Browser-Updates verkaufen sich schlecht, weil man ihnen nichts ansieht. Bei Firefox 155, seit dem 1. September im stabilen Kanal, lohnt sich der Blick trotzdem — denn die interessanteste Änderung passiert in dem halben Wimpernschlag, bevor eine Seite überhaupt anfängt zu laden.
MEHRERE WEGE GLEICHZEITIG statt einer nach dem anderen
Bisher lief der Verbindungsaufbau ungefähr so: Der Browser sucht sich einen Weg zum Server aus, probiert ihn, und wenn der nicht antwortet, nimmt er den nächsten. Bei einer kaputten IPv6-Route bedeutete das eine spürbare Gedenkpause.
Firefox 155 unterstützt Happy Eyeballs v3. Der Browser probiert nun mehrere Wege parallel und nimmt schlicht den, der zuerst antwortet. Das Verfahren kostet ein paar zusätzliche Verbindungsversuche und spart im Gegenzug genau die Wartezeiten ein, die man sonst als „das Internet hakt“ wahrnimmt — besonders in Netzen, in denen IPv4 und IPv6 nebeneinander laufen.
Dazu kommt Unterstützung für QUIC v2, das Transportprotokoll unter HTTP/3. Auch das ist Fleißarbeit unter der Haube, die man nicht sieht, sondern höchstens als „geht flotter“ bemerkt.
DER ZÄHLER, den man tatsächlich sieht
Sichtbarer ist eine andere Neuerung: Firefox zeigt jetzt an, wie viele Tracker er auf einer Seite blockiert hat. Bislang meldete der Schutzschild nur, dass geblockt wurde. Jetzt steht dort eine Zahl.
Das ist mehr als Spielerei. Wer einmal sieht, dass eine gewöhnliche Nachrichtenseite zwei Dutzend Zähl-Skripte mitbringt, versteht ohne weitere Erklärung, warum Tracking-Schutz kein Nischenthema ist.
WEITERE ÄNDERUNGEN im Überblick
- Container lassen sich neu sortieren. Wer mit getrennten Kontexten arbeitet — Arbeit, Privat, Einkaufen —, kann die Reihenfolge endlich selbst festlegen.
- Mehrere Linux-Korrekturen. Für Linux-Nutzer ist dieser Punkt der praktisch relevanteste des ganzen Release.
- Smart Window, eine optionale KI-Funktion, wird für mehr Nutzer ausgerollt. Optional heißt hier tatsächlich optional — wer sie nicht einschaltet, merkt nichts davon.
WARUM DIE UPDATES JETZT SO DICHT KOMMEN
Dass Firefox-Versionen derzeit im Zweiwochentakt erscheinen, ist kein Zufall, sondern ein Versuch von Mozilla. Der kürzere Rhythmus bedeutet: weniger Neues pro Version, dafür schneller beim Nutzer. Für dich heißt das vor allem, dass Sicherheitskorrekturen kürzere Wege haben — und dass eine Versionsnummer weniger Gewicht hat als früher.
PRAKTISCH GEDACHT
Wenn du im Homelab eigene Dienste über HTTP/3 ausspielst — etwa hinter einem modernen Reverse Proxy —, ist QUIC v2 im Browser ein guter Anlass, die Gegenseite zu prüfen. Und wer schon einmal gerätselt hat, warum der Zugriff auf einen internen Dienst mal sofort und mal mit drei Sekunden Verzögerung kommt: Genau solche Fälle sind es, die Happy Eyeballs v3 abfängt.