Es gibt dieses eine Ärgernis, das jeder kennt, der alte Windows-Spiele unter Linux startet: Das Spiel will 800 mal 600 Pixel, dein Monitor kann 3840 mal 2160 — und heraus kommt entweder ein briefmarkengroßes Bild in der Mitte oder ein verwaschener Matsch über den ganzen Schirm.
Wine 11.17 geht dieses Problem endlich an der Wurzel an. Die am 4. September veröffentlichte Entwicklerversion bringt eine erste Fassung der Bildschirmmodus-Emulation.
WAS DIE EMULATION ANDERS MACHT
Bisher hat Wine bei einem Auflösungswunsch versucht, den echten Bildschirmmodus umzuschalten — mit allen Nebenwirkungen: schwarze Bildschirme beim Alt-Tab, durcheinandergeworfene Fenster auf dem Desktop, gelegentlich ein Monitor, der sich nicht mehr zurückschalten lässt.
Die neue Emulation dreht das um. Wine gaukelt der Anwendung die gewünschte Auflösung vor und lässt den echten Bildschirmmodus in Ruhe. Die Arbeit von Rémi Bernon sorgt dafür, dass die OpenGL-Ausgabe passend zur emulierten Auflösung skaliert wird. Alte Titel landen damit sauber hochgerechnet auf modernen, hochauflösenden Displays.
Wichtig einzuordnen: Das ist eine erste Fassung, kein fertiges Feature. Wine 11.17 gehört zum Entwicklungszweig mit zweiwöchentlichem Takt. Wer maximale Stabilität braucht, bleibt bei der Stable-Reihe und bekommt die Funktion später.
VKD3D 2.1: Direct3D 12 legt nach
Mit im Paket steckt die neue Fassung VKD3D 2.1. Diese Bibliothek übersetzt Direct3D-12-Aufrufe nach Vulkan — sie ist der Grund, warum moderne Windows-Spiele unter Linux überhaupt laufen. Jede Version schließt Lücken in der Übersetzung und bringt Titel zum Laufen, die vorher stehen blieben.
Dazu kommt Unterstützung für die Windows-Schnittstellen zur bevorzugten Oberflächensprache. Klingt trocken, sorgt aber dafür, dass Programme deine Spracheinstellung korrekt erkennen, statt hartnäckig auf Englisch zu bestehen.
44 FEHLER WENIGER — darunter zwei Klassiker
Die Fehlerliste dieser Ausgabe umfasst 44 Einträge. Zwei davon dürften Freunde älterer Titel freuen:
- GTA: Vice City zeigte beim Intro-Video einen weißen Bildschirm.
- GTA: San Andreas spielte im exklusiven Vollbildmodus überhaupt keine Videos ab.
Beides sind typische Wine-Baustellen: Nicht das Spiel selbst hakt, sondern eine einzelne Windows-Schnittstelle im Umfeld — hier die Videowiedergabe.
SO KOMMST DU AN DAS UPDATE
Der bequemste Weg führt über die offizielle WineHQ-Paketquelle deiner Distribution. Dort erscheinen die Entwicklerversionen meist wenige Tage nach der Veröffentlichung.
- Ubuntu und Debian: WineHQ-Repository einbinden und das Paket
winehq-develinstallieren. - Arch Linux: Das Paket
wineaus dem Multilib-Repository folgt dem Entwicklungszweig. - Fedora: Die WineHQ-Repodatei für deine Version einbinden.
Extra-Tipp: Lege vor dem Update eine Kopie deines Wine-Präfixes an — meist ~/.wine. Ein einfaches cp -a ~/.wine ~/.wine-backup reicht. Wenn eine Entwicklerversion bei dir zickt, bist du damit in einer Minute wieder auf dem alten Stand.
FAZIT: Der Schritt, der lange gefehlt hat
Die Bildschirmmodus-Emulation ist eine dieser Funktionen, die niemand auf einem Werbeplakat sehen will — und die trotzdem den Alltag spürbar verbessern. Wer regelmäßig ältere Windows-Software unter Linux betreibt, sollte diese Entwicklung im Auge behalten. Bis sie im Stable-Zweig ankommt, wird sie noch reifen.