Wer sein Heimnetz oder kleines Büro mit Ubiquiti-Hardware betreibt, darf sich auf ein umfangreiches Funktionsupdate freuen: UniFi Network 11 ist als Release Candidate verfügbar und bringt gleich mehrere Features, die bislang eher aus deutlich teureren Enterprise-Lösungen bekannt waren.
Mobilfunk als Not-Internet fürs ganze Netz
Das auffälligste neue Feature heißt WiFi WAN: Damit lässt sich praktisch jedes verfügbare WLAN — vom Mobilfunk-Hotspot des eigenen Smartphones bis zum Nachbar-Netz mit Zugangsdaten — als primäre oder als Backup-WAN-Verbindung für das gesamte UniFi-Netzwerk nutzen. Fällt die reguläre Internetleitung aus, kann das UniFi-Gateway also automatisch auf eine WLAN-Verbindung umschalten, statt komplett offline zu gehen — ein Feature, das bislang meist dedizierte LTE-Backup-Module erforderte.
SD-WAN und mehr Übersicht im Netzwerk
Für Nutzer mit mehreren Standorten bringt Network 11 ausgebaute SD-WAN-Funktionen: individuelle Failover-Richtlinien, anwendungsbasiertes Routing und zentrales Multi-Site-Management. Dazu kommt eine überarbeitete Telemetrie-Engine, die laut Ubiquiti eine um 30 Prozent bessere Skalierbarkeit für wachsende Netzwerke bieten soll, sowie Live Traffic Flows, die den Datenverkehr aller am Gateway angeschlossenen Geräte in Echtzeit sichtbar machen. Eine neue „Time Machine Topology“ visualisiert außerdem, wie sich die Netzwerktopologie über die Zeit verändert hat — praktisch, um etwa nach einem Ausfall nachzuvollziehen, welches Gerät wann die Verbindung verloren hat.
Matter-Geräte direkt in der Netzwerkkarte
Smart-Home-Nutzer bekommen mit Network 11 eine Matter-Integration per Pairing-Code: Matter-Geräte lassen sich direkt in der UniFi-Topologie einbinden und zeigen dort Details wie Akkustand, Firmware-Version und Signalstärke an — inklusive einer einheitlichen Topologie-Ansicht über IP- und Thread-Netzwerke hinweg. Für Homelab-Nutzer mit gemischten Smart-Home-Protokollen ist das ein Schritt hin zu einer zentralen Übersicht, statt mehrere separate Apps für Netzwerk und Smart-Home-Geräte pflegen zu müssen.
KI erklärt erkannte Bedrohungen
Im Sicherheitsbereich ergänzt Ubiquiti sogenannte „AI-Assisted Explanations“: Erkennt das System eine Bedrohung, liefert eine KI-Komponente eine verständliche Erklärung dazu, gespeist aus täglich aktualisierten Threat-Intelligence-Daten des Anbieters Proofpoint, inklusive konkret umsetzbarer Handlungsempfehlungen. Abgerundet wird das Release durch erweiterte VLAN-Kapazitäten, Netzwerklisten mit URL-Unterstützung sowie individuell anpassbare Gerätesymbole samt Kamera- und Upload-Funktion.
Aktuell läuft Network 11 als Build 11.0.83 im gestaffelten Rollout und trägt noch den Status eines Release Candidate — die Software ist also nah am finalen Stand, aber noch nicht für alle Nutzer automatisch sichtbar. Laut Berichten vom 15. Oktober soll die offizielle stabile Version „in den nächsten Tagen“ folgen. Wer schon jetzt testen möchte, kann in der UniFi-Oberfläche manuell nach dem Update suchen, sollte aber bei produktiv genutzten Netzwerken die Release-Notes auf mögliche Breaking Changes prüfen, bevor er umsteigt.