#Linux & Open Source · 3 Min. Lesezeit · Tim Rinkel

LINUX IN WINDOWS! Microsoft baut ls, cat und grep direkt ins System ein — ganz ohne WSL

LINUX IN WINDOWS! Microsoft baut ls, cat und grep direkt ins System ein — ganz ohne WSL

Was für eine Zeitenwende: Microsoft liefert jetzt offiziell Linux-Kommandos für Windows aus. Auf der Build 2026 hat das Unternehmen „Coreutils für Windows“ vorgestellt — eine von Microsoft gepflegte Sammlung klassischer Unix-Werkzeuge wie ls, cat, cp, mv, rm und tee, die nativ auf Windows laufen. Ohne WSL, ohne virtuelle Maschine, ohne Git-Bash-Krücke.

DAS FUNDAMENT: Rust statt 50 Jahre altem C

Microsoft hat die Werkzeuge nicht selbst von Null geschrieben, sondern setzt auf das Open-Source-Projekt uutils — die plattformübergreifende Neuimplementierung der GNU Coreutils in Rust. Dieselbe Codebasis, die Ubuntu seit 25.10 als Standard-Coreutils ausliefert. Microsofts Paket bündelt die Coreutils zusammen mit findutils und grep und pflegt daraus einen offiziellen Windows-Build. Rust bringt dabei den Speichersicherheits-Bonus gleich mit.

DAS ZIEL: Ein Skript für ALLE Systeme

Microsofts erklärte Mission: Der Wechsel zwischen Linux, macOS, WSL, Containern und Windows soll reibungslos werden — gleiche Befehle, gleiche Flags, gleiche Pipelines. Dein Deploy-Skript vom Linux-Server läuft dann ohne Übersetzungsarbeit auch auf der Windows-Workstation. Für alle, die täglich zwischen SSH-Sessions und PowerShell-Fenstern springen, ist das ein echter Lebensqualitäts-Sprung.

SO PROBIERST DU ES AUS

Die Installation ist ein Einzeiler über den Windows-Paketmanager:

winget install Microsoft.Coreutils

Danach stehen die Kommandos in PowerShell und CMD bereit. Wichtig: Das Ganze ist offiziell Preview — für den Produktiveinsatz in kritischen Skripten also noch Vorsicht. Kleinere Abweichungen zu GNU-Verhalten können vorkommen, das uutils-Projekt arbeitet die Kompatibilitätsliste aber seit Jahren systematisch ab.

EINORDNUNG: Windows wird POSIX-freundlicher denn je

Der Schritt passt zu Microsofts Build-Offensive rund um die Kommandozeile — parallel kündigte das Unternehmen ein quelloffenes „Intelligent Terminal“ an. Die Richtung ist klar: Windows will Entwickler nicht mehr an WSL „auslagern“, sondern die Unix-Werkzeugkette direkt im System heimisch machen. Für WSL bleibt der volle Linux-Userland-Anwendungsfall; für schnelle Datei- und Text-Operationen reicht künftig natives Windows.

FAZIT: Kleiner Download, großes Signal

Ein Preview-Paket mit ls und grep klingt unspektakulär — strategisch ist es ein Meilenstein: Microsoft macht die Linux-Werkzeugsprache zur Muttersprache von Windows. Ausprobieren kostet nichts.

Häufige Fragen

Was ist Coreutils für Windows genau?
Ein von Microsoft gepflegter, nativer Windows-Build des Open-Source-Projekts uutils — einer Rust-Neuimplementierung der GNU Coreutils — gebündelt mit findutils und grep. Damit laufen klassische Unix-Kommandos wie ls, cat, cp, mv, rm und tee direkt unter Windows, ohne WSL oder Emulation. Vorgestellt wurde das Paket auf der Build 2026, aktuell als Preview.
Wie installiere ich die Linux-Befehle unter Windows?
Über den Windows-Paketmanager winget mit einem einzigen Befehl (winget install Microsoft.Coreutils). Danach sind die Kommandos in PowerShell und CMD verfügbar. Da es sich um eine Preview handelt, solltest du kritische Produktiv-Skripte erst nach gründlichem Test umstellen.
Ersetzt das WSL?
Nein. WSL bleibt die Lösung für ein vollständiges Linux-Userland mit Distribution, Paketverwaltung und Linux-Kernel-Funktionen. Coreutils für Windows deckt den Alltagsfall ab: vertraute Unix-Kommandos und Pipelines direkt in der Windows-Shell, ohne dafür eine Linux-Umgebung starten zu müssen.
Verhalten sich die Tools exakt wie unter Linux?
Weitgehend, aber nicht garantiert zu 100 Prozent. Das uutils-Projekt strebt volle GNU-Kompatibilität an und wird bereits von Ubuntu als Standard genutzt, kleinere Abweichungen bei exotischen Flags sind in der Preview-Phase aber möglich. Microsofts erklärtes Ziel sind identische Befehle, Flags und Pipelines auf allen Plattformen.

Quellen: Phoronix, BleepingComputer, Linuxiac

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