#Netzwerk & Sicherheit · 3 Min. Lesezeit · Tim Rinkel

NOTBREMSE! Progress befiehlt: Schaltet eure ShareFile-Server SOFORT ab — einen Patch gibt es nicht

NOTBREMSE! Progress befiehlt: Schaltet eure ShareFile-Server SOFORT ab — einen Patch gibt es nicht

So eine Warnung bekommst du als Admin selten: Progress Software hat am 10. Juli alle ShareFile-Kunden mit eigenen Storage Zone Controllern aufgefordert, die betroffenen Windows-Server sofort komplett herunterzufahren. Nicht patchen. Nicht absichern. Abschalten.

„Glaubwürdige externe Bedrohung“ — mehr sagt Progress nicht

In der E-Mail an Kunden schreibt der Konzern, man habe Grund zur Annahme, dass es eine „glaubwürdige externe Sicherheitsbedrohung“ gegen die Storage Zone Controller gibt. Hinweise auf unbefugten Zugriff auf Konten oder Daten gebe es bislang nicht. Vorsichtshalber hat Progress den Zugriff auf alle ShareFile-Konten, die solche Controller nutzen, selbst deaktiviert.

Was genau dahintersteckt? Unklar. Kein CVE, keine technischen Details, keine Angreifer-Zuordnung. Öffentlich wurde die Aktion erst, als ein Admin die Mail im Subreddit r/sysadmin postete — am 12. Juli bestätigte Progress die Störung dann offiziell auf seiner Statusseite.

Warum die Abschaltung ein Alarmsignal ist

Die Anweisung lautet nicht „Update einspielen und neu starten“, sondern „Stecker ziehen“. Das lässt nur einen Schluss zu: Es existiert noch keine Gegenmaßnahme. Wer die Geschichte von Progress kennt, wird nervös — der Konzern gehört zu den gebrannten Kindern der Branche: 2023 nutzte die Ransomware-Bande Cl0p eine Lücke in Progress‘ MOVEit Transfer für eine der größten Massen-Attacken aller Zeiten mit tausenden betroffenen Unternehmen.

Wer betroffen ist — und wer nicht

Storage Zone Controller laufen auf firmeneigenen Windows-Servern und sorgen dafür, dass Dateien lokal im eigenen Rechenzentrum bleiben, während ShareFiles Cloud Login, Freigaben und Verwaltung übernimmt. Genau dieses On-Prem-Bauteil ist das Ziel. Reine Cloud-Konten ohne eigene Controller sind nicht betroffen.

Das solltest du jetzt tun

Erstens: Wenn du Storage Zone Controller betreibst, fahre die Server herunter — sofort, so wie Progress es verlangt. Zweitens: Prüfe, ob deine Installation auf dem aktuellen Stand ist (5.12.4 oder neuer bzw. 6.x) — das schließt ältere kritische Lücken, gilt aber ausdrücklich nicht als Freigabe zum Wiederanschalten. Drittens: Behalte die Progress-Statusseite im Blick, der Hersteller hat Updates in kurzen Abständen angekündigt. Und viertens: Schau in deine Logs — bei so viel Geheimniskrämerei schadet ein prüfender Blick auf ungewöhnliche Zugriffe nie.

Häufige Fragen

Was ist ein ShareFile Storage Zone Controller?
Eine Windows-Server-Komponente, mit der Unternehmen ihre ShareFile-Dateien im eigenen Rechenzentrum speichern, statt in der ShareFile-Cloud. Login, Freigaben und Verwaltung laufen weiter über die Cloud-Plattform — nur der Datenspeicher liegt lokal.
Bin ich betroffen, wenn ich ShareFile nur als Cloud-Dienst nutze?
Nein. Die Abschaltungs-Anweisung gilt ausschließlich für Organisationen, die On-Premises Storage Zone Controller betreiben. Reine Cloud-Konten sind laut Progress nicht betroffen.
Gibt es einen Patch für die Bedrohung?
Nein. Stand jetzt existiert kein Patch und kein CVE. Genau deshalb lautet die offizielle Anweisung, die Server komplett herunterzufahren. Die aktuellen Versionen 5.12.4/6.x schließen nur ältere Lücken — Progress hat nicht bestätigt, dass sie gegen die neue Bedrohung helfen.
Wurden schon Daten gestohlen?
Progress erklärt, es gebe bisher keine Hinweise auf unbefugten Zugriff auf Konten oder Daten. Die Abschaltung sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. Ob dahinter eine aktiv ausgenutzte Lücke steckt, hat der Hersteller nicht verraten.

Quellen

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