#Hardware · 5 Min. Lesezeit · Tim Rinkel

MARKEN-SCHOCK! 443.000 Festplatten ausgewertet — ein Hersteller fällt mehr als doppelt so oft aus

MARKEN-SCHOCK! 443.000 Festplatten ausgewertet — ein Hersteller fällt mehr als doppelt so oft aus

Über Festplattenmarken wird in Foren seit zwanzig Jahren gestritten, meistens mit Anekdoten. Jetzt liegt endlich eine begutachtete wissenschaftliche Auswertung vor — und sie hat eine Datenbasis, gegen die jede Forendiskussion verblasst.

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Die Zahlen: 443.156 Laufwerke, 1,66 Millionen Laufwerksjahre

Die Studie mit dem Titel „Are There Manufacturer Differences in Hard-Drive Reliability?“ stammt von den Ökonomen Christoph Siemroth und Yeomyung Park und ist bei der IEEE erschienen. Ausgewertet wurden die öffentlichen Betriebsdaten des Cloud-Speicheranbieters Backblaze von 2013 bis zum zweiten Quartal 2025.

Entscheidend ist nicht die Menge allein, sondern die Methode: Die Forscher haben für Laufwerksalter, Kapazität, Bauform und Betriebstemperatur kontrolliert. Genau das fehlte den bisherigen Auswertungen — wenn ein Hersteller vor allem alte oder besonders warm betriebene Laufwerke im Bestand hat, sieht er automatisch schlechter aus, ohne schlechter zu sein.

Setzt man Seagate als Bezugspunkt auf 100, ergibt sich dieses Bild:

  • HGST: 41 — die mit Abstand niedrigste Ausfallrate
  • Western Digital: 52
  • Seagate: 100 (Bezugswert)
  • Toshiba: 107 — der höchste Wert im Feld

Auf Deutsch: Seagate- und Toshiba-Laufwerke fielen in diesem Datensatz rund doppelt so häufig aus wie die von Western Digital und HGST.

UNGLAUBLICH: Toshiba knickt nach etwa vier Jahren ein

Der interessanteste Einzelbefund steckt im Zeitverlauf. Die Toshiba-Laufwerke zeigen nach ungefähr 50 bis 60 Betriebsmonaten einen scharfen Anstieg der monatlichen Ausfallrate — auf etwa fünf bis sechs Ausfälle je 1.000 Laufwerke pro Monat.

Das ist praktisch verwertbarer als jeder Markenvergleich. Es heißt: Bei diesen Laufwerken gibt es einen Punkt, ab dem die Kurve kippt. Wer weiß, wo dieser Punkt liegt, kann tauschen, bevor es weh tut.

Und jetzt der Teil, den die Schlagzeilen weglassen

Bevor du jetzt Bestellungen umwirfst — drei Einschränkungen, die ehrlicherweise dazugehören:

  1. Es geht um Rechenzentrums-Laufwerke. Diese Platten laufen rund um die Uhr in dicht bestückten Gehäusen mit hoher Vibration und konstanter Last. Dein NAS im Wohnzimmer, das nachts schläft, ist ein völlig anderer Belastungsfall.
  2. HGST gibt es als Marke praktisch nicht mehr. Das Unternehmen ist längst in Western Digital aufgegangen. Der Spitzenwert ist ein historischer Befund, keine Einkaufsliste.
  3. Der Datenraum endet Mitte 2025. Aktuelle Modellreihen sind darin nicht enthalten. Eine Marke, die vor sechs Jahren gut abschnitt, hat seither ganze Baureihen ausgetauscht.

Der belastbare Kern der Studie ist deshalb weniger die Rangliste als die Erkenntnis dahinter: Alter und Temperatur erklären einen großen Teil der Ausfälle — und die kannst du beeinflussen. Die Marke kannst du nur einmal beim Kauf wählen.

So nutzt du die Erkenntnis praktisch — 4 Punkte

  1. Betriebsstunden auslesen. Der SMART-Wert Power_On_Hours verrät dir das echte Alter deiner Laufwerke. 50 Monate Dauerbetrieb sind rund 36.000 Stunden — ab dieser Größenordnung gehört ein Laufwerk auf die Beobachtungsliste.
  2. Temperatur im Blick behalten. Sie ist der Faktor mit dem besten Aufwand-Nutzen-Verhältnis. Ein zusätzlicher, leise drehender Gehäuselüfter ist billiger als jede Datenrettung.
  3. Nicht alle Platten aus derselben Charge kaufen. Gleiche Baureihe plus gleiches Kaufdatum plus gleiche Laufzeit bedeutet: Sie altern im Gleichschritt. Ausfälle kommen dann gern im Doppelpack — und das überlebt kein RAID-5.
  4. Und der Punkt, der wirklich zählt: Backup. Jede dieser Platten fällt irgendwann aus, HGST eingeschlossen. Die Studie verschiebt nur die Wahrscheinlichkeit, nicht das Ende. Wer sein System regelmäßig als komplettes Abbild sichert, für den ist ein Laufwerksausfall ein Ärgernis statt einer Katastrophe — Werkzeuge wie EaseUS Todo Backup Home* machen das zur Gewohnheit statt zum Projekt.

FAZIT: RAID ist kein Backup, und Marke ist kein Schutz

Die Studie ist die sauberste Datengrundlage, die es zu diesem Thema gibt — und sie sagt trotzdem nicht, welche Platte du kaufen sollst. Sie sagt: Achte auf Alter und Temperatur, mische deine Chargen, und geh davon aus, dass jedes Laufwerk sterben wird. Der Rest ist Statistik.

Häufige Fragen

Welche Festplatte soll ich jetzt kaufen?
Aus dieser Studie lässt sich keine direkte Kaufempfehlung ableiten. Der Datenraum endet Mitte 2025 und umfasst Rechenzentrums-Laufwerke, außerdem existiert HGST als eigene Marke nicht mehr. Sinnvoller ist es, auf aktuelle NAS-Baureihen mit passender Garantiedauer zu setzen und beim Kauf verschiedene Chargen zu mischen.
Gelten die Zahlen auch für mein NAS zu Hause?
Nur eingeschränkt. Die ausgewerteten Laufwerke liefen im Dauerbetrieb in dicht bestückten Serverschränken mit hoher Vibration und konstanter Last. Ein Heim-NAS mit wenigen Einschüben und moderaten Zugriffen belastet die Mechanik deutlich weniger. Die Rangfolge ist damit ein Hinweis, keine Prognose für dein Gerät.
Warum ist die Betriebstemperatur so wichtig?
Die Forscher haben unter anderem für Temperatur kontrolliert, weil sie messbar mit der Ausfallwahrscheinlichkeit zusammenhängt. Für dich ist das die gute Nachricht: Anders als die Marke lässt sich die Temperatur nachträglich beeinflussen — durch Gehäusebelüftung, Abstand zwischen den Laufwerken und einen Aufstellort ohne Wärmestau.
Ab wann sollte ich eine Platte vorsorglich tauschen?
Ein starres Datum gibt es nicht. Die Studie zeigt bei Toshiba-Laufwerken nach etwa 50 bis 60 Betriebsmonaten einen deutlichen Anstieg. Als Faustregel: Ab rund 35.000 bis 40.000 Betriebsstunden gehört ein Laufwerk unter Beobachtung — zusammen mit SMART-Warnwerten wie neu zugewiesenen Sektoren.

Quellen

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