gleich DREI Lücken mit der Höchstnote 9,9 — jetzt patchen

MariaDB ist die Datenbank hinter einem Großteil des Self-Hosting-Universums — ob WordPress, Nextcloud oder selbstgebaute Webanwendungen laufen oft genau darauf. Am 16. Oktober 2026 hat das Projekt gleich drei voneinander unabhängige Sicherheitslücken offengelegt, jede einzeln mit der CVSS-Höchstnote 9,9 bewertet.

DREI LÜCKEN, DREI URSACHEN, EINE WERTUNG

Ungewöhnlich ist nicht nur die Schwere, sondern dass alle drei CVEs technisch völlig unterschiedliche Ursachen haben — es handelt sich nicht um Varianten eines einzigen Bugs. Der gemeinsame Nenner im CVSS-Vektor: Angriff über das Netzwerk, niedrige Komplexität, kein Nutzer-Interaktion nötig — allerdings braucht ein Angreifer in allen drei Fällen bereits einen Datenbank-Account mit geringen Rechten (PR:L). Relevant ist das vor allem für Shared-Hosting-Umgebungen, Multi-Tenant-Setups oder wenn eine Anwendung eine SQL-Injection erlaubt, die einem Angreifer genau diesen Fuß in der Tür verschafft.

CVE-2026-92262 — der #mysql50#-Trick

Die am weitesten verbreitete der drei Lücken betrifft ein jahrealtes Kompatibilitätsfeature: Das Präfix #mysql50# erlaubt es historisch, Tabellennamen aus alten MySQL-5.0-Zeiten unverändert weiterzuverwenden. Genau dieses Präfix lässt sich missbrauchen, um die normale Dateisystem-Kodierung von Tabellennamen zu umgehen. Die Folge laut CVE-Beschreibung: Dateizugriffe außerhalb des vorgesehenen Bereichs, Abstürze, Datenkorruption — bis hin zur Codeausführung. Betroffen sind praktisch alle Branches von 10.6.1 bis 13.0.1.

CVE-2026-85748 — Use-after-free bei SYS_REFCURSOR

Diese Lücke betrifft nur die neueren Branches 12.3.1–12.3.3 und 13.0.1–13.0.2. Öffnet ein Angreifer mit niedrigen Rechten eine große Zahl von SYS_REFCURSOR-Objekten und greift anschließend auf eines davon zu, kann die interne Cursor-Array-Reallokation veraltete Referenzen hinterlassen. Das dadurch ausgelöste Use-after-free lässt sich laut Projektbeschreibung in Kombination mit einer weiteren Schwachstelle bis zur Codeausführung eskalieren.

CVE-2026-85746 — Pufferüberlauf bei verschachtelten Geometrien

Die dritte Lücke sitzt in der Funktion ST_AsText, die geometrische Objekte in Textform umwandelt. Bei tief verschachtelten GeometryCollections prüft die rekursive WKT-Serialisierung die Puffergrenzen nicht korrekt und schreibt über den zugewiesenen Speicherbereich hinaus — ein klassischer Out-of-Bounds-Write, der ebenfalls Codeausführung ermöglichen kann. Auch hier reicht die betroffene Versionsspanne von 10.6.1 bis 13.0.1.

WER IST BETROFFEN — UND WER WIRKLICH IN GEFAHR

Die schiere Versionsspanne bedeutet: Fast jede MariaDB-Installation, die in den letzten Jahren nicht konsequent aktuell gehalten wurde, fällt in den verwundbaren Bereich. Für reine Heimserver mit einer einzigen Anwendung und ohne fremde Datenbank-Accounts ist das Risiko durch die nötigen Mindestrechte begrenzt. Wer dagegen mehrere Anwendungen oder Nutzer auf einer MariaDB-Instanz teilt — etwa auf einem Hosting-Server mit mehreren Kunden oder Projekten — sollte die Lücken ernst nehmen, da bereits ein kompromittierter Low-Privilege-Account für den nächsten Schritt reicht.

WAS JETZT ZU TUN IST

Die Fixes sind bereits veröffentlicht: 10.6.28, 10.11.19, 11.4.13, 11.8.9, 12.3.3 und 13.0.2 schließen je nach Branch alle relevanten Lücken. Wer MariaDB über die Paketverwaltung der Distribution bezieht, sollte prüfen, ob das Update bereits in den Repositories angekommen ist — bei LTS-Distributionen kann das etwas dauern. Bis zum Patch hilft als Zwischenlösung, den Kreis der Accounts mit Datenbankzugriff so klein wie möglich zu halten und keine ungeprüften SQL-Eingaben an die Datenbank durchzureichen.

Häufige Fragen

Muss ich sofort handeln, wenn ich MariaDB nutze?
Prüfe zuerst deine Version. Betroffen sind die Branches 10.6 vor 10.6.28, 10.11 vor 10.11.19, 11.4 vor 11.4.13, 11.8 vor 11.8.9, 12.3 vor 12.3.3 und 13.0 vor 13.0.2. Bist du in diesem Bereich, solltest du zeitnah aktualisieren — besonders dringend, wenn mehrere Accounts oder Anwendungen dieselbe Datenbank-Instanz nutzen.
Braucht ein Angreifer wirklich schon Zugangsdaten?
Ja, in allen drei Fällen ist laut CVSS-Vektor mindestens ein Datenbank-Account mit niedrigen Rechten nötig (PR:L). Das senkt das Risiko für isolierte Einzelanwendungen etwas, macht die Lücken aber hochgefährlich überall dort, wo mehrere Nutzer, Kunden oder eine kompromittierte Anwendung bereits einen Fuß in der Datenbank haben.
Was macht die #mysql50#-Lücke so besonders riskant?
Sie missbraucht ein jahrzehntealtes Kompatibilitätsfeature, das eigentlich nur alte Tabellennamen aus MySQL-5.0-Zeiten unterstützen sollte. Weil dieses Präfix die normale Dateisystem-Kodierung von Tabellennamen umgeht, kann ein Angreifer es nutzen, um auf Dateien außerhalb des vorgesehenen Bereichs zuzugreifen oder den Server zum Absturz zu bringen.
Reicht ein einfaches Distributions-Update?
Nur wenn deine Distribution die gepatchten Versionen bereits ausliefert. Prüfe mit deinem Paketmanager die installierte Version gegen die Fix-Versionen aus diesem Artikel. Bei Zweifeln hilft ein Blick in die Release Notes von MariaDB direkt, da manche Distributionen Patches etwas verzögert nachziehen.

Quellen

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