#Künstliche Intelligenz · 4 Min. Lesezeit · Tim Rinkel

GEFAHR IM DOWNLOAD-ORDNER! Eine gefälschte AGENTS.md reicht — und dein KI-Coding-Agent installiert Schadpakete

GEFAHR IM DOWNLOAD-ORDNER! Eine gefälschte AGENTS.md reicht — und dein KI-Coding-Agent installiert Schadpakete

Ein Ordner, in den jede Webseite schreiben darf — und ein Agent, der blind vertraut. BleepingComputer berichtet am 25. Oktober 2026 über Forschung der Firma Forever Security. Eine untergeschobene Anweisungsdatei kann KI-Coding-Agenten dazu bringen, Schadcode zu installieren.

SO LÄUFT DER ANGRIFF

KI-Coding-Agenten laden automatisch Anweisungsdateien aus ihrem Arbeitsverzeichnis, etwa AGENTS.md oder CLAUDE.md. Genau das nutzt der Angriff:

  • Eine präparierte AGENTS.md landet im Ordner ~/Downloads. Bei einem Kunden fanden die Forscher so eine Datei, wie sie dort hinkam, blieb unklar.
  • Nach Ansicht der Forscher könnte eine Webseite die Datei lautlos ablegen: „~/Downloads is special. It is the one folder the web can write to on its own.“
  • Der Nutzer startet den Agenten in diesem Ordner. Der Agent liest die Datei, folgt den Anweisungen und will ein Schadpaket namens „function-color“ per npm installieren.

DIE TESTERGEBNISSE

Gegen OpenAI Codex reproduzierten die Forscher den Angriff mit einer harmlosen Nutzlast, die den Taschenrechner öffnete — in 90 Prozent der Versuche. Gegen Claude Code zeigten sie eine verwandte Technik: Eine präparierte CLAUDE.md leitete den API-Verkehr des Agenten auf einen Server der Forscher um. Das legte das OAuth-Token offen, der Server konnte das Modell nachahmen und lieferte Werkzeugaufrufe, die in etwa 50 Prozent der Tests Code ausführten.

Chrome, Edge und Firefox speichern Downloads standardmäßig ohne Rückfrage im Download-Ordner und zeigen nur eine Benachrichtigung. Brave fragt nach.

WIE VERBREITET DAS RISIKO IST

Aus internen Daten von Forever Security: Hunderte Kunden starten KI-Agenten aus dem Download-Ordner, allein Claude Code lief dort in über 1.300 Sitzungen; auch Cursor CLI wird so genutzt. Eine Reaktion von OpenAI oder Anthropic nennt der Bericht nicht. Die Forscher sagen: „There is nothing here for OpenAI or Anthropic to patch“ — der Agent tue, was er soll. Beide Hersteller empfehlen, Agenten im konkreten Projektordner zu starten.

SO SCHÜTZT DU DICH

  • Nie aus Downloads starten: Auch nicht aus dem Home-Verzeichnis oder anderen breiten Ordnern.
  • Im Projektwurzelordner arbeiten und den Zugriffsbereich so klein wie möglich halten.
  • Fremde Anweisungsdateien lesen: AGENTS.md, CLAUDE.md und ähnliche Dateien prüfen, bevor der Agent ihnen folgt.
  • Freigabeabfragen und Sandbox anlassen.
  • Unbekannten Code isoliert testen, nicht auf dem Hauptrechner.

Häufige Fragen

Wieso ist gerade der Download-Ordner das Problem?
Er ist laut den Forschern der eine Ordner, in den das Web von selbst schreiben kann. Chrome, Edge und Firefox legen Downloads standardmäßig ohne Rückfrage dort ab. Eine Webseite könnte so eine Anweisungsdatei lautlos platzieren. Startest du später einen Agenten genau dort, liest er die Datei automatisch mit.
Gibt es einen Patch von OpenAI oder Anthropic?
Nein. Die Forscher sagen, es gebe nichts zu patchen, weil die Agenten das tun, wofür sie gebaut sind: Anweisungsdateien aus dem Arbeitsverzeichnis laden. Eine Stellungnahme der Hersteller nennt der Bericht nicht. Beide empfehlen, Agenten im Projektordner zu starten. Der Schutz liegt damit zunächst bei dir.
Sind nur Codex und Claude Code betroffen?
Getestet wurden Codex und eine verwandte Technik gegen Claude Code. Laut Forever Security starten Kunden auch Cursor CLI aus Download-Ordnern. Das Prinzip gilt grundsätzlich für Agenten, die Anweisungsdateien automatisch aus dem Arbeitsverzeichnis laden. Entscheidend ist, wo du sie startest und ob du Freigaben aktiv lässt.
Was ist der wichtigste Handgriff?
Starte KI-Agenten ausschließlich im Wurzelordner des jeweiligen Projekts, nie in Downloads oder im Home-Verzeichnis. Dazu gehört, unbekannte AGENTS.md- oder CLAUDE.md-Dateien vorher zu lesen und Rückfragen vor riskanten Aktionen aktiv zu lassen. Das kostet keine Minute und schließt diesen Weg weitgehend.

Quellen

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