Gemini soll nicht länger allein am Steuer sitzen. Die EU-Kommission hat Google angewiesen, konkurrierenden KI-Assistenten denselben Zugriff auf Android zu geben, den bislang nur der hauseigene Assistent Gemini hat. Das könnte verändern, welcher Sprachassistent künftig auf deinem Handy wirklich etwas ausrichten darf.
WAS GOOGLE ÖFFNEN MUSS
Am Donnerstag, den 16. Juli, hat die Kommission die Vorgabe beschlossen. Fremde KI-Assistenten sollen künftig auf dieselben Fähigkeiten zugreifen dürfen wie Gemini: die Kamera, das Mikrofon, den Bildschirminhalt, ein Aktivierungswort, das auch bei ausgeschaltetem Display reagiert, sowie die Möglichkeit, andere Apps im Hintergrund zu steuern — indem sie Tippen und Eingaben nachahmen.
Google muss das im nächsten großen Release ausliefern, Android 18, spätestens bis zum 1. August 2027.
Nicht nur die Assistenten
Es sind zwei bindende Spezifikationsentscheidungen, die am 16. Juli unter dem Digital Markets Act (DMA) angenommen wurden — sechs Monate nachdem die Kommission das Verfahren am 27. Januar eröffnet hatte. Die zweite verpflichtet Google, anonymisierte Such-Anfragen, Klick- und Ranking-Daten an konkurrierende Suchmaschinen und an KI-Chatbots mit Suchfunktion herauszugeben, gegen eine kostenbasierte Gebühr.
IST DAS EINE STRAFE?
Nein — und dieser Punkt ist wichtig. Weder die eine noch die andere Entscheidung ist ein Bußgeld. Spezifikationsverfahren legen nur fest, was ein sogenannter Torwächter bauen muss. Die getrennte Befugnis der Kommission, ein Nichteinhaltungs-Verfahren samt Geldstrafen zu eröffnen, bleibt davon unberührt.
Warum das trotzdem Gewicht hat: Android trägt rund 60 Prozent der mobilen Nutzer in Europa. Öffnet Google die tiefen Systemschnittstellen tatsächlich, könnten Assistenten von Drittanbietern erstmals dieselben Aktionen ausführen wie Gemini — statt bloß eine App unter vielen zu sein.
Was das für dich bedeutet
Kurzfristig musst du nichts tun. Die Änderung kommt mit Android 18 auf dein Gerät. Mittelfristig entscheidet sie mit, ob du deinen KI-Assistenten wirklich frei wählen kannst — oder ob der vorinstallierte immer im Vorteil bleibt. Für alle, die Wert auf Datenschutz oder auf einen bestimmten Anbieter legen, ist das eine gute Nachricht.
FAZIT: Brüssel zwingt die Plattform auf, wo bislang nur der Hersteller durfte. Ob daraus echte Wahlfreiheit wird, zeigt sich mit Android 18.