Die Sicherheitsfirma Huntress hat eine Lücke offengelegt, die so simpel wie ärgerlich ist: Ein einziger Klick auf einen präparierten Link genügt — und Windows schickt den NTLMv2-Hash deines Kontos an einen Server des Angreifers. Noch bevor überhaupt eine Fehlermeldung erscheint. Das Bitterste daran: Microsoft will nicht patchen.
SO FUNKTIONIERT DER TRICK
Schuld ist der URI-Handler search:, mit dem Windows Suchanfragen entgegennimmt. Er akzeptiert einen Parameter namens crumb=location: — und reicht den ungeprüft weiter. Trägt ein Angreifer dort einen UNC-Pfad zu seinem eigenen Server ein (etwa \\angreifer-ip\share), versucht Windows brav, sich dort zu verbinden — und sendet dabei automatisch die Net-NTLMv2-Authentifizierung des angemeldeten Nutzers. Kein Exploit, keine Malware, keine Admin-Rechte: nur ein Klick auf einen Link, der den Handler aufruft.
DÉJÀ-VU: Dieselbe Lücke, neues Gewand
Besonders pikant: Das ist exakt das Verhaltensmuster von CVE-2026-33829 — einer Schwachstelle im Snipping Tool, die Microsoft gerade erst gepatcht hatte. Nur einen Tag nach dem Patch fand sich derselbe Mechanismus im search:-Handler wieder, mit anderem Parameter, gleichem COM-Aktivierungspfad in der ExplorerFrame.dll und identischem Hash-Leak. Microsofts Security Response Center bewertete den Fund trotzdem als „Moderate“ — unterhalb der Patch-Schwelle. Es gibt keine CVE-Nummer und keinen Fix.
GEFAHR: Was Angreifer mit deinem Hash anstellen
Ein NTLMv2-Hash ist nicht dein Klartext-Passwort — aber er lässt sich offline knacken (bei schwachen Passwörtern eine Sache von Stunden) oder in Relay-Angriffen direkt gegen andere Dienste im Netzwerk einsetzen. In Firmenumgebungen ist das ein klassischer Einstieg für die Übernahme weiterer Konten. Genau deshalb sind Klick-zu-Hash-Lücken bei Angreifern so beliebt.
SELBSTHILFE: So dichtest du dein System ab
Da kein Patch kommt, bist du selbst dran. Erstens: Ausgehende SMB-Verbindungen (Port 445) ins Internet an der Firewall blocken — damit laufen die meisten Hash-Leak-Tricks ins Leere. Zweitens: Per Gruppenrichtlinie die NTLM-Nutzung einschränken („Ausgehenden NTLM-Datenverkehr einschränken“) und wo möglich Kerberos erzwingen. Drittens: Lange, einzigartige Passwörter — gegen Offline-Cracking hilft schiere Länge. Und natürlich: gesundes Misstrauen gegenüber Links aus Mails und Chats.
FAZIT: „Below servicing bar“ ist eine Wette
Microsoft wettet darauf, dass die Lücke zu unbequem für Massen-Angriffe ist. Die Geschichte ähnlicher NTLM-Leaks zeigt: Diese Wette ging schon öfter schief. Die Firewall-Regel kostet dich fünf Minuten — investiere sie.
Häufige Fragen
Welche Systeme sind von dem NTLM-Leak betroffen?
Wie merke ich, ob ich angegriffen wurde?
Wie schütze ich mich konkret, wenn Microsoft nicht patcht?
Warum patcht Microsoft die Lücke nicht?
Quellen: The Hacker News, Huntress