Es ist so weit: Claude vergisst dich nicht mehr, sobald du das Fenster wechselst. Anthropic hat am 25. August ein Update ausgerollt, das das Gedächtnis der KI über Chat und Cowork hinweg zusammenlegt. Was du im Chat erzählst, weiß Claude auch in der Desktop-App — und umgekehrt.
Klingt banal. Ist es nicht. Denn zum ersten Mal darfst du auch reingucken und aufräumen.
SCHLUSS MIT DEM BLINDFLUG: Du siehst jetzt jede Erinnerung
Bisher war Claudes Gedächtnis eine Blackbox. Die KI merkte sich Dinge, aber du konntest nur raten, was genau. Das ist vorbei.
In den Einstellungen findest du ab sofort den Punkt Themen. Dort liegt alles offen: Thema für Thema, säuberlich sortiert. Und jeder einzelne Eintrag lässt sich bearbeiten oder löschen. Wenn Claude sich also falsch gemerkt hat, dass du Python hasst, weil du das mal in einem Wutmoment geschrieben hast — weg damit.
Das ist mehr als Kosmetik. Bei einem Assistenten, der dir Code schreibt, Mails vorformuliert und Dateien sortiert, entscheidet das Gedächtnis darüber, wie gut die Ergebnisse werden. Falsche Erinnerungen sind wie ein Kollege, der eine alte Ansage nie mitbekommen hat.
SENSIBEL? BLEIBT DRAUSSEN — jedenfalls erst mal
Der zweite Teil ist der interessantere. Anthropic hat eine Sperrliste eingebaut. Standardmäßig speichert Claude bestimmte Themen gar nicht erst:
- Gesundheit und Krankheiten
- Herkunft und Ethnie
- Religiöse Überzeugungen
- Politische Haltung
- Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung
Wer will, kann diese Kategorien in den Memory-Einstellungen freischalten — etwa weil man es leid ist, jedes Mal aufs Neue eine chronische Erkrankung zu erklären. Dann bekommst du bei jedem Speichervorgang zu einem dieser Themen einen Hinweis eingeblendet. Wichtig: Das gilt nur ab dem Moment der Freischaltung. Rückwirkend wird nichts nachgetragen.
DIESE DATEN LANDEN NIE IM GEDÄCHTNIS
Und dann gibt es eine harte Grenze, die auch mit eingeschalteter Option bestehen bleibt. Claude speichert grundsätzlich nicht:
- Ausweis- und Sozialversicherungsnummern sowie andere staatliche Kennnummern
- Vorstrafen und Strafverfahren
- Aufenthalts- und Einwanderungsstatus
- Alles, was gegen Anthropics Nutzungsrichtlinien verstößt
Diese Liste ist nicht verhandelbar. Das ist ein bewusster Riegel — und einer, den man bei anderen Assistenten gerne mal vergeblich sucht.
SO GEHST DU JETZT VOR
Drei Minuten, dann weißt du, wo du stehst:
- Einstellungen öffnen und den Bereich Memory beziehungsweise Themen ansteuern.
- Liste durchgehen. Alles, was nicht stimmt oder was du nicht dauerhaft hinterlegt haben willst, löschen.
- Entscheiden, ob du sensible Themen freischalten willst. Im Zweifel: aus lassen. Du kannst es jederzeit später einschalten.
EXTRA-TIPP: Wenn du Claude beruflich und privat nutzt, lohnt sich der Blick besonders. Durch die Zusammenlegung von Chat und Cowork wandern Kontexte jetzt zwischen beiden Welten hin und her — was praktisch ist, aber eben auch bedeutet, dass ein privates Detail im Arbeitskontext auftauchen kann.
FAZIT: Mehr Komfort, aber Aufräumen ist Pflicht
Ein Assistent, der sich Dinge merkt, ist deutlich brauchbarer als einer, der bei jedem Start bei null anfängt. Dass Anthropic die Kontrolle darüber gleich mitliefert — sichtbar, editierbar, löschbar — ist die richtige Reihenfolge. Trotzdem: Ein aktiviertes Gedächtnis ist eine Datensammlung über dich. Sieh dir einmal an, was drinsteht. Danach kannst du entspannt weiterarbeiten.
Häufige Fragen
Was ändert sich für mich als Nutzer?
Ist Memory standardmäßig eingeschaltet?
Speichert Claude auch Gesundheits- oder Glaubensfragen?
Gibt es Daten, die Claude nie speichert?
Quellen
- Claude by Anthropic — Claude’s memory works everywhere, and you decide what’s in it
- TechCrunch — Claude Cowork finally remembers what you told the app in chat
- Engadget — Claude’s memory now works across both chats and Cowork sessions
- SiliconANGLE — Anthropic updates Claude’s memory to enhance customization and protect sensitive topics