- Was: Meine eigene Open-Source-Zeiterfassung (Kommen/Gehen) als Paket für die Synology NAS
- Wer betroffen: kleine Teams, Vereine, Wachen und Praxen mit Synology DSM 7 – und alle Homelab-Bastler
- Kosten: 0 Euro, Quellcode auf GitHub (GPL-3.0)
- Was tun: SPK von GitHub laden, im Paket-Zentrum installieren – alles Weitere auf der Projektseite
Arbeitszeit erfassen ist längst keine Kür mehr – und trotzdem landet man schnell bei Cloud-Diensten, die pro Kopf und Monat kosten und die Stempelzeiten des ganzen Teams auf fremden Servern speichern. Ich hatte eine Synology im Schrank stehen und eine klare Vorstellung: Stempeln soll passieren, ohne dass man daran denken muss. Herausgekommen ist ein komplettes Synology-Paket, das ich jetzt freigebe.

WARUM ÜBERHAUPT ZEITERFASSUNG?
Seit dem Beschluss des Bundesarbeitsgerichts vom 13. September 2022 (1 ABR 22/21) sind Arbeitgeber in Deutschland verpflichtet, die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten systematisch zu erfassen. Wie genau – etwa elektronisch und tagesaktuell – soll ein eigenes Gesetz regeln, an dem die Bundesregierung seit Längerem arbeitet. Wer heute noch mit Zetteln oder Excel-Listen arbeitet, sollte sich also spätestens jetzt Gedanken machen.
STEMPELN, OHNE AN DAS STEMPELN ZU DENKEN
Das war der Kern der ganzen Idee. Die Zeiterfassung kennt deshalb gleich mehrere Wege:
- Automatisch per Standort: Das iPhone stempelt beim Ankommen und Verlassen – eine Automation in der Kurzbefehle-App.
- NFC-Aufkleber: iPhone an den Aufkleber halten, fertig. Ein einziger Aufkleber reicht, er schaltet zwischen Kommen und Gehen um.
- Kiosk-Tablet: Name antippen, PIN eingeben, Kommen oder Gehen. Ein grüner Punkt zeigt, wer gerade im Haus ist.
- Klassisch im Browser – oder direkt im eigenen DSM-Fenster.
Eingerichtet wird das iPhone über einen QR-Code: Die App öffnet eine persönliche Seite mit Kopier-Knöpfen und Schritt-für-Schritt-Anleitung. Praktisch an der Wache: Auf Wunsch rechnet die App beim NFC-Stempeln eine Wegezeit dazu, also zum Beispiel 10 Minuten früher beim Kommen und 10 Minuten später beim Gehen.

GLEITZEIT, ÜBERSTUNDEN, URLAUB – RECHNET SICH VON SELBST
Hinter dem Stempel-Knopf steckt die eigentliche Arbeit: Gleitzeit- und Überstunden-Konto werden getrennt geführt, die Wochenarbeitszeit hat einen Verlauf („ab 1. März 30 Stunden“), und alte Monate bleiben trotzdem richtig. Urlaub, Krankheit und Gleittage trägt man im Jahreskalender per Ziehen ein, die Feiertage aller 16 Bundesländer kennt die App selbst. Dienste über Mitternacht werden sauber auf beide Tage verteilt.
Dazu kommen Hinweise nach Arbeitszeitgesetz: Tage mit mehr als 10 Stunden oder weniger als 11 Stunden Ruhezeit werden markiert. Wer vergisst auszustempeln, bekommt nach 12 Stunden eine Mail – und um Mitternacht beendet die App die Buchung, damit die Konten nicht aus dem Ruder laufen.

BERICHTE ZUM UNTERSCHREIBEN – UND EIN ECHTER MONATSABSCHLUSS
- Arbeitszeitnachweis als PDF mit Kontoständen und Unterschriftszeilen, dazu Excel und CSV
- Automatischer Versand am Monatsanfang an jeden Mitarbeiter – über den eigenen Mailserver
- Korrekturanträge: Mitarbeiter beantragen Nachtrag oder Änderung, der Admin genehmigt per Klick
- Monatsabschluss: Monat sperren, Kontostände festschreiben – Wiederöffnen nur mit Begründung
- Änderungsprotokoll: wer hat wann was geändert, filterbar und exportierbar

FÜHLT SICH AN WIE EINE ECHTE SYNOLOGY-APP
Die Zeiterfassung öffnet sich in einem eigenen DSM-Fenster, nicht in einem neuen Tab. Wer in DSM angemeldet ist, ist automatisch auch hier angemeldet. Updates kommen über das Paket-Zentrum – die App ist dafür ihre eigene Paketquelle. Jede Nacht sichert sie ihre Datenbank in einen freigegebenen Ordner, den Hyper Backup mitnimmt. Und das Paket läuft auf Intel/AMD- genauso wie auf ARM-Modellen.
SO INSTALLIERST DU ES
- Die neueste
…-noarch.spkvon GitHub herunterladen. - DSM → Paket-Zentrum → Manuelle Installation, Datei auswählen, Hinweis bestätigen.
- Im Assistenten ein Admin-Passwort vergeben – fertig.
Updates, Datensicherung, Reverse Proxy für das iPhone unterwegs und NFC – alles Schritt für Schritt auf der Projektseite und in der Anleitung auf GitHub.
FÜR WEN SICH DAS LOHNT UND FÜR WEN NICHT
Lohnt sich: für kleine Teams bis zu einer Handvoll Dutzend Leuten, die ohnehin eine Synology betreiben und ihre Daten im Haus behalten wollen – Wachen, Vereine, Praxen, Handwerksbetriebe, Büros.
Eher nicht: wenn du Schichtplanung, Lohnabrechnung oder mehrere Standorte mit eigener Verwaltung brauchst. Dafür ist die Zeiterfassung bewusst nicht gebaut. Und ohne Synology geht es im Moment nur mit Handarbeit – ein Docker-Image gibt es noch nicht.
FAZIT: Stempeln auf der eigenen NAS – ohne Abo
Für mich war das Ziel, dass Zeiterfassung im Alltag einfach nebenbei passiert – per Standort, NFC oder Tablet. Genau das macht sie jetzt, und die Daten bleiben auf der eigenen Hardware. Wenn du eine Synology hast und eine schlanke Lösung ohne Lizenzkosten suchst: ausprobieren, Feedback gerne über GitHub.
Häufige Fragen
Kostet die Zeiterfassung etwas? Nein. Sie ist Open Source (GPL-3.0), ohne Abo und ohne Kosten pro Mitarbeiter.
Läuft sie auf meiner ARM-Synology? Ja. Ein Paket für alle Modelle mit DSM 7 – Intel/AMD sowie ARMv8 und ARMv7.
Geht das auch mit Android? Stempeln im Browser und am Kiosk-Tablet ja. Die Anleitung für Kurzbefehle, Standort und NFC ist fürs iPhone geschrieben.
Ist das rechtssicher? Die App liefert Nachweise, Änderungsprotokoll und Monatsabschluss. Eine rechtliche Prüfung im eigenen Betrieb ersetzt sie nicht.