Der Streit um Claude Code erreicht die nächste Eskalationsstufe: Nach dem Rauswurf bei Alibaba schaltet sich jetzt die chinesische Regierung ein. Das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) warnt offiziell vor einer angeblichen Sicherheits-Backdoor in Anthropics Coding-Tool — und ruft Nutzer im ganzen Land zum Deinstallieren oder Updaten auf.
STAATS-WARNUNG: Das wirft Peking Anthropic vor
Am Mittwoch meldete die Cybersecurity-Plattform des Ministeriums: Das „KI-Coding-Tool Claude Code enthält eine Sicherheits-Backdoor, die eine ernste Bedrohung darstellt“. Der Vorwurf: Das Tool könne sensible Informationen ohne Zustimmung des Nutzers an einen entfernten Server senden.
Eine amtliche Warnung dieser Art ist ein NOVUM. Bisher lief der Konflikt zwischen Anthropic und China auf Firmenebene — jetzt spricht ein Ministerium.
WELCHE Versionen betroffen sind
Die Warnung nennt die Claude-Code-Versionen 2.1.91 bis 2.1.196 — das sind alle Releases zwischen dem 2. April und dem 29. Juni. Die aktuelle Version 2.1.204 ist laut der Meldung NICHT betroffen. Die Empfehlung aus Peking: betroffene Versionen deinstallieren oder sofort aktualisieren.
Anthropic kontert: „Das war ein Experiment“
Anthropic weist den Backdoor-Vorwurf zurück. Auf Anfrage erklärte das Unternehmen, bei der beanstandeten Funktion habe es sich um ein Experiment aus dem Frühjahr gehandelt — einen Schutzmechanismus gegen sogenannte Distillation, also das massenhafte Abzapfen von Claude-Antworten, um damit eigene KI-Modelle zu trainieren.
Genau dieser Mechanismus flog vor wenigen Tagen bei Alibaba auf: Forscher des Konzerns entdeckten versteckte Umgebungs-Checks im Tool — Alibaba verbannt Claude Code deshalb ab dem 10. Juli aus seinen internen Systemen.
KI-ZOFF mit Vorgeschichte
Der Konflikt schwelt seit Wochen: Bereits im Juni hatte Anthropic Alibaba beschuldigt, Claude über rund 25.000 Fake-Konten illegal angezapft zu haben — angeblich für „adversarial distillation“ des hauseigenen Qwen-Labs. Die jetzige Staats-Warnung wirkt wie die Retourkutsche auf offener Bühne: Erst der Konzern-Bann, einen Tag später die Ministeriums-Meldung.
Wichtig für die Einordnung: Unabhängig bestätigt ist der Backdoor-Vorwurf nicht. Fest steht nur, dass Anthropic zeitweise Telemetrie-Checks gegen Modell-Kopierer eingebaut hatte — wie weit die gingen, sagen beide Seiten unterschiedlich.
Was du JETZT tun solltest
Für dich als Nutzer ist die Sache einfacher als der Politik-Streit klingt:
Öffne dein Terminal und prüfe mit claude --version, welche Version du nutzt. Liegt sie zwischen 2.1.91 und 2.1.196, hol dir mit einem Update die aktuelle Version — das dauert keine Minute und du bekommst nebenbei alle Bugfixes der letzten Wochen mit. Wer automatische Updates aktiv hat, ist in der Regel längst auf einem aktuellen Stand.
Und wenn dich interessiert, wie vorsichtig Claude Code inzwischen selbst geworden ist: Heute Morgen haben wir über den neuen Standard-Modus mit Nachfrage-Pflicht berichtet.
Häufige Fragen
Hat Claude Code wirklich eine Backdoor?
Welche Versionen sind betroffen?
Was sollte ich als Nutzer konkret tun?
Warum warnt ausgerechnet China?
Quellen: CNBC, The Register, South China Morning Post, CBS News