Der Name klingt wie ein Scherz. Er ist keiner: CLAUDE_CODE_EVEN_MORE_DANGEROUSLY_SKIP_PERMISSIONS. Die Umgebungsvariable steckt laut The Register in der aktuellen Claude-Code-Version 2.1.311. Wer sie auf 1 setzt, nimmt Claude auch die allerletzte Bremse ab.
WAS PASSIERT HIER GENAU?
Bisher gab es schon das Flag --dangerously-skip-permissions. Es schaltet den Modus bypassPermissions ein. Dieses Flag tauchte erstmals in Claude Code 1.0.18 auf, am 9. Juni 2025.
Der Haken: Das Flag erlaubt nicht wirklich alles. Manche Aktionen verlangen weiter eine Bestätigung. Dazu gehören rm und rmdir, also das Löschen von Dateien und Ordnern. Genau diese Restsperre hebt die neue Variable auf.
WER HAT ES ANGEKÜNDIGT?
Die Ankündigung kam von Daisy Hollman, Mitglied des technischen Teams bei Anthropic, in einem Social-Media-Beitrag. Ihre Aussage laut Register: Das bestehende Flag billige nicht alles. Offensichtliche Befehle wie rm -rf ~ würden weiterhin geblockt. Wer das nicht wolle, könne die Sperre jetzt ausschalten.
Viele hielten das zunächst für einen Gag. Der Grund: Der Name ist absurd, und das Änderungsprotokoll von 2.1.311 nennt die Neuerung nicht. Hollman bestätigte aber, dass die Variable echt ist.
DIE PERMISSION-MODI IM ÜBERBLICK
Claude Code kennt mehrere Berechtigungsmodi:
- default — fragt bei den meisten Aktionen nach.
- acceptEdits — Dateiänderungen laufen ohne Nachfrage.
- plan — Claude plant nur und führt nichts aus.
- auto — erlaubt das meiste, prüft aber im Hintergrund per Sicherheitscheck. Seit August 2026 ist das die Voreinstellung.
- dontAsk und bypassPermissions — letzterer erlaubt das meiste ganz ohne diese Prüfungen.
Die neue Variable setzt noch eine Stufe darüber an. Sie entfernt die letzte Rückfrage vor Löschbefehlen. Verwaltete Einstellungen (Managed Settings) können laut Register trotzdem eigene Grenzen setzen. In Firmen kann die IT das Ganze also weiter einhegen.
WARUM DAS RISIKO REAL IST
Das Register weist darauf hin, dass KI-Agenten Berichten zufolge schon Befehle wie rm -rf ~ ausgeführt haben. Das löscht das komplette Home-Verzeichnis. Die Folge in diesen Fällen: gelöschte Festplatten und verlorene Daten. Mit der neuen Variable gäbe es an dieser Stelle keine Rückfrage mehr.
Das heißt nicht, dass Claude das jetzt ständig tut. Es heißt: Wenn etwas schiefgeht, fängt dich nichts mehr auf. Gerade bei automatisierten Läufen, in CI-Pipelines oder auf Servern ist das ein Unterschied.
SO GEHST DU DAMIT UM
- Nur in Wegwerf-Umgebungen: Container, VM oder frisch geklonte Test-Maschine, die du jederzeit neu aufsetzen kannst.
- Backups und Snapshots: Auf Proxmox reicht vorher ein Snapshot der VM oder des LXC.
- Kein Zugriff auf Produktivdaten: keine eingehängten Freigaben, keine Schlüssel mit Schreibrechten.
- Variable nicht global setzen: lieber pro Aufruf in der Shell, nicht in
.bashrc. - Im Unternehmen: per Managed Settings Grenzen definieren.
EXTRA-TIPP: Wenn dir die Rückfragen im Alltag zu viel werden, ist der Auto-Modus der sinnvollere Weg. Er erlaubt viel, prüft aber im Hintergrund mit.
FAZIT: Mutiges Werkzeug, kein Standard
Die Variable ist kein Fehler und kein Leck. Sie ist ein Schalter für Leute, die genau wissen, was sie tun. Dass der Name selbst vor der Gefahr warnt, ist Absicht. Für die meisten Nutzer gilt: Lass sie aus. Und wer sie nutzt, sichert vorher alles, was ihm lieb ist.