#Künstliche Intelligenz · 4 Min. Lesezeit · Tim Rinkel

PERFIDE FALLE! Echte claude.ai-Adresse, falsche Download-Seite — 29 Firmen tappten schon rein

PERFIDE FALLE! Echte claude.ai-Adresse, falsche Download-Seite — 29 Firmen tappten schon rein

Du suchst bei Bing nach der Claude-Desktop-App, klickst die oberste Anzeige an — und landest tatsächlich auf claude.ai, der echten Domain von Anthropic. Alles sicher? Leider nein. Genau mit dieser perfiden Masche haben Angreifer im Juli binnen zwei Tagen Mitarbeiter von mindestens 29 Organisationen in die Falle gelockt, wie die Sicherheitsforscher von Huntress aufgedeckt haben.

DER TRICK: Die Fälschung wohnt beim Original

Möglich machte es die Artifacts-Funktion von Claude: Damit lassen sich Code, Dokumente oder komplette Webseiten neben dem Chat rendern — und per öffentlichem Link freigeben, abrufbar ganz ohne Claude-Konto. Die Angreifer bauten als Artifact eine täuschend echte Claude-Download-Seite und veröffentlichten sie. Ergebnis: Eine Fake-Seite, gehostet auf der echten claude.ai-Domain.

Der einzige Hinweis auf den Schwindel: ein unscheinbarer Satz oben links — „Content is user-generated and unverified“. Den übersieht man leicht. Die gesponserte Bing-Anzeige lenkte die Opfer gezielt auf diesen Artifact-Link. Bis Anthropic die Seite nach Huntress‘ Meldung entfernte, war sie 7.100-mal aufgerufen worden.

SO SCHLUG DIE MALWARE ZU

Ein Klick auf den Download-Knopf führte erst auf claude.ai.download-app[.]us, später auf downloading-api.it[.]com — dort wartete ein Paket aus drei Teilen: eine umbenannte, aber legitim signierte JetBrains-Programmdatei, die für DLL-Sideloading anfällig ist, eine manipulierte libcef.dll mit dem eigentlichen Schadcode und eine Datei namens DockerDesktop.exe, die sich als geplante Aufgabe einnistet und den Rechner immer wieder neu infiziert.

Am Ende landet SectopRAT auf dem System — ein Fernzugriffs-Trojaner, der Kreditkartendaten, persönliche Informationen, Dateien und Passwörter abgreift und an die Angreifer schickt.

ENTLARVT: Ein alter Bekannter steckt dahinter

Huntress verfolgte die Spur bis zum Betreiber — und nutzte dafür übrigens selbst Claude. WHOIS-Daten verknüpfen die Registrierung mit zehn Domains seit Dezember 2025. Eine davon, polse[.]us, wurde von Microsoft im Rahmen der Operation Endgame beschlagnahmt, weil sie den Infostealer StealC hostete. Außerdem passt die Masche zu einer Kampagne vom April 2026, die über Docker Hub einen falschen Docker-Desktop-Installer verteilte — mit demselben libcef.dll-Trick. Das erklärt auch den kuriosen Dateinamen DockerDesktop.exe im aktuellen Paket.

SO SCHÜTZT DU DICH — 3 einfache Regeln

Regel 1: Lade Software NIE über Suchmaschinen-Anzeigen — tippe die offizielle Adresse direkt ein. Regel 2: Eine vertrauenswürdige Domain ist keine Garantie: Auch auf legitimen Plattformen kann nutzergenerierter Inhalt lauern. Achte auf Hinweise wie „user-generated“. Regel 3: Misstrauisch werden, wenn ein Download dich auf eine ganz andere Domain weiterleitet. Dass Claude-Software auch auf anderem Weg ins Visier gerät, zeigte zuletzt die Zero-Click-Lücke in den Desktop Extensions.

Häufige Fragen

Was sind Claude Artifacts überhaupt?
Artifacts sind eine Funktion von Claude.ai, die Inhalte wie Code, Dokumente, Diagramme oder komplette Webseiten in einem Panel neben dem Chat darstellt. Nutzer können ein Artifact über einen öffentlichen Link freigeben — es ist dann für jeden sichtbar, auch ohne Claude-Konto. Genau diese Freigabe-Funktion haben die Angreifer missbraucht.
Bin ich betroffen, wenn ich Claude normal nutze?
Nein. Die Lücke steckt nicht in Claude selbst, sondern im Missbrauch der öffentlichen Artifact-Links als Hosting für eine Phishing-Seite. Gefährdet war nur, wer über die Bing-Anzeige auf die gefälschte Download-Seite kam und das Malware-Paket herunterlud und ausführte.
Wie erkenne ich die echte Claude-Download-Seite?
Tippe claude.ai direkt in die Adresszeile ein, statt auf Suchmaschinen-Anzeigen zu klicken. Vorsicht bei Seiten mit dem Hinweis „Content is user-generated and unverified“ — das kennzeichnet öffentliche Artifacts. Und: Der echte Download leitet dich nicht auf fremde Domains wie download-app.us weiter.
Was macht SectopRAT auf einem infizierten Rechner?
SectopRAT ist ein Fernzugriffs-Trojaner. Er sammelt Kreditkartendaten, persönliche Informationen, Dateien und gespeicherte Passwörter und schickt sie an die Angreifer. Über eine als geplante Aufgabe registrierte Datei nistet er sich dauerhaft ein. Betroffene sollten den Rechner bereinigen und alle Passwörter von einem sauberen Gerät aus ändern.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert