Wer eine UniFi-Konsole betreibt, kennt den Rhythmus: alle paar Wochen ein Sicherheitsbulletin, ein paar Punkte, Update einspielen, fertig. Am 26. August 2026 lief das anders. Ubiquiti hat mit dem Security Advisory Bulletin 067 auf einen Schlag 22 Schwachstellen veröffentlicht — nach übereinstimmenden Berichten die umfangreichste Offenlegung kritischer Lücken in der Geschichte des Herstellers.
DREI Lücken mit der Höchstwertung 10,0
Die CVSS-Skala endet bei 10,0. Diesen Wert erreichen Lücken, die sich ohne Anmeldung, über das Netzwerk und ohne jede Mithilfe des Nutzers ausnutzen lassen — und die dabei Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit gleichzeitig zerlegen. In Bulletin 067 stehen davon gleich drei:
- CVE-2026-77537 — UniFi Protect Application bis einschließlich 7.1.87. Unzureichende Prüfung von Eingaben erlaubt es, Befehle auf dem darunterliegenden Gerät auszuführen. Behoben in 7.2.105.
- CVE-2026-77550 — UniFi OS. Eine sogenannte CRLF-Injection (untergeschobene Zeilenumbrüche in einer Anfrage) hebelt die Authentifizierung aus. Wer Netzwerkzugriff hat, kommt an der Anmeldung vorbei.
- CVE-2026-77554 — UniFi Talk bis einschließlich 5.2.7. Ebenfalls Befehlsausführung auf dem Host. Behoben in 5.3.2.
Dazu kommen laut Berichten weitere 18 bis 19 Einträge mit einer Wertung ab 9,0 — also ebenfalls im kritischen Bereich. Typische Muster: Befehlsausführung ohne Anmeldung, Umgehung der Authentifizierung, Rechteausweitung.
WAS betroffen ist — die Liste ist lang
Bulletin 067 zieht sich quer durch das Portfolio. Genannt werden UniFi OS, UniFi Protect, UniFi Network, UniFi Access, UniFi Talk, UniFi Connect, der UID Enterprise Agent sowie verschiedene Hardware-Appliances.
Im Klartext: Wenn bei dir eine Dream Machine, ein Cloud Gateway, ein UNVR oder eine UniFi-OS-Server-Installation läuft, bist du mit hoher Wahrscheinlichkeit betroffen. Nicht unbedingt von allen 22 Punkten — aber von genug.
SO ziehst du nach — die Fix-Versionen
Ubiquiti nennt unter anderem diese Stände als behoben:
- UniFi OS Server 5.1.37
- UniFi OS Appliance-Firmware 5.1.31
- UniFi Protect 7.2.105
- UniFi Network 10.5.67
- UniFi Talk 5.3.2
Der Weg dorthin ist der übliche: In der UniFi-Oberfläche unter Einstellungen → System → Updates zuerst die Konsole (UniFi OS) aktualisieren, danach die einzelnen Anwendungen. Diese Reihenfolge ist wichtig — manche App-Versionen setzen ein aktuelles UniFi OS voraus.
EXTRA-TIPP: Prüfe, was von außen erreichbar ist
Alle drei Höchstwertungen setzen Netzwerkzugriff voraus. Das ist die gute Nachricht — und zugleich der Hebel, den du sofort in der Hand hast, auch bevor das Update durch ist:
- Ist deine Konsolen-Oberfläche direkt aus dem Internet erreichbar? Dann schalte das ab und nutze stattdessen den Remote-Zugang über das Ubiquiti-Konto oder ein VPN.
- Liegen Kameras, Türsprechstellen und Telefonie im selben Netz wie deine Arbeitsrechner? Ein eigenes VLAN kostet dich eine halbe Stunde und begrenzt den Schaden erheblich.
- Läuft der UID Enterprise Agent auf Rechnern, die ihn gar nicht brauchen? Weg damit.
FAZIT: Kein Grund zur Panik, aber auch keiner zum Abwarten
Bislang gibt es keine Berichte über aktive Angriffe auf die drei 10,0er-Lücken. Genau das ist das Zeitfenster, das du nutzen solltest. Bei UniFi hat sich in den vergangenen Monaten mehrfach gezeigt, wie kurz die Strecke zwischen Bulletin und ersten Scans im Netz sein kann. Zwei Klicks heute sind angenehmer als eine Forensik nächste Woche.