Canonical hat am 15. Oktober 2026 Ubuntu 26.10 mit dem Codenamen „Stonking Stingray“ veröffentlicht. Als Interim-Release zwischen zwei LTS-Versionen bekommt es nur neun Monate Support bis Juli 2027 — dafür bündelt es einen der größten stillen Umbauten im Ubuntu-Unterbau der letzten Jahre.
DER GRÖSSTE BRUCH: ALLE CORE-UTILITIES JETZT IN RUST
Befehle wie cp, mv oder rm gehören zu den meistgenutzten Werkzeugen jedes Linux-Systems — seit Jahrzehnten als GNU-Coreutils in C implementiert. Mit 26.10 ist dieser Unterbau komplett auf die Rust-Implementierung uutils umgestellt. Die offizielle Dokumentation formuliert es unmissverständlich: Die Standard-Core-Utilities laufen jetzt vollständig auf der Rust-Basis. Für die allermeisten Nutzer ändert sich im Alltag nichts — Rust-Coreutils sind weitgehend kompatibel zu ihren C-Vorgängern. Wer allerdings eigene Skripte besitzt, die sich auf sehr spezifische Fehlermeldungen, Exit-Codes oder selten genutzte Flags der GNU-Originale verlassen, sollte vor dem Upgrade testen.
KERNEL UND DESKTOP
Unter der Haube steckt Linux-Kernel 7.3 (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch auf Basis von 7.3-rc6), dazu GNOME 51 als Standard-Desktop und systemd 261.3 als Init-System. D-Bus wechselt zudem von dbus-daemon auf den schlankeren dbus-broker — eine weitere Baustelle, die im Hintergrund abläuft, ohne dass Nutzer sie direkt bemerken.
VERSCHLÜSSELUNG UND DATENBANKEN BEKOMMEN EIN UPDATE
Sicherheitsrelevant ist die Umstellung auf OpenSSL 4 mit Unterstützung für Encrypted Client Hello (ECH) — eine TLS-Erweiterung, die verschleiert, welche Domain ein Client beim Verbindungsaufbau tatsächlich ansteuert, und damit einen Teil der Metadaten vor Netzwerk-Beobachtern schützt. Für Self-Hosting-Setups mit eigener Datenbank relevant: MySQL wandert von 8.4 auf die neue Version 9.7 LTS, und HAProxy springt von 3.2 auf 3.4.2, das als LTS-Zweig bis 2031 gepflegt wird. Wer auf offene PGP-Implementierungen setzt, bekommt mit dem Rust-basierten Sequoia PGP erstmals eine offiziell unterstützte Alternative zum klassischen GnuPG.
RISC-V WIRD OFFIZIELL UNTERSTÜTZT
Für Homelab-Bastler mit Hang zu neuer Hardware interessant: Ubuntu 26.10 bringt offizielle Unterstützung für RISC-V-Plattformen, konkret für Boards auf Basis von SpacemiT K3 und SiFive BigSky. Damit zieht Ubuntu bei einer Architektur nach, die bislang vor allem experimentellen Status hatte und zunehmend in günstigen Einplatinenrechnern auftaucht.
LOHNT SICH DAS UPGRADE?
Als Interim-Release richtet sich 26.10 vor allem an Nutzer, die ohnehin zwischen LTS-Versionen aktuelle Software wollen, und an alle, die testen möchten, wie stabil die Rust-Coreutils im Alltag laufen — immerhin der bisher konsequenteste Schritt in diese Richtung bei einer großen Linux-Distribution. Für produktive Server-Umgebungen, die Stabilität über neue Features stellen, bleibt die nächste LTS-Version die sicherere Wahl; 26.10 eignet sich eher für Test- und Entwicklungssysteme oder neugierige Desktop-Nutzer.