Canonical macht Ernst mit dem unveränderlichen Desktop. Laut Phoronix belebt das Unternehmen Ubuntu Core Desktop wieder und will die Entwicklung beschleunigen. Bereits 2023 gab es eine Vorschau, dann wurde es ab 2024 ruhig. Jetzt gibt es ein neues Team und einen Zeitplan.
WAS IST UBUNTU CORE DESKTOP?
Ubuntu Core Desktop ist ein Ubuntu-Desktop auf Basis unveränderlicher Images. Das System selbst bleibt im Betrieb unverändert, Anwendungen kommen als Snap-Pakete. Das Ziel solcher Systeme: weniger Fehler durch Eingriffe ins Grundsystem und verlässlichere Updates.
WAS CANONICAL JETZT ANKÜNDIGT
Jon Seager, Vice President of Engineering bei Canonical, sagte laut Phoronix, die Vorschau von 2023 sei hinter der Vision des Unternehmens „zurückgeblieben“. Deshalb wurde ein neues Ubuntu-Core-Desktop-Team gebildet. Es soll:
- die Vorschau von 2023 wiederbeleben,
- die Pipelines zur Erzeugung der Images neu aufbauen,
- den aktuellen Stand bewerten.
DER ZEITPLAN
Der Zyklus von Ubuntu 27.04 soll sich stärker auf Ubuntu Core Desktop konzentrieren. Canonical erwartet in diesem Zyklus tägliche Images (Daily-Images). Eine fertige Version mit Termin nennt der Bericht nicht.
FÜR WEN IST DAS GEDACHT?
In der ersten Phase nennt Canonical drei Zielgruppen:
- Browser-zentrierte Rechner
- Entwickler-Workstations
- Gaming-Maschinen
DIE GROSSEN HÜRDEN
Canonical benennt die Probleme offen:
- Anwendungen: Fehlende Snap-Pakete gelten als Haupthindernis. Ohne Apps kein Desktop.
- Modularisierung des Desktops.
- Berechtigungsabfragen, die im Alltag nicht nerven dürfen.
- KDE Plasma zusätzlich zu GNOME.
WIRD DAS NORMALE UBUNTU ERSETZT?
Nein, jedenfalls vorerst. Seager sagt: „Ubuntu Desktop in its present form is not going away.“ Er nennt aber ein großes Ziel: Ubuntu Core solle „the de facto target for Linux applications and workflows“ werden, auch als Standard-Ubuntu auf dem Desktop, im Rechenzentrum und am Rand des Netzes (Edge). Das ist eine langfristige Absicht, keine Zusage mit Datum.
WAS DAS FÜR HOMELAB UND SERVER BEDEUTET
- Für den Ubuntu-Server im Homelab ändert sich vorerst nichts.
- Ubuntu Core gibt es bereits für IoT und Edge. Der Desktop-Zweig könnte die gleiche Technik zu Endgeräten bringen.
- Unveränderliche Systeme sind bei Fedora (Atomic) und anderen Distributionen schon Alltag. Canonical holt hier auf.
- Snap-Skeptiker sollten beobachten: Der Ansatz hängt stark am Snap-Format.
Weitere Details stehen laut Phoronix im Ubuntu-Discourse-Beitrag „Accelerating Ubuntu Core Desktop“.
FAZIT: Ankündigung, noch kein Produkt
Canonical gibt zu, dass der erste Anlauf nicht reichte. Das ist ehrlich. Ob der zweite gelingt, entscheidet sich an den Apps, nicht am Marketing. Ab dem 27.04-Zyklus kannst du die Daily-Images selbst testen.