Wer oft per SSH auf Server geht, kennt das Problem: Du bist auf dem Zielrechner, und plötzlich passen die Tasten nicht mehr. Pfeiltasten spinnen, die Darstellung ist kaputt. Das Terminal Ghostty löst das jetzt mit einem eigenen Befehl. Laut heise online ist Version 1.4.0 erschienen, nach sieben Monaten Entwicklung.
SSH, DAS FUNKTIONIERT
Der Grund für kaputte Sessions: Der Server kennt den Terminaltyp xterm-ghostty oft nicht. Der neue Befehl ghostty +ssh ist ein Wrapper um den normalen SSH-Client. Er erledigt drei Dinge:
- Er kopiert vor dem Verbindungsaufbau die passende terminfo-Datei auf den Zielrechner.
- Er reicht relevante Umgebungsvariablen weiter.
- Bei Fehlern fällt er auf
xterm-256colorzurück.
Ohne den Wrapper hilft bisher meist, die terminfo von Hand zu übertragen oder TERM umzusetzen. Ob der Wrapper alle Sonderfälle abdeckt, zeigt erst der Alltag.
WENIGER SPEICHER
Ghostty komprimiert nicht sichtbare Scrollback-Zeilen im Leerlauf. Bei textlastiger Ausgabe sinkt der Speicherbedarf dieser Zeilen um 70 bis 90 Prozent. Gleichzeitig steigt das Standardlimit des Puffers von 10 auf 50 MByte pro Terminal.
Unter macOS geben Hintergrund-Tabs außerdem ihren GPU-Speicher frei. Bei einem offenen und 20 verdeckten Tabs sinkt der Bedarf von etwa 385 auf 18 MByte.
SCHNELLER AUSGABE
Auf dem Mac laufen das Auslesen des Pseudo-Terminals und das Parsen jetzt in zwei Threads. Der I/O-Durchsatz steigt um 25 bis 55 Prozent. Der Parser schafft bei reinem ASCII-Text 725 statt 128 MByte pro Sekunde. Eine 150-MByte-Datei per cat braucht 566 Millisekunden statt 1,5 Sekunden. Das sind Angaben aus dem Heise-Bericht, eigene Messungen gibt es hier nicht.
GRAFIK UND ZWISCHENABLAGE
- Kitty-Grafikprotokoll: vollständig umgesetzt, laut Bericht als erster Emulator neben Kitty selbst. Neu sind Animationen (zum Beispiel GIFs über
kitten icat) und relative Bildplatzierung. Große Bilddatenströme laufen etwa 16-mal schneller. - Clipboard (OSC 5522): beliebige MIME-Typen wie Bilder oder HTML. Lesezugriffe brauchen weiter eine Bestätigung, der Dialog zeigt jetzt eine Bildvorschau.
LINUX: NEUER RENDERER
Unter Linux nutzt Ghostty EGL in einem eigenen Thread und gibt Frames per DMABUF an GTK weiter. Dreifaches Puffern verringert Tearing. Schriften sind bei Fractional Scaling wie 125 oder 150 Prozent schärfer. Geteilte Ansichten lassen sich per Drag-and-drop neu anordnen. Voraussetzung sind mindestens GTK 4.18 und libadwaita 1.7. Unter macOS braucht Ghostty 1.4 mindestens Version 13 (Ventura). Eine native Windows-Oberfläche hat das Projekt aus der Roadmap gestrichen.
ZEHN SICHERHEITSLÜCKEN GESCHLOSSEN
Version 1.4 schließt zehn Sicherheitslücken. Manipulierte Terminal-Ausgaben oder Verzeichnisnamen konnten zu Abstürzen oder zum Unterschieben von Befehlen führen. Einzelheiten zu den Lücken nennt der Bericht nicht. Allein deshalb lohnt das Update. Auch die Anpassungen für macOS 27 sind enthalten.
SO PROBIERST DU ES AUS
- Aktualisiere Ghostty über deinen Paketweg (Homebrew, Distributions-Paket oder Release-Seite).
- Teste
ghostty +ssh user@serverauf einem Host, bei dem früher Tasten kaputt waren. - Prüfe bei Linux GTK- und libadwaita-Version, bevor du aktualisierst.
FAZIT: Kleine Ärgernisse, sauber gelöst
Kein Spektakel, aber genau die Art Update, die den Alltag erleichtert. Der SSH-Wrapper erspart Frust, das komprimierte Scrollback spart Speicher, und die zehn Fixes machen das Update zur Pflicht.