Wer sein WordPress-Login an einen zentralen Identitätsanbieter gehängt hat, sollte jetzt nachsehen. Im Plugin miniOrange SAML 2.0 Single Sign On stecken zwei kritische Lücken, mit denen sich Angreifer als beliebiger Nutzer anmelden können — auch als Administrator. Und es bleibt nicht bei der Theorie: Sicherheitsforscher melden bereits laufende Angriffe.
Das Bittere daran: Genau dieses Plugin sollte die Anmeldung eigentlich sicherer machen.
DER TRICK: Der öffentliche Schlüssel wird zum Passwort
SAML funktioniert vereinfacht so: Dein Identitätsanbieter stellt eine digital signierte Bestätigung aus, dass du wirklich du bist. WordPress prüft die Signatur und lässt dich rein. Das Ganze steht und fällt mit dieser Prüfung.
Bei CVE-2026-61979 darf der Angreifer den Signaturalgorithmus selbst wählen — und wählt HMAC-SHA1. Das Plugin behandelt daraufhin den öffentlichen RSA-Schlüssel des Identitätsanbieters als gemeinsames Geheimnis. Der Haken: Ein öffentlicher Schlüssel ist, nun ja, öffentlich. Wer ihn kennt, kann eine Signatur bauen, die das Plugin bereitwillig als echt durchwinkt.
CVE-2026-15981 ist noch simpler und deshalb noch ärgerlicher: Wenn OpenSSL bei der Prüfung einen Fehler zurückgibt — den Wert -1 —, wertet das Plugin das als Erfolg. Eine kaputte Signatur wird damit zur gültigen Signatur.
Beide Lücken lassen sich verketten. Am Ende steht eine Sitzung mit Administratorrechten, ganz ohne Passwort und ganz ohne Zwei-Faktor-Abfrage.
SIEBEN EDITIONEN, EIN PROBLEM
Die kostenlose Ausgabe des Plugins läuft nach Angaben des Herstellers auf mehr als 10.000 WordPress-Seiten. Dazu kommen mehrere Bezahl- und Enterprise-Varianten, für die es keine öffentlichen Installationszahlen gibt. Das Analyseteam von Patchstack spricht von sieben Editionen unter einem Plugin-Slug — die tatsächliche Verbreitung dürfte also deutlich höher liegen als die 10.000 aus dem Verzeichnis.
Besonders unangenehm: SSO-Plugins stecken typischerweise nicht auf privaten Bastelblogs, sondern bei Firmen, Hochschulen und Redaktionen. Also genau dort, wo hinter dem Admin-Konto Inhalte und Nutzerdaten liegen, die sich lohnen.
SO SCHLIESST DU DIE LÜCKE
- Version prüfen. Im WordPress-Backend unter Plugins nachsehen, welche Version von miniOrange SAML 2.0 Single Sign On installiert ist.
- Aktualisieren. Die erste Lücke ist in der Standard-Ausgabe mit 17.0.5 geschlossen, die zweite mit 17.0.6. Nur 17.0.6 deckt also beide ab — alles darunter ist zu wenig.
- Administratoren durchzählen. Unter Benutzer prüfen, ob Konten aufgetaucht sind, die du nicht angelegt hast. Verdächtige Konten löschen statt nur sperren.
- Sitzungen beenden. Alle aktiven Anmeldungen abmelden und Passwörter der Admin-Konten neu setzen.
- Logs ansehen. Ungewöhnliche Anmeldungen und Plugin- oder Theme-Uploads der letzten Wochen kontrollieren.
Wenn du gerade nicht patchen kannst: Deaktiviere das Plugin lieber vorübergehend und lass die Anmeldung über die normale WordPress-Maske laufen. Ein unbequemes Login ist besser als ein fremder Administrator.
FAZIT: Update heute, nicht am Wochenende
Zwei Auth-Bypässe, ein bekannter Exploit-Weg und laufende Angriffe — diese Kombination lässt keinen Aufschub zu. Der Fix ist da und kostet dich fünf Minuten. Die Alternative kostet dich deine Seite.
Häufige Fragen
Welche Versionen sind betroffen?
Wie merke ich, ob mein System verwundbar ist?
Hilft Zwei-Faktor-Authentifizierung gegen diese Lücke?
Gab es schon aktive Angriffe?
Quellen
- The Hacker News — Attackers Target miniOrange SAML Flaws That Can Grant WordPress Admin Access
- BleepingComputer — Hackers target WordPress sites in miniOrange auth bypass attacks
- Patchstack — One slug, seven editions: the miniOrange SAML SSO bug
- SecurityWeek — WordPress Websites Targeted via MiniOrange Plugin Vulnerabilities