#Hosting · 3 Min. Lesezeit · Tim Rinkel

BACKUP-ALARM! Hacker kapern WordPress-Seiten über gestohlene UpdraftCentral-Schlüssel

BACKUP-ALARM! Hacker kapern WordPress-Seiten über gestohlene UpdraftCentral-Schlüssel

Ausgerechnet das Werkzeug, das im Notfall retten soll, wurde zum Einfallstor: Bei einem Einbruch bei TeamUpdraft, dem Unternehmen hinter dem populären Backup-Plugin UpdraftPlus, erbeuteten Angreifer Schlüssel, mit denen sie WordPress-Seiten ohne ein einziges Passwort fernsteuern konnten.

DER BRUCH BEI TEAMUPDRAFT

Laut Berichterstattung vom 21. Oktober brachen Angreifer in die Webseite von TeamUpdraft ein und erlangten unbefugten Zugriff auf Kundendatenbanken — konkret auf die Verbindungsschlüssel für UpdraftCentral, UpdraftVault und UpdraftClone. Diese Dienste erlauben es Admins normalerweise, mehrere WordPress-Seiten zentral zu steuern und zu sichern.

SIGNIERT HEISST NICHT SICHER

Das eigentlich Fatale an diesem Vorfall: Die gestohlenen Schlüssel sind echte private Schlüssel. Befehle, die mit ihnen signiert werden, bestehen auf der Zielseite alle internen Prüfungen — das WordPress-Plugin kann nicht unterscheiden, ob der Befehl vom echten Admin oder von einem Angreifer mit gestohlenem Schlüssel kommt. Genau darüber installierten die Angreifer Backdoor-Plugins.

99 NAMEN FÜR DIESELBE HINTERTÜR

Die Sicherheitsfirma Patchstack dokumentierte ein Angriffsfenster von 18 Stunden am 18. und 19. Oktober und zählte dabei 99 unterschiedliche Namen für die eingeschleusten Backdoor-Plugins — offenbar, um einfache Erkennung per Dateiname zu erschweren. Jede der untersuchten Varianten enthielt dieselbe Tarnzeile im Code: „Small maintenance toolkit: keeps option storage tidy“. Zwei konkrete Angreifer-IPs konnten identifiziert werden.

WAS UPDRAFTPLUS SCHON GETAN HAT

UpdraftPlus hat reagiert und die Versionen 1.26.13 (kostenlose Version) und 2.26.13 (Premium) veröffentlicht. Diese Updates widerrufen automatisch alle Verbindungen, die vor dem 18. Oktober eingerichtet wurden, und zwingen zur Neuausstellung der Schlüssel. Über das Ausmaß der tatsächlich kompromittierten Seiten macht der bisherige Bericht keine genaue Zahl — nur, dass über 4 Millionen Installationen grundsätzlich im Risiko standen.

SO PRÜFST DU DEINE SEITE — in 5 MINUTEN

  1. Update einspielen: UpdraftPlus auf 1.26.13 beziehungsweise 2.26.13 oder neuer heben.
  2. Plugin-Liste durchsehen: Nach unbekannten, aktiven Plugins suchen, insbesondere mit unauffälligen Namen wie „Maintenance“ oder „Toolkit“.
  3. Verbindungen neu einrichten: UpdraftCentral-, UpdraftVault- und UpdraftClone-Verbindungen nach dem Update neu autorisieren, nicht nur bestätigen.
  4. Admin-Konten prüfen: Auf neue, unerklärte Benutzerkonten mit Admin-Rechten achten — ein klassisches Zeichen für eine bereits installierte Hintertür.

FAZIT: Backup-Infrastruktur ist eine eigene Angriffsfläche

Dieser Vorfall zeigt ein Muster, das Backup-Software besonders anfällig macht: Sie braucht von Natur aus weitreichende Rechte, um ihren Job zu machen — und wird genau dadurch zum lohnenden Ziel. Wer zentrale Backup-Verwaltung nutzt, sollte Verbindungsschlüssel künftig genauso behandeln wie Passwörter: regelmäßig erneuern, nicht ewig gültig lassen.

Häufige Fragen

Was ist bei UpdraftPlus konkret passiert?
Angreifer brachen bei TeamUpdraft ein und erbeuteten Verbindungsschlüssel für UpdraftCentral, UpdraftVault und UpdraftClone. Mit diesen echten, signierten Schlüsseln installierten sie zwischen dem 18. und 19. Oktober über 18 Stunden hinweg Backdoor-Plugins auf verbundenen WordPress-Seiten, ohne dass ein Passwort nötig war.
Bin ich betroffen, wenn ich UpdraftPlus nutze?
Nur wenn deine Seite einen Migrator-, UpdraftCentral- oder vergleichbaren Verbindungsschlüssel aktiv genutzt hat, der vor dem 18. Oktober eingerichtet wurde. Wer UpdraftPlus ausschließlich lokal für einfache Backups ohne diese Verbindungsdienste verwendet, war von diesem speziellen Angriffsweg nicht betroffen.
Wie erkenne ich eine installierte Hintertür?
Patchstack fand bei allen untersuchten Varianten dieselbe Codezeile: „Small maintenance toolkit: keeps option storage tidy“, verteilt über 99 unterschiedliche Plugin-Namen. Durchsuche deine Plugin-Liste nach unauffälligen, dir unbekannten Einträgen und prüfe neue Admin-Konten.
Reicht das Update allein, um sicher zu sein?
Das Update auf 1.26.13 bzw. 2.26.13 widerruft automatisch alte Verbindungen, ersetzt aber nicht die Prüfung auf bereits installierte Hintertüren. Wer im Zeitfenster vom 18./19. Oktober eine aktive Verbindung hatte, sollte die Seite zusätzlich manuell auf unbekannte Plugins und Konten durchsehen.

Quellen

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