#Netzwerk & Sicherheit · 3 Min. Lesezeit · Tim Rinkel

ABSCHIED EINER LEGENDE! Der Vater des Internets hört mit 83 auf — seine letzte Prognose betrifft die KI

ABSCHIED EINER LEGENDE! Der Vater des Internets hört mit 83 auf — seine letzte Prognose betrifft die KI

Das Internet verliert seinen dienstältesten Botschafter: Vint Cerf, 83, geht in den Ruhestand. Nach mehr als zwei Jahrzehnten als „Chief Internet Evangelist“ bei Google — den Titel gab es nur für ihn — beendet der Mann, ohne den es diese Webseite nicht gäbe, seine aktive Laufbahn.

Der Mann, der Netzwerke das Reden beibrachte

Falls dir der Name nichts sagt: Cerf entwickelte in den 1970er-Jahren gemeinsam mit Robert Kahn das Protokollpaar TCP/IP — den grundlegenden Regelsatz, mit dem unterschiedliche Computernetze miteinander sprechen können. Jede Webseite, jede Mail, jeder Stream, jedes Paket in deinem Homelab: Alles läuft bis heute über die Grundideen dieser beiden Männer. Dafür gab es unter anderem den Turing Award (den „Nobelpreis der Informatik“) und die Presidential Medal of Freedom.

Ein Abschied unter Freunden

Verkündet wurde der Ruhestand auf der Open-Frontier-Konferenz des Laude Institute — ausgerechnet von Berkeley-Professor Dave Patterson, selbst eine Computer-Legende, der Cerf vor dem Publikum würdigte. Seit 2005 war Cerf bei Google das freundliche Gesicht des offenen Internets: Er kämpfte für Netzneutralität, für barrierefreies Web (Cerf ist selbst hörbeeinträchtigt) und zuletzt für ein „interplanetares Internet“ mit verzögerungstoleranten Protokollen für die Raumfahrt.

Seine Abschieds-Prognose: KI zwingt uns zurück zu Standards

Richtig spannend ist, was Cerf der Branche zum Abschied mitgibt. Auf der Konferenz sagte er sinngemäß: Das agentische KI-Modell — viele Agenten verschiedener Anbieter, die miteinander interagieren — werde die Tech-Konzerne zur Kompatibilität zwingen und Interoperabilität und Standardisierung erforderlich machen.

Übersetzt heißt das: Was TCP/IP in den 70ern für Computernetze war, braucht die KI-Welt jetzt für ihre Agenten. Erste Anzeichen gibt es längst — offene Protokolle wie MCP für Tool-Anbindungen oder Agent-zu-Agent-Standards gehen genau in diese Richtung. Der Vater des Internets sieht also ein zweites Protokoll-Zeitalter kommen — diesmal für Maschinen, die miteinander verhandeln.

Was bleibt

Cerf hinterlässt ein Netz mit über fünf Milliarden Nutzern — und eine Mahnung, die er seit Jahren wiederholt: Das Internet blieb nur deshalb offen, weil seine Grundprotokolle niemandem gehören. In Zeiten, in denen KI-Antworten die klassischen Suchergebnisse ersetzen und geschlossene Plattformen dominieren, klingt das aktueller denn je. Danke für alles, Vint — wir tippen diese Zeilen buchstäblich auf deinem Lebenswerk.

Häufige Fragen

Wer ist Vint Cerf?
Vinton „Vint“ Cerf (Jahrgang 1943) ist ein US-amerikanischer Informatiker und gilt als einer der „Väter des Internets“. Gemeinsam mit Robert Kahn entwickelte er in den 1970er-Jahren TCP/IP, die Protokoll-Grundlage des Internets. Seit 2005 war er Googles Chief Internet Evangelist.
Warum ist TCP/IP so wichtig?
TCP/IP ist der gemeinsame Regelsatz, mit dem unterschiedliche Netzwerke Daten austauschen. Es zerlegt Informationen in Pakete, adressiert sie und setzt sie beim Empfänger wieder zusammen — die Basis für praktisch jede Internet-Kommunikation bis heute.
Was macht Cerf jetzt?
Offiziell geht er in den Ruhestand. Ganz verschwinden dürfte er aber nicht: Cerf engagiert sich seit Jahren für das „interplanetare Internet“ der Raumfahrt, für Barrierefreiheit im Netz und zuletzt für offene Standards in der KI-Agenten-Welt.
Was hat Cerf über KI gesagt?
Zum Abschied prognostizierte er, dass agentische KI — viele Agenten verschiedener Hersteller, die zusammenarbeiten — die Branche zu Interoperabilität und Standardisierung zwingen wird. Ähnlich wie einst TCP/IP die Computernetze vereinheitlichte.

Quellen

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