Bei einem der wichtigsten KI-Labore der Welt wird gerade der Chefsessel neu besetzt. Demis Hassabis, das Gesicht von Google DeepMind, tritt von der operativen Leitung zurück — und Alphabet ordnet gleich seine komplette KI-Spitze neu.
Wer jetzt das Ruder übernimmt
Hassabis wird Chief Scientist von Alphabet und Chair von Google DeepMind. Die tägliche Leitung übernimmt Koray Kavukcuoglu, bisher CTO des Labors und langjähriger Vertrauter von Hassabis. Er verantwortet künftig die Gemini-Entwicklung und berichtet direkt an Konzernchef Sundar Pichai.
Hassabis begründet den Schritt damit, dass jetzt der richtige Zeitpunkt sei, die operative Last abzugeben und sich aufs „große Ganze“ zu konzentrieren — also auf Grundlagenforschung statt auf das Tagesgeschäft einer der größten Google-Sparten. Die Personalie kommt nicht allein: Jeff Dean, eine der prägendsten Figuren der Google-KI, verlässt seinen Posten als Chief Scientist von Google DeepMind, um mit weiteren Top-Leuten ein eigenes Start-up zu gründen.
Warum das mehr ist als ein Stühlerücken
Hinter den Titeln steckt eine handfeste Neuausrichtung. Google konsolidiert seine KI-Kräfte stärker in Mountain View und beendet damit die jahrelange Zwei-Kontinente-Struktur zwischen dem alten Google Brain und dem Londoner DeepMind. Diese Aufteilung galt intern als Bremse, seit die beiden Teams 2023 zusammengelegt wurden.
Für dich als Nutzer ist das erst mal Kaffeesatz — aber ein spannender. Wer künftig über Gemini entscheidet und wie eng Forschung und Produkt verzahnt werden, prägt die nächsten Modell-Generationen. Und der Wettbewerb schläft nicht: Anthropic hat DeepMind zuletzt gezielt Top-Forscher abgeworben, während Google seine Gemini-Modelle im Schnelltakt nachschiebt.
Der größere Kontext
Der Umbau fällt in eine Phase, in der die großen KI-Labore ihre Strukturen härten: klare Verantwortlichkeiten, kürzere Wege von der Forschung zum Produkt, weniger interne Reibung. Dass ausgerechnet der öffentlichkeitswirksamste Kopf einen Schritt zur Seite macht, um sich auf Forschung zu fokussieren, sagt viel über den Druck im Rennen um die nächste Modell-Generation. Ob Googles Neuaufstellung den Rückstand auf einzelne Konkurrenten verkürzt, wird sich an den kommenden Gemini-Versionen zeigen.