Fünf Jahre Entwicklung, ein Ergebnis: Die Alliance for Open Media (AOMedia) hat die finale v1.0-Spezifikation von AV2 veröffentlicht. Der Nachfolger des überall verbauten AV1-Codecs ist damit offiziell fertig — und er tritt mit einer Kampfansage an: bis zu 40 Prozent weniger Bandbreite bei gleicher Bildqualität.
UNGLAUBLICH: Was 40 Prozent wirklich bedeuten
AV1 läuft heute bei YouTube, Netflix und Amazon — Milliarden Streams täglich. Wenn AV2 dieselbe Qualität mit 40 Prozent weniger Daten liefert, heißt das: 4K-Streams in der Datenmenge von gestrigem Full-HD. Für Streaming-Riesen sind das Milliarden an gesparten Traffic-Kosten. Für dich heißt es perspektivisch: bessere Qualität über dieselbe Leitung — auch im VPN-Tunnel zum heimischen Media-Server.
OFFEN UND GRATIS: Der Lizenz-Trumpf bleibt
Wie AV1 ist AV2 royalty-free — keine Patentgebühren, keine Lizenz-Fallen wie bei H.265/HEVC. Hinter AOMedia stehen Google, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Netflix und Nvidia. Die neue Version bringt neben der Kompression auch besseren Umgang mit Screen-Content (wichtig für Remote-Desktop und Game-Streaming), Optimierungen für AR/VR und einen größeren Qualitätsbereich vom Mini-Stream bis zum Kino-Master.
GEDULD: Warum dein NAS noch nichts davon hat
Jetzt die ehrliche Einordnung: Eine fertige Spezifikation ist der Startschuss, nicht die Ziellinie. Bei AV1 dauerte es Jahre, bis Hardware-Decoder in CPUs, GPUs und Fernsehern ankamen. Genau so wird es bei AV2 laufen. Die VideoLAN-Entwickler arbeiten bereits an dav2d, einem CPU-Decoder nach dem Vorbild des bewährten dav1d. Erst wenn Intel, AMD, Nvidia und die TV-Chiphersteller AV2 in Silizium gießen, wird der Codec massentauglich — realistisch reden wir über 2028 und später.
FÜR DEIN HOMELAB: Das solltest du JETZT tun
Kurz gesagt: nichts. Wer heute eine Medienbibliothek für Jellyfin oder Plex aufbaut, fährt mit AV1 (für moderne Clients) und H.264/H.265 (für Kompatibilität) weiter richtig. Re-Encoding auf AV2 wäre Verschwendung — es gibt schlicht noch keine Abspielgeräte. Aber merk dir das Datum: Beim nächsten NAS- oder GPU-Kauf in zwei, drei Jahren wird „AV2-Decode in Hardware“ ein echtes Kaufargument sein.
FAZIT: Der wichtigste Codec-Release seit 2018
AV2 zementiert die offene, gebührenfreie Video-Zukunft. Die Spec ist final, die Tools kommen — und die Streaming-Welt hat ihren Fahrplan für die nächsten zehn Jahre.
Häufige Fragen
Was ist AV2 und wer steckt dahinter?
Wie viel besser ist AV2 als AV1?
Wann kann ich AV2 auf meinem Media-Server nutzen?
Sollte ich meine Videos jetzt auf AV2 umwandeln?
Quellen: Phoronix, AV2-Spezifikation (AOMedia), Neowin