KI-Agenten klicken, kaufen und buchen für dich. Wer kontrolliert eigentlich, was sie dürfen? Darauf gibt das W3C eine erste Antwort. Das Papier erschien am 21. Oktober 2026, heise berichtete am 23. Oktober darüber.
WAS DAS W3C VORLEGT
Das Dokument heißt „W3C and the State of the Web in the AI Era“ und stammt von Philippe Le Hégaret, der beim W3C die technische Strategie leitet. Es soll die Debatte bei der Konferenz TPAC vorbereiten; die offizielle Vorstellung ist für den 29. Oktober geplant. Wichtig: Es sind Empfehlungen des Strategieteams, keine beschlossenen Standards.
DIE EINDRINGLICHSTEN FORDERUNGEN
- Prompt Injection: Agenten lassen sich durch versteckte Anweisungen im Seitentext steuern und können mit deinen Zugriffsrechten Daten zwischen Seiten verschieben. Das Papier verlangt Bedrohungsmodelle für Agenten, WebMCP und KI-Funktionen im Browser.
- Zustimmung und Kontrolle: Vor Aktionen mit hohem Einsatz soll der Nutzer zustimmen. Er soll sehen, zurücknehmen und widerrufen können, was ein Agent getan hat. Bei Zahlungen schlägt das Papier Ausgabenlimits, widerrufbare Rechte, klare Belege und Beschwerdewege vor. Es warnt zugleich vor Bestätigungsmüdigkeit.
- Identität: Überprüfbare Nachweise und dezentrale Identifikatoren könnten belegen, dass ein Agent befugt ist, ohne dass er deine Zugangsdaten hält.
- Barrierefreiheit: ARIA-Labels sollen nicht dazu dienen, Agenten Anweisungen zu geben; Bedürfnisse von Menschen haben bei Konflikten Vorrang.
- Privatsphäre: Datenflüsse zwischen Seiten und dem Gedächtnis des Agenten, lokale oder Cloud-Inferenz und Protokolle von Prompts und Werkzeugaufrufen. Geprüft werden soll ein Inkognito-Modus ohne Agenten-Gedächtnis.
- Offenheit: Das Papier warnt vor Lock-in und Zentralisierung und fragt, wie Inhaltsanbieter vergütet werden.
WAS ALS NÄCHSTES PASSIERT
Das Papier schlägt neue Gruppen vor, darunter eine Agentic Web Working Group. Ob daraus Spezifikationen werden, entscheiden die W3C-Gruppen in der Diskussion. Bis dahin gilt: Es gibt keine einheitlichen Regeln, jeder Anbieter entscheidet selbst, wie viel Freiheit sein Agent bekommt.
WAS DAS FÜR DICH BEDEUTET
Die Forderungen decken sich mit dem, was im Alltag schon heute hilft: Lass Agenten bei Zahlungen, Löschungen und Versand nur mit Freigabe arbeiten, gib ihnen möglichst wenige Rechte und rechne damit, dass jede Webseite, die ein Agent liest, Anweisungen enthalten kann. Wer eigene Seiten betreibt, sollte keine versteckten Befehle für Agenten einbauen — auch wenn es verlockend ist.