Du hast auf deiner WordPress-Seite ein Kontaktformular. Harmlos, oder? Bei einem der beliebtesten Formular-Plugins ist genau dieses Formular gerade das offene Scheunentor. Über 600.000 Seiten nutzen Forminator Forms — und in Versionen bis 1.56.1 steckt eine Lücke, die Angreifern ohne jede Anmeldung eine PHP-Datei auf deinen Server schiebt.
Die Lücke trägt die Nummer CVE-2026-15748 und den Schweregrad 9,8 von 10. Das ist so hoch, wie es praktisch wird.
SO EINFACH: Ein Upload-Feld, ein Auswahl-Feld — fertig
Der Fehler sitzt in der Funktion handle_file_upload. Sie soll prüfen, was für eine Datei da eigentlich hochgeladen wird — und tut das zu oberflächlich.
Forminator führt eine Sperrliste gefährlicher Dateitypen. Das Problem: Diese Liste wird über einen exakten Schlüsselvergleich abgeglichen. Wer eine leicht abweichende Endung samt passendem MIME-Ausdruck angibt, steht nicht auf der Liste — WordPress selbst behandelt die Datei am Ende trotzdem als PHP. Der Wächter guckt weg, der Server führt aus.
Wichtig für die Einordnung: Der Angriff funktioniert nur bei Formularen, die gleichzeitig ein Datei-Upload-Feld und ein Auswahl-Feld enthalten. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Genau diese Kombination ist bei Bewerbungs-, Support- und Reklamationsformularen völlig üblich.
GEFAHR! Warum „unangemeldet“ hier alles ändert
Viele WordPress-Lücken setzen voraus, dass ein Angreifer schon irgendeinen Zugang hat — Abonnent, Autor, irgendwas. Diese hier nicht. Niemand muss sich einloggen.
Das bedeutet in der Praxis: Automatisierte Scanner können das Internet im großen Stil nach verwundbaren Seiten absuchen. Kein Mensch sitzt davor und wählt Ziele aus. Deine kleine Vereinsseite ist damit genauso interessant wie ein Shop mit 10.000 Bestellungen im Monat.
Landet die PHP-Datei erst einmal im Upload-Ordner und lässt sich aufrufen, hat der Angreifer eine Web-Shell — also eine Fernbedienung für deinen Webspace. Von dort aus geht alles: Admin-Konten anlegen, Datenbank auslesen, Spam versenden, Weiterleitungen einbauen.
In 5 MINUTEN geprüft: So gehst du vor
Der Hersteller hat den Fehler in Forminator Forms 1.56.2 behoben. Dein Weg dahin:
- Version prüfen: WordPress-Backend → Plugins → Forminator. Steht dort 1.56.1 oder niedriger, bist du dran.
- Aktualisieren: Update auf 1.56.2 oder neuer einspielen. Vorher wie immer eine Sicherung ziehen.
- Upload-Ordner ansehen: Schau in
/wp-content/uploads/nach Dateien mit PHP-Endung. Dort gehören keine hin. - Benutzerliste durchgehen: Unter Benutzer nach Konten suchen, die du nicht angelegt hast.
- Wenn Update nicht sofort geht: Betroffene Formulare vorübergehend offline nehmen oder das Upload-Feld entfernen.
EXTRA-TIPP: Dauerhaft PHP im Upload-Ordner sperren
Unabhängig von diesem einen Plugin lohnt sich eine Grundregel: Im Upload-Verzeichnis hat nie ausführbarer Code etwas zu suchen. Bei Apache erledigt das eine kleine .htaccess im Ordner uploads, bei nginx eine Regel in der Server-Konfiguration, die PHP-Dateien unterhalb von /uploads/ nicht an den Interpreter durchreicht.
Das kostet dich zehn Minuten und entschärft die halbe Familie dieser Upload-Lücken auf einen Schlag — auch die, die noch niemand entdeckt hat.
FAZIT: Kein Grund für Panik, aber für heute Abend
Nach der Veröffentlichung liefen laut Sicherheitsforschern noch hunderttausende Installationen auf einer verwundbaren Ausgabe. Der Patch existiert, er ist kostenlos, und das Update dauert einen Klick. Es gibt schlicht keinen guten Grund, das liegen zu lassen.
Häufige Fragen
Welche Forminator-Versionen sind betroffen?
Wie merke ich, ob meine Seite verwundbar ist?
Wie erkenne ich einen bereits erfolgten Angriff?
Reicht eine Web Application Firewall als Schutz?
Quellen
- The Hacker News — Forminator WordPress Flaw Can Enable Unauthenticated RCE
- SecurityWeek — 300,000 WordPress Sites Potentially Exposed
- Cybersecurity News — Critical WordPress Plugin Vulnerability Exposes 600,000 Sites
- securityonline.info — CVE-2026-15748 (CVSS 9.8): Forminator Flaw Enables Pre-Auth RCE
- Tenable — CVE-2026-15748