Die gemeinnützige Git-Plattform Codeberg zieht eine Grenze: Software, die überwiegend von KI-Werkzeugen geschrieben wurde, darf dort nicht mehr liegen. Die Abstimmung darüber endete am 22. Juli — mit 358 Ja-Stimmen, 144 Nein-Stimmen und 14 Enthaltungen.
DAS steht jetzt in den Nutzungsbedingungen
Eine Ergänzung der Nutzungsbedingungen untersagt Projekte, die „überwiegend aus Code bestehen, der von“ generativen KI-Werkzeugen geschrieben wurde. Das Wort überwiegend ist der entscheidende Teil.
Es ist also kein pauschales Verbot von KI-Hilfe beim Programmieren. Ein von Menschen getriebenes Projekt fällt nicht unter die Regel, nur weil einmal ein von einem Sprachmodell erzeugter Beitrag angenommen wurde — ob bewusst oder unbemerkt. Gemeint sind die Repositories, in denen praktisch der komplette Code aus einem Prompt gefallen ist.
Der wahre Grund: eine Rechnung
Interessant ist die Begründung, weil sie nicht ideologisch ist, sondern kaufmännisch. Codeberg rechnet vor: Eine SSD, die die Plattform vor einigen Jahren rund 700 Euro kostete, schlägt heute mit etwa 3.700 Euro zu Buche. Die weltweite Speicher-Knappheit trifft eben nicht nur deinen Homelab-Einkauf, sondern auch gemeinnützige Vereine.
Gleichzeitig frisst die Welle maschinell erzeugter Projekte Speicherplatz und Rechenzeit der Bau-Server. Für eine Plattform, die sich aus Spenden finanziert, ist das im Alltag nicht tragbar. Kurz gesagt: Codeberg kann sich Berge von generierten Repositories einfach nicht leisten.
EXTRA: Der zweite Beschluss ist mindestens so wichtig
Zusammen mit dem Verbot ging ein zweiter Antrag durch — und der dürfte vielen Entwicklern noch besser gefallen: Codeberg verpflichtet sich, niemals KI-Modelle auf dem gehosteten Code oder den Nutzerdaten zu trainieren. Das ist eine Zusage, die kommerzielle Plattformen bislang so klar nicht geben.
Laut einem Bericht von Hackaday betrifft die Änderung der Nutzungsbedingungen außerdem Kryptowährungs-Projekte, die künftig ebenfalls nicht mehr willkommen sind.
Warum das eine Grundsatzfrage ist
Codeberg positioniert sich damit mitten in der Debatte, die die Open-Source-Welt derzeit spaltet. Auf der einen Seite steht das Argument, dass KI-Werkzeuge Einsteigern den Zugang erleichtern und Fleißarbeit abnehmen. Auf der anderen die Erfahrung von Maintainern, die sich durch Berge halbfertiger Beiträge arbeiten müssen, hinter denen niemand steht, der die Fragen dazu beantworten kann.
Genau diese Reibung hat diese Woche noch ein weiteres Projekt erschüttert — bei Jellyfin gehörten Streitigkeiten über den Umgang mit Sprachmodellen zu den Gründen, aus denen mehrere führende Köpfe hinwarfen. Das Thema ist keine Randnotiz mehr.
SO betrifft es dein eigenes Repository
Wenn du mit KI-Unterstützung programmierst: Entspannt bleiben. Solange du das Projekt fachlich führst, Beiträge prüfst und Fragen dazu beantworten kannst, greift die Regel nicht.
Wenn du generierte Prototypen ablegst: Nutze dafür besser einen selbst gehosteten Git-Server. Eine Forgejo-Instanz im Homelab kostet dich außer Strom nichts und belastet keine fremde Spendenkasse — genau dafür ist Selbst-Hosting da.
Wenn du Maintainer bist: Der Beschluss ist eine Vorlage. Eine kurze, klare Zeile in der Beitrags-Anleitung, wie du es mit KI-generierten Pull-Requests hältst, erspart dir langfristig viel Diskussion.
FAZIT: Nicht gegen KI, sondern für Verantwortung
Codeberg verbietet nicht das Werkzeug, sondern das Abladen von Ergebnissen ohne verantwortliche Person dahinter. Und die Zusage, nie auf fremdem Code zu trainieren, macht die Plattform für alle interessanter, die genau davor Sorge haben. Eine gemeinnützige Plattform, die sich ihre Betriebskosten ansieht und daraus eine Regel ableitet, handelt ziemlich vernünftig.