#Künstliche Intelligenz · 4 Min. Lesezeit · Tim Rinkel

KI-HACKER SCHLÄGT ZU! Vier Lücken in Industrie-Steuerung gefunden — in unter vier Stunden

KI-HACKER SCHLÄGT ZU! Vier Lücken in Industrie-Steuerung gefunden — in unter vier Stunden

Dreieinhalb Stunden Arbeit, vier neue Lücken. Ein autonomer KI-Agent namens Cipher hat in der Steuerungssoftware EPICS Base vier bis dahin unbekannte Schwachstellen gefunden. Das berichtet The Register. Die US-Behörde CISA hat am 27. Oktober 2026 eine Warnung veröffentlicht (ICSA-26-300-01).

WAS IST EPICS?

EPICS steht für Experimental Physics and Industrial Control System. Es ist ein Open-Source-Werkzeugkasten, mit dem man Leitsysteme (SCADA) baut und aus der Ferne steuert. Entwickelt wurde es ursprünglich am Los Alamos National Laboratory und am Argonne National Laboratory. Laut Bericht läuft es in rund 90 wissenschaftlichen, universitären und industriellen Projekten, darunter Argonnes Advanced Photon Source und das Steuerungssystem des Fusionsreaktors ITER.

DIE VIER LÜCKEN

  • CVE-2026-114595 (CVSS 9,8, kritisch): Integer-Überlauf mit kontrolliertem Schreiben außerhalb des Heap-Speichers, möglicherweise Codeausführung aus der Ferne.
  • CVE-2026-114596 (CVSS 8,2): falsche Prüfung der Nachrichtenlänge, Schreibzugriff außerhalb des Speichers, Absturz des Steuerungsprozesses.
  • CVE-2026-114597 (CVSS 7,5): unzureichende Grenzprüfung, Lesezugriffe außerhalb des Speichers, Abstürze.
  • CVE-2026-114598 (CVSS 7,5): Typverwechslung, Denial of Service, möglicherweise Einblick in angrenzenden Speicher.

DER KI-HACKER

Cipher stammt von der Firma Causal Security. Der Agent fand alle vier Fehler selbstständig und bestätigte die Exploits. Dafür brauchte er 3 Stunden und 49 Minuten. Die erste Untersuchung lief ohne menschliches Eingreifen, später gab es eine Anweisung, tiefere Exploit-Tests in einer geschützten Umgebung zu erlauben.

Mitgründer Shubham Raj sagte laut Bericht, Cipher habe zuvor kritische Angriffspfade in Stromnetz-Systemen in Nordamerika und Europa aufgedeckt. Das habe zu einer CISA-Warnung am 8. Oktober geführt.

WIE GEFÄHRLICH IST DAS?

Ein Angreifer muss die verwundbaren EPICS-Dienste im Steuerungsnetz der Anlage erreichen können. Das ist am ehesten dort denkbar, wo Netze schlecht getrennt sind oder ein anderes System Zugriff auf das EPICS-Netz hat. Raj sagt, für den Angriff brauche es kein tiefes Wissen über Betriebstechnik. Um physische Prozesse zu manipulieren, schon.

Von Angriffen in freier Wildbahn ist im Bericht nicht die Rede.

WAS BETREIBER TUN SOLLTEN

  • Auf EPICS Base 7.0.11 aktualisieren. Diese Version enthält die Fixes.
  • Netz segmentieren: EPICS-Dienste gehören nicht ins allgemeine Büronetz und nicht ins Internet.
  • Zugriffe prüfen: Welche Systeme dürfen das Steuerungsnetz erreichen?

FAZIT: Das Tempo ist das eigentliche Signal

Vier Lücken in unter vier Stunden zeigen, wie schnell KI-Werkzeuge Software prüfen können, auch Software, die nie für das offene Netz gedacht war. Für Verteidiger heißt das: Patches schneller einspielen und Netze konsequent trennen. Denn dasselbe Tempo steht grundsätzlich auch Angreifern zur Verfügung.

Häufige Fragen

Was ist EPICS Base?
EPICS ist ein Open-Source-Toolkit zum Bau und zur Fernsteuerung von SCADA-Systemen und wurde ursprünglich am Los Alamos und am Argonne National Laboratory entwickelt. Laut The Register kommt es in rund 90 wissenschaftlichen, universitären und industriellen Projekten zum Einsatz, darunter Argonnes Advanced Photon Source und das Steuerungssystem von ITER.
Welche Version behebt die Lücken?
Die Fixes stecken in EPICS Base 7.0.11. Betroffen sind die Schwachstellen CVE-2026-114595, -114596, -114597 und -114598. Die schwerste hat einen CVSS-Wert von 9,8 und könnte Codeausführung aus der Ferne erlauben. CISA hat am 27. Oktober 2026 dazu die Industrie-Warnung ICSA-26-300-01 veröffentlicht.
Kann man die Lücken schon im Internet ausnutzen?
Ein Angreifer muss die verwundbaren EPICS-Dienste im Steuerungsnetz erreichen. Das ist vor allem bei schlecht getrennten Netzen plausibel. Hinweise auf Angriffe in freier Wildbahn nennt der Bericht nicht. Wer EPICS betreibt, sollte trotzdem zügig patchen und sicherstellen, dass die Dienste nicht aus dem Internet oder Büronetz erreichbar sind.
Wer hat die Lücken gefunden?
Gefunden hat sie ein autonomer KI-Agent namens Cipher der Firma Causal Security. Er brauchte laut Bericht 3 Stunden und 49 Minuten für alle vier Fehler und bestätigte die Exploits. Die erste Untersuchung lief ohne menschliches Eingreifen; für tiefere Exploit-Tests in einer sicheren Umgebung gab es später eine menschliche Freigabe.

Quellen

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert