Eine Backdoor, die über Discord gesteuert wird? Genau das hat die Sicherheitsfirma ESET jetzt aufgedeckt. Die China-nahe Spionagegruppe Webworm — schon 2022 erstmals beschrieben — hat ihr Werkzeugarsenal kräftig aufgerüstet und nimmt jetzt gezielt europäische Regierungen ins Visier.
DIESE Länder stehen im Visier
Laut ESET hat Webworm seinen Fokus klar nach Europa verschoben. Betroffen sind Regierungsorganisationen in Belgien, Italien, Serbien, Spanien und Polen, dazu zusätzliche Aktivität in Südafrika. Die Forscher entschlüsselten über 400 Discord-Nachrichten, die zur Steuerung dienten — und bekamen so Einblick in die Infrastruktur. Das Ergebnis: Erkundungsaktivität gegen mehr als 50 einzelne Ziele.
EchoCreep und GraphWorm — die neuen Waffen
Das Gefährliche an der Kampagne: Webworm missbraucht vertrauenswürdige Cloud-Dienste als Tarnung. Zwei neue Backdoors stehen im Zentrum:
EchoCreep nutzt Discord für die Kommunikation mit der Steuerzentrale (C&C). Über den Chat-Dienst laden die Angreifer Dateien hoch, schicken Statusberichte und empfangen Befehle — getarnt als ganz normaler Discord-Verkehr.
GraphWorm setzt auf die Microsoft-Graph-API und OneDrive-Endpunkte, um Aufgaben abzurufen und gestohlene Daten abzuladen. Auch hier ist der Clou: Der Datenverkehr sieht aus wie legitime Microsoft-365-Nutzung und rutscht so an vielen Filtern vorbei.
WARUM das so schwer zu entdecken ist
Firewalls und Filter blockieren Discord und Microsoft Graph praktisch nie — diese Dienste sind in Unternehmen Alltag. Genau das macht sie zum perfekten Versteck: Die Backdoors verstecken ihren Befehls- und Datenverkehr in legitimem Cloud-Traffic. Klassische Erkennung, die auf verdächtige eigene Server der Angreifer schaut, läuft hier ins Leere.
Profi-Tarnung mit eigenen Proxy-Tools
Webworm gibt sich nicht mit Standard-Werkzeugen zufrieden. Die Gruppe hat ihre Proxy-Fähigkeiten mit maßgeschneiderten Tools wie WormFrp, ChainWorm, SmuxProxy und WormSocket ausgebaut. ESET geht davon aus, dass die Betreiber diese in Kombination mit SoftEther VPN einsetzen, um ihre Spuren noch besser zu verwischen.
So SCHÜTZT du deine Umgebung
1. Ausgehenden Traffic überwachen: Behalte Verbindungen zu Discord- und Microsoft-Graph-Endpunkten im Blick, besonders von Systemen, die diese Dienste normalerweise nicht brauchen. Anomalien sind hier das wichtigste Signal.
2. Anwendungs-Whitelisting: Wo möglich, sollten Server- und Behörden-Endpunkte keinen freien Zugang zu Chat-Diensten haben. Was nicht gebraucht wird, gehört gesperrt.
3. OAuth-Apps prüfen: Kontrolliere, welche Anwendungen Zugriff auf eure Microsoft-365-Umgebung haben. GraphWorm braucht entsprechende Berechtigungen — verdächtige App-Registrierungen sind ein Alarmzeichen.
FAZIT: Webworm zeigt, wohin die Reise bei Spionage-Gruppen geht: Statt eigener Infrastruktur missbrauchen sie Dienste, denen wir alle vertrauen. Wer seinen ausgehenden Cloud-Traffic nicht überwacht, hat hier einen blinden Fleck.
Häufige Fragen
Wer steckt hinter Webworm?
Warum nutzt die Gruppe Discord und Microsoft Graph?
Bin ich als normaler Nutzer betroffen?
Quellen: