Es ist der Ernstfall, vor dem jeder Website-Betreiber Angst hat: Eine Sicherheitsfirma hat eine Lücke direkt im WordPress-Core gefunden — kein Plugin, kein Theme, keine Sonder-Konfiguration nötig. Eine einzige anonyme HTTP-Anfrage reicht, und Angreifer führen eigenen Code auf deinem Server aus. Der Angriff trägt den Namen wp2shell, und WordPress hat gestern die Notfall-Versionen 6.9.5 und 7.0.2 veröffentlicht.
GEFAHR! Zwei Lücken werden zur Kettenreaktion
wp2shell ist genau genommen ein Doppelschlag aus zwei Schwachstellen. Nummer eins: CVE-2026-60137, eine SQL-Injection im Parameter author__not_in der zentralen Abfrage-Klasse WP_Query. Nummer zwei: CVE-2026-63030, ein Routing-Fehler im REST-API-Endpoint /wp-json/batch/v1.
Einzeln wären beide unangenehm. Zusammen werden sie brandgefährlich: Wird die SQL-Injection durch den Batch-Endpoint geschleust, eskaliert sie zur Remote Code Execution — der Angreifer übernimmt den Server. Entdeckt hat die Kette das Forscherteam von Searchlight Cyber.
Wer ist betroffen?
Der verwundbare Code-Pfad existiert erst seit WordPress 6.9 (erschienen im Dezember 2025). Konkret betroffen sind die Versionen 6.9.0 bis 6.9.4 und 7.0.0 bis 7.0.1. Wer noch auf einer 6.8er-Version oder älter unterwegs ist, ist von dieser Kette ausnahmsweise verschont — sollte aber aus vielen anderen Gründen trotzdem aktualisieren.
Das Beunruhigende: Der Angriff funktioniert gegen eine Standard-Installation ohne ein einziges Plugin. Kein Login, keine Nutzer-Interaktion, keine Sonderkonfiguration. Bei geschätzt mehreren hundert Millionen WordPress-Seiten weltweit ist das eine gewaltige Angriffsfläche — Sicherheitsfirmen wie Rapid7 und Aikido stufen die Lücke entsprechend als kritisch ein.
So rettest du deine Seite in 5 MINUTEN
Schritt 1: Prüfe im Dashboard unter Dashboard → Aktualisierungen deine Version. Schritt 2: Update auf 7.0.2 — oder auf 6.9.5, wenn du auf dem 6.9er-Zweig bleiben willst. Beide Versionen schließen die Kette vollständig. Schritt 3: Hast du Auto-Updates für Minor-Releases aktiv (Standard!), hat WordPress das Update vermutlich schon eingespielt — kontrollieren schadet trotzdem.
Danach lohnt ein kurzer Blick in die Nutzerliste und auf zuletzt geänderte Dateien: Bei einer Lücke, die ohne Login funktioniert, willst du sicher sein, dass vor dem Patch niemand durchgeschlüpft ist. Wie du eine kompromittierte Seite erkennst, haben wir erst kürzlich beim ShapedPlugin-Vorfall beschrieben.
EXTRA-TIPP: WAF-Regel für den Übergang
Kannst du nicht sofort updaten (Stichwort Staging-Umgebung oder Agentur-Freigabe), blocke übergangsweise an deiner Firewall oder im Webserver beide Pfade: /wp-json/batch/v1 und ?rest_route=/batch/v1. Das kappt den Eskalationspfad, ersetzt aber das Update nicht.
FAZIT: Kein Drama — wenn du JETZT handelst
Core-Lücken dieser Größenordnung sind selten, und das WordPress-Team hat schnell reagiert. Entscheidend ist jetzt Tempo: Sobald Exploit-Details öffentlich durchsickern, werden automatisierte Scans nicht lange auf sich warten lassen. Fünf Minuten Update-Arbeit ersparen dir im Zweifel Tage der Aufräumarbeit.
Häufige Fragen
Welche WordPress-Versionen sind von wp2shell betroffen?
Wie merke ich, ob meine Seite schon angegriffen wurde?
Reicht das automatische Update oder muss ich selbst aktiv werden?
Was genau bedeutet Pre-Auth RCE?
Quellen: Searchlight Cyber · The Hacker News · Rapid7