Es klingt wie ein böser Scherz, ist aber echte Forschung: Der PortSwigger-Sicherheitsforscher Gareth Heyes hat auf der Black Hat USA 2026 gezeigt, wie sich Inhalte einer harmlos aussehenden E-Mail aus ihrer Nachricht befreien und die komplette Webmail-Oberfläche kapern können. Betroffen sind laut der Analyse gleich sechs große Dienste: Outlook, Gmail, Fastmail, Proton Mail, Yahoo Mail und AOL Mail.
SCHOCK: Wie eine E-Mail plötzlich deine Oberfläche steuert
Der Trick steckt in CSS — also der Technik, mit der Webseiten und E-Mails gestaltet werden. Normalerweise darf eine E-Mail nur ihren eigenen kleinen Kasten im Postfach befüllen. Die neuen Angriffsketten hebeln genau diese Grenze aus: Der Schadcode „schwappt“ über den Rand hinaus und legt sich über Buttons, Eingabefelder und Menüs der Webmail-Oberfläche.
Das Ergebnis ist gefährlich: Die Forschung demonstriert, wie sich damit Passwörter abgreifen, fremde Konten übernehmen, Login-Tokens abziehen und sogar KI-Assistenten austricksen lassen, die deine Mails lesen.
GEFAHR! Diese Beispiele funktionierten wirklich
Die Demos sind erschreckend konkret:
- Outlook + Firefox: Eine Kette spiegelt einen täuschend echten Microsoft-Anmeldebildschirm vor — tippst du dein Passwort ein, landet es beim Angreifer.
- Yahoo/AOL: Ein „Paste-Race“ legt ein Login-Token frei, mit dem sich ein Angreifer als du anmelden kann.
- Gmail: Eine Kette schleust nach einer Prompt-Injection und einem Klick sogar ein Slack-Token aus.
Besonders perfide: Bei den KI-Angriffen sieht der Mensch nur harmlosen Text, während das KI-Modell versteckte Anweisungen liest. Fragst du deinen Assistenten dann „übersetze das mal“, öffnet der heimlich Tabs und schmuggelt deine Daten in URL-Fragmente.
So schützt du dich SOFORT
Panik ist unnötig, Aufmerksamkeit dagegen Pflicht. Diese Schritte helfen:
- Niemals Logins aus der E-Mail-Ansicht heraus: Tippe die Adresse deines Anbieters immer selbst in den Browser.
- Zwei-Faktor per Hardware-Key: Ein physischer Sicherheitsschlüssel lässt sich durch gefälschte Login-Fenster nicht abfischen.
- KI-Mail-Tools misstrauisch behandeln: Lass Assistenten keine sensiblen Aktionen aus fremden Mails heraus ausführen.
EXTRA-TIPP: Fastmail hat zwei der CSS-Lücken bereits geschlossen, und ein Proton-Mail-Bypass funktionierte beim Nachtest nicht mehr. Andere Ketten — etwa das Outlook-Label-Jacking und ein Gmail-Bypass — waren zum Veröffentlichungszeitpunkt am 6. August aber noch offen.
FAZIT: Deine Wachsamkeit ist die beste Firewall
Der Angriff zeigt, dass selbst simple Design-Technik zur Waffe werden kann. Die Anbieter arbeiten an Fixes — doch bis alle Lücken zu sind, gilt: Vertraue keinem Anmeldefenster, das aus einer E-Mail auftaucht.