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Wer sein NAS mit Unraid betreibt, kennt das kleine schmutzige Geheimnis: Unter der schicken Oberfläche werkelt seit Jahren Slackware — eine der ältesten Linux-Distributionen überhaupt. Charmant, aber eigenwillig. Damit ist jetzt Schluss.
Lime Technology hat am 17. August 2026 Unraid 8 angekündigt. Und das ist kein Punkt-Release mit ein paar neuen Knöpfen. Es ist der größte Umbau seit Version 6.
BASIS-TAUSCH: Slackware geht, uCore kommt
Unraid 8 setzt künftig auf uCore — ein Server-Abbild aus dem Universal-Blue-Projekt, das wiederum auf Fedora CoreOS aufbaut. Wichtig dabei: Es ist ein unveränderliches, containerbasiertes Systemabbild. Das Basis-System wird also nicht mehr Stück für Stück nachgepflegt, sondern als Ganzes ausgetauscht.
Für dich als Nutzer heißt das drei Dinge:
- Mehr Hardware läuft von Haus aus. Fedora bringt eine deutlich breitere Treiberbasis mit als Slackware.
- Sicherheits-Updates kommen schneller. Weil Basis-System und Unraid-Software sauber getrennt sind, kann Lime Technology reine Sicherheits-Patches ausliefern, ohne gleich die halbe NAS-Software mitzuschieben.
- Du bekommst die Wahl beim Kernel. Brandneue Hardware im Rechner? Dann den aktuellsten Kernel. Läuft alles rund? Dann bleibst du auf dem stabilen Langzeit-Kernel.
Diese Kernel-Wahl ist der Punkt, über den sich Homelab-Bastler am meisten freuen dürften. Wer schon mal wochenlang darauf gewartet hat, dass ein Netzwerkchip oder eine neue GPU endlich unterstützt wird, weiß warum.
ENDLICH! Docker Compose landet direkt in den Community Apps
Bisher war Docker Compose auf Unraid ein Plugin-Anbau mit eigener Oberfläche. Man konnte es nutzen, aber es fühlte sich nie ganz dazugehörig an.
In Version 8 wird Compose direkt in das Community-Apps-System eingebaut. Compose-basierte Anwendungen erscheinen damit in derselben Liste wie die klassischen Unraid-Templates — kein Umweg über eine zweite Oberfläche mehr.
Das ist mehr als Kosmetik. Sehr viele Self-Hosting-Projekte liefern heute ausschließlich eine docker-compose.yml aus. Wer die bisher auf Unraid bringen wollte, musste sie entweder von Hand in Templates übersetzen oder mit dem Plugin hantieren. Beides fällt weg.
NEU: Backup ohne Plugin-Bastelei
Der dritte große Baustein ist eine eingebaute Sicherungslösung. Ziel deiner Backups kann laut Ankündigung sein:
- Cloud-Speicher
- S3-kompatible Dienste
- ein zweiter Unraid-Server
Snapshots und vollständige Wiederherstellungen sind fest im Produkt vorgesehen. Bislang war das ein Flickenteppich aus Plugins, rsync-Skripten und Cron-Jobs — funktional, aber nichts, was man einem Einsteiger guten Gewissens erklärt.
Wenn du deine Unraid-Lizenz noch nicht hast oder eine zweite für den Backup-Server brauchst: Die Lizenzen gibt es direkt beim Hersteller — Unraid*.
Wer steckt eigentlich dahinter?
Passend zur Ankündigung hat Geschäftsführerin Tiffany Jones am 11. August einen offenen Brief veröffentlicht. Ein paar Zahlen daraus: Lime Technology nimmt weder Risikokapital noch Schulden auf und hat keinen externen Aufsichtsrat. Das Team ist seit Frühjahr 2024 auf rund 30 Personen gewachsen, die Nutzerbasis hat sich seit 2019 verfünffacht und verteilt sich auf über 150 Länder.
Für ein Produkt, das im Kern ein Ein-Mann-Projekt war, ist das eine bemerkenswerte Entwicklung — und es erklärt, warum ein Umbau dieser Größenordnung überhaupt stemmbar ist.
FAZIT: Spannend — aber lass den Finger noch vom Update
Ein Erscheinungsdatum gibt es nicht, und der Weg von Version 7 nach 8 ist noch nicht dokumentiert. Wer produktiv Daten auf seinem Unraid liegen hat, wartet also ab. Interessant wird es, sobald die erste Beta samt Migrationsleitfaden auftaucht — dann lohnt ein Testlauf auf einem alten USB-Stick mit einer Ersatzlizenz.