UNGLAUBLICH: 255 Kerne auf einer einzigen Maschine
Theo de Raadt und sein Team haben am 19. Mai 2026 OpenBSD 7.9 als Halbjahres-Release veröffentlicht — und gleich mehrere fette Brocken mitgebracht. Der spektakulärste: die Anzahl unterstützter CPU-Kerne pro Maschine steigt auf 255 auf x86_64. Bisher waren bei vielen BSD-Stacks 128 oder weniger üblich.
Klingt nach Rechenzentrum-Hardware? Genau das ist das Zielpublikum. AMD EPYC mit 192 Kernen, neue Intel Xeon mit Sapphire-Rapids-AP — OpenBSD wird damit ernsthafter Big-Iron-Kandidat, auch jenseits der klassischen Firewall-Rolle.
SO neu ist die Hardware-Unterstützung
Frisches Silizium läuft jetzt direkt auf vanilla OpenBSD:
- SpacemiT K1 auf riscv64 — der erste RISC-V-Chip mit ernsthafter Treiber-Liste in OpenBSD. Banana Pi und LicheePi Boards profitieren.
- Rockchip RK3588 und RK3576 auf arm64 — wichtigste SBCs, ARM-Mini-PCs und Industrieboards bekommen Out-of-the-Box-Support.
- Apple Virtualization — du kannst OpenBSD jetzt direkt im macOS-VM-Stack laufen lassen, ohne Bastel-Wrapper. Für M1/M2/M3/M4-Macs ein riesiger Schritt.
- WiFi 6 — 802.11ax-Support für die wichtigsten Intel- und Realtek-Chipsätze. Mesh-Netze und 6-GHz-Bänder gehen damit erstmals nativ.
EINBRUCH-SCHUTZ noch enger gezogen
Security-typisch hat OpenBSD nachgeschärft. Die wichtigsten Änderungen:
- pledge(2) wirft den tmppath-Promise raus — Programme, die Temp-Dateien brauchen, müssen jetzt sauberer Pfade beantragen.
- unveil(2) arbeitet strikter, wenn Pfade während der Laufzeit hinzukommen — Race-Conditions werden härter abgefangen.
- OpenSSH, LibreSSL und rpki-client bekommen mehrere stille Fixes — keine veröffentlichten CVEs, aber Pre-Auth-Memory-Pfade sind enger eingezäunt.
Wer OpenBSD als Internet-Firewall (PF + relayd) oder als Mail-Gateway (smtpd + spamd) fährt, sollte das Update zeitnah einplanen — Defense-in-Depth bleibt der Grund, warum Profis OpenBSD überhaupt nutzen.
SO updatest du sauber
OpenBSD-Tradition: sysupgrade -s für die nächste Snapshot-Stufe, sysupgrade für den nächsten Stable-Sprung. Auf 7.8 kannst du also direkt zu 7.9 hochziehen.
Wichtig: Nach dem Upgrade einmal sysmerge laufen lassen, damit die geänderten Default-Konfigurationen in /etc mit deinen lokalen Settings zusammengeführt werden. Vor allem pf.conf-Schreiber sollten die neuen Beispiel-Regeln durchschauen.
WAS bedeutet das für DEIN Lab?
Für klassische Homelab-Bastler ist OpenBSD weiter ein Spezial-Tool: PF als Firewall, smtpd als selbstgehosteter Mailserver, Carp für Failover-Setups. Mit WiFi 6 wird OpenBSD jetzt aber auch für Access-Point-Builds spannend — wer einen ehrlichen, durchschaubaren WLAN-Stack will, hat hier wieder eine Option.
Und für FreeBSD-Admins: Vergleich nicht mit FreeBSD 15.1-RC1 vermeiden — die beiden Projekte ziehen verschiedene Hosen an. OpenBSD priorisiert Code-Audit und Minimalismus, FreeBSD priorisiert Performance und Hardware-Reichweite.
Häufige Fragen
Lohnt sich der Wechsel von 7.8 auf 7.9 für meine kleine Firewall?
Wann lohnt sich OpenBSD 7.9 gegenüber Linux oder FreeBSD?
Was muss ich für die Apple-Virtualisierung tun?
Quellen: openbsd.org · Phoronix OpenBSD 7.9 · discoverBSD