Es ist eine dieser Entscheidungen, die auf dem Papier trocken klingen und in der Praxis viel verändern: Die EU-Kommission hat am 31. August 2026 festgelegt, dass ChatGPT künftig als sehr große Online-Suchmaschine gilt. Reddit und Roblox wurden im selben Atemzug als sehr große Online-Plattformen eingestuft.
Damit landen alle drei in der obersten Regulierungsstufe des Digital Services Act — dort, wo bislang Google, Facebook, TikTok und Amazon sitzen. Insgesamt sind es nun 28 Dienste.
WARUM AUSGERECHNET „SUCHMASCHINE“?
Das ist der eigentlich spannende Teil. ChatGPT wird nicht als Plattform behandelt, sondern als Suchmaschine. Brüssel folgt damit dem, was Millionen Menschen längst tun: Sie tippen ihre Frage nicht mehr bei Google ein, sondern ins Chatfenster — und nehmen die Antwort, wie sie kommt.
Ausgelöst hat die Einstufung eine schlichte Zahl. Alle drei Dienste haben selbst erklärt, dass sie in der EU im Schnitt mindestens 45 Millionen Nutzer pro Monat erreichen. Diese Schwelle ist im DSA der Auslöser, ab dem die strengsten Regeln greifen.
WAS DIE DREI JETZT LIEFERN MÜSSEN
Die Uhr läuft: Vier Monate, also bis Januar 2027, haben die Dienste Zeit, die zusätzlichen Pflichten zu erfüllen. Dazu gehört:
- Sie müssen die systemischen Risiken ihres Dienstes und ihrer Algorithmen bewerten — und etwas dagegen unternehmen.
- Ausdrücklich genannt sind dabei die Verbreitung illegaler Inhalte, negative Folgen für Minderjährige, für das körperliche und psychische Wohlbefinden, für Grundrechte, für Wahlen und für die öffentliche Sicherheit.
- Es kommen jährliche Prüfungen durch unabhängige Auditoren dazu.
- Forscher bekommen unter bestimmten Bedingungen Zugang zu Daten der Dienste.
- Die Kommission selbst führt die Aufsicht und kann Daten anfordern.
Wer die Vorgaben reißt, riskiert Bußgelder von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Das ist keine Summe, die man aus der Portokasse zahlt.
WAS DAS FÜR DICH ÄNDERT
Kurzfristig: nichts. Du musst nichts einstellen, nichts bestätigen, nichts kündigen. Mittelfristig verschiebt sich aber etwas Grundsätzliches.
Ein Chatbot war bisher regulatorisch vor allem ein Produkt. Jetzt ist er ein Informationsvermittler mit Verantwortung. Konkret heißt das für dich als Nutzer in der EU: bessere Melde- und Beschwerdewege, mehr Transparenz darüber, warum dir etwas angezeigt wird, und stärkere Schutzvorgaben für Jugendliche.
Für Betreiber eigener Dienste ist die Einstufung außerdem ein Signal. Die Diskussion, ob KI-Antworten wie Suchergebnisse behandelt werden, ist damit in Europa entschieden — mit Folgen für alles, was Inhalte automatisiert zusammenfasst und ausliefert.
FAZIT: Aus einem Werkzeug wird eine regulierte Infrastruktur. Ob daraus spürbar mehr Nutzerschutz wird, entscheidet sich erst an der Durchsetzung — und die beginnt im Januar 2027.