Es klingt wie ein schlechter Scherz, ist aber amtlich: Die USA sperren praktisch alle neuen Saugroboter aus. Die US-Telekommunikationsbehörde FCC hat Ende Juli „fortgeschrittene Robotikgeräte“ aus ausländischer Fertigung auf ihre nationale Sicherheitsliste gesetzt — die sogenannte Covered List. Und kurz danach klargestellt: Ja, damit sind ausdrücklich auch Saugroboter gemeint.
SCHOCK für den Weltmarkt: 68 Prozent auf einen Schlag
Betroffen sind alle neuen Modelle von Roborock, Ecovacs, Dreame, Xiaomi und Narwal. Diese fünf chinesischen Marken standen 2025 zusammen für rund 68 Prozent des weltweiten Saugroboter-Marktes. Ohne die FCC-Gerätezulassung dürfen neue Modelle in den USA weder importiert noch beworben oder verkauft werden.
Der bitterste Teil der Geschichte: Sogar der amerikanische Klassiker Roomba fällt unter den Bann. Der insolvente Hersteller iRobot wurde im Januar 2026 vom chinesischen Unternehmen Picea Robotics aus Shenzhen übernommen — und rutscht damit unter denselben rechtlichen Rahmen wie die Konkurrenz.
DARUM greift die FCC durch
Die Begründung liest sich wie ein Datenschutz-Albtraum: Ein moderner Saugroboter kartiert autonom deine Wohnung, trägt Kameras und Mikrofone durch die Räume und hängt dauerhaft an der Cloud des Herstellers. Aus Sicht der US-Regierung entsteht so ein detailliertes Datenpaket über Grundrisse, Gewohnheiten und Anwesenheitszeiten — ein potenzielles Einfallstor für fremde Staaten.
Wichtig für die Einordnung: Bereits gekaufte Geräte dürfen weiter benutzt werden. Der Bann betrifft nur die Zulassung neuer Modelle. Die FCC stellt den Herstellern zudem einen Ausweg in Aussicht: Wer offenlegt, wo Geräte entwickelt, gefertigt und getestet werden — und verbindlich eine Produktion in den USA zusagt — kann wieder zugelassen werden.
Was heißt das für DICH in Deutschland?
Erst mal: nichts. Der Bann gilt nur für die USA, in der EU gibt es keine vergleichbare Regelung. Aber die Debatte dahinter betrifft dich sehr wohl: Auch dein Saugroboter kennt deinen Grundriss und plaudert mit der Hersteller-Cloud. Wer das nicht möchte, hat Optionen: Viele Modelle lassen sich mit Open-Source-Firmware wie Valetudo komplett von der Cloud trennen und lokal ins Smart Home einbinden. Und dass es sogar ganz ohne Hersteller-Cloud geht, zeigt das Open-Source-Saugroboter-Projekt oomwoo auf Raspberry-Pi-Basis.
Spannend wird die Langfrist-Folge: Wenn der US-Markt für chinesische Hersteller wegbricht, könnten Europa und Deutschland noch stärker in den Fokus der Anbieter rücken — mit aggressiveren Preisen, aber auch mit mehr Modellvielfalt. Gleichzeitig dürfte die Diskussion um lokale Datenverarbeitung im Smart Home neuen Schwung bekommen.
FAZIT: Ein Weckruf, kein Weltuntergang
Der FCC-Bann ist vor allem Geopolitik — aber er legt den Finger in eine echte Wunde: Saugroboter sind fahrende Sensor-Plattformen, und kaum jemand weiß, welche Daten sie wohin schicken. Egal wie man zum US-Vorgehen steht: Die Frage nach der Datenhoheit im eigenen Wohnzimmer ist absolut berechtigt. Wer auf Nummer sicher gehen will, setzt auf lokale Einbindung statt Hersteller-Cloud.
Häufige Fragen
Darf ich meinen Roborock oder Roomba in den USA weiter benutzen?
Gilt das Verbot auch in Deutschland oder der EU?
Warum ist ausgerechnet iRobot mit dem Roomba betroffen?
Wie kann ich meinen Saugroboter von der Hersteller-Cloud trennen?
Quellen: FCC / Covered List, The Verge, Tom’s Guide, 9to5Mac