Stell dir vor, ein einziger Angreifer mit normaler 100-Mbit-Heimleitung schaltet deinen kompletten Webserver aus — in Sekunden. Genau das kann die am 2. Juni offengelegte „HTTP/2 Bomb“. Betroffen ist so ziemlich alles, was im Web Rang und Namen hat: Nginx, Apache httpd, Microsoft IIS, Envoy und Cloudflare Pingora.
SO funktioniert der Angriff
Die Attacke kombiniert zwei alte Bekannte zu einem neuen Monster: eine Kompressionsbombe und einen Slowloris-Trick. Ziel ist HPACK, die Header-Kompression von HTTP/2. Der Angreifer schickt winzige, hochkomprimierte Header — ein einziges Byte auf der Leitung zwingt den Server, einen kompletten Header im Speicher anzulegen. Das wiederholt sich tausendfach pro Anfrage.
Der zweite Teil ist noch fieser: Ein Flow-Control-Fenster von null Bytes hält die Verbindung künstlich offen. Der Server darf den belegten Speicher dadurch nie wieder freigeben. Das Ergebnis: Ein einzelner Client kann bis zu 32 GB RAM in rund 20 Sekunden fressen — dann ist Schluss mit deiner Website.
KURIOS: Eine KI hat die Lücke gefunden
Entdeckt wurde die Schwachstelle ausgerechnet von OpenAI Codex — einem KI-Coding-Tool. Die KI hat die beiden bekannten Angriffstechniken selbstständig zu einer neuen Kette kombiniert. Eine Shodan-Suche zeigt das Ausmaß: Über 880.000 öffentlich erreichbare Endpunkte laufen mit verwundbaren HTTP/2-Setups.
So rettest du deinen Server in 5 MINUTEN
Nginx
Update auf Nginx 1.29.8 oder neuer. Die Version bringt die neue Direktive max_headers mit — Standardwert 1000. Damit ist die Bombe entschärft, bevor sie zündet.
Apache httpd
Hier liegt der Fix in mod_http2 v2.0.41. Modul aktualisieren, Apache neu laden, fertig.
IIS, Envoy, Pingora
Hier wird es unangenehm: Für diese drei gibt es noch keinen Patch. Wer kann, begrenzt Header-Anzahl und Verbindungen am vorgelagerten Load Balancer — oder schaltet HTTP/2 vorübergehend ab, wenn der Dienst kritisch ist.
FAZIT: Nicht warten, patchen
DoS-Lücken wirken oft harmloser als Codeausführung — bis der eigene Shop oder Blog offline ist. Die Angriffskosten sind hier lächerlich niedrig, ein Proof of Concept kursiert bereits auf der oss-sec-Mailingliste. Wenn dein Server HTTP/2 spricht: Heute updaten, nicht morgen.
Häufige Fragen
Welche Server sind von der HTTP/2 Bomb betroffen?
Wie merke ich, ob mein Server angegriffen wird?
Wie behebe ich das Problem konkret?
Gab es schon aktive Angriffe?
Quellen: oss-sec-Mailingliste (Disclosure) · SecurityWeek · CyberInsider · The Hacker News