Eine Überwachungskamera soll dein Auge im Haus oder Büro sein — nicht die offene Tür für Fremde. Genau davor warnt jetzt die US-Cyberbehörde CISA: In mehreren PTC-Kameras des Herstellers AVer steckt eine Lücke mit dem brutalen Höchstwert CVSS 9,8. Angreifer könnten aus der Ferne die volle Kontrolle übernehmen — ganz ohne Passwort. Hier erfährst du, ob du betroffen bist und wie du deine Kamera sofort absicherst.
SCHOCK: Ein präparierter Aufruf reicht
Die Schwachstelle trägt die Kennung CVE-2026-40624 und wurde am 18. Juni 2026 in der CISA-Meldung ICSA-26-169-01 veröffentlicht. Schuld ist eine mangelhafte Prüfung von Eingaben (Improper Input Validation): Über eine speziell gebaute Web-Anfrage kann ein entfernter, nicht angemeldeter Angreifer auf Dateien und Verzeichnisse zugreifen und im schlimmsten Fall eigenen Code ausführen.
Das Tückische: Diese Kameras sind oft schwenk-, neig- und zoombar (Pan-Tilt-Zoom) und werden weltweit in Behörden, Firmen und im Gesundheitswesen für Konferenzen und Aufzeichnungen eingesetzt. Wer so ein Gerät kapert, sieht nicht nur mit — er kann von der Kamera aus tiefer ins Netzwerk vordringen, etwa auf angebundene Windows-Systeme.
GEFAHR: Diese vier Modelle sind betroffen
Laut CISA sind alle Firmware-Versionen dieser vier Modelle verwundbar:
- AVer PTC500S
- AVer PTC115
- AVer PTC500+
- AVer PTC115+
Eine gute Nachricht gibt es: Zum Zeitpunkt der Warnung lagen der CISA keine Berichte über aktive Angriffe speziell auf diese Lücke vor. Das ist aber kein Grund zum Zurücklehnen — eine 9,8er-Bewertung bei einem aus dem Internet erreichbaren Gerät ist eine Einladung, die Kriminelle gerne annehmen.
So schützt du deine Kamera SOFORT
Solange kein Hersteller-Patch verfügbar ist, zählt vor allem eines: die Kamera vom offenen Internet fernhalten. Die wichtigsten Schritte:
- Fernzugriff abschalten: Brauchst du keinen Web-Zugriff von außen, deaktiviere ihn komplett.
- Netz segmentieren: Steck die Kamera in ein eigenes VLAN oder Gäste-Netz, getrennt von PCs, NAS und Servern.
- Zugriff einschränken: Erlaube den Web-Zugang nur aus vertrauenswürdigen Netzen.
- Logs beobachten: Achte auf ungewöhnliche Web-Anfragen an die Kamera.
- Updates prüfen: Schau regelmäßig auf AVers Sicherheitshinweise und spiel Patches ein, sobald sie da sind.
EXTRA-TIPP: Im Zweifel hilft die radikale Lösung — Gerät vorübergehend vom Netz nehmen oder isolieren, bis ein Update bereitsteht. Eine kurze Blindzeit ist besser als eine gekaperte Kamera mitten im Heimnetz.
FAZIT: Sicht nach innen, Riegel nach außen
Smarte Kameras sind praktisch, aber sie sind eben auch kleine Computer mit eigener Software — und damit angreifbar. Die AVer-Lücke ist ein guter Anlass, das eigene Netzwerk einmal aufzuräumen: Kameras und andere IoT-Geräte gehören grundsätzlich in ein eigenes Segment, nicht neben deinen Rechner. Dann bleibt selbst eine kritische Lücke ein lokal begrenztes Problem.
Häufige Fragen
Welche Geräte sind betroffen?
Gibt es schon ein Update?
Wie schütze ich meine Kamera sofort?
Bin ich als Heimanwender überhaupt gefährdet?
Quellen: CISA ICS-Advisory ICSA-26-169-01, NVD/CVE-2026-40624 (Juni 2026).