#Hardware · 4 Min. Lesezeit · Tim Rinkel

SCHROTT! Uralt-Router lassen sich fernsteuern — einen Patch wird es NIE geben

SCHROTT! Uralt-Router lassen sich fernsteuern — einen Patch wird es NIE geben

Manche Sicherheitslücken bekommen irgendwann einen Patch. Bei CVE-2026-108804 ist das anders: Die betroffenen TRENDnet-Router sind seit 2011 nicht mehr im Hersteller-Support — ein Fix wird es nicht mehr geben, egal wie kritisch die Lücke ist. Und kritisch ist sie: volle 10,0 von 10,0 auf der CVSS-Skala, in allen Versionen von CVSS 2.0 bis 4.0 gleichermaßen.

EIN CGI-SCRIPT MIT ZU VIEL VERTRAUEN

Betroffen sind die Modelle TEW-751DR, TEW-752DRU und TEW733GR mit den Firmware-Versionen 1.03B01 und 1.03B03. Der Fehler sitzt in der Web-Verwaltungsoberfläche, genauer in der Funktion fwrite der Datei pigwidgeon.cgi. Wird der Parameter service manipuliert, führt das Gerät die eingeschleusten Befehle direkt auf Betriebssystem-Ebene aus — eine klassische OS-Command-Injection (CWE-78/CWE-77). Der Angriff lässt sich komplett aus der Ferne ausführen, ganz ohne Login, und ein funktionierender Exploit ist bereits öffentlich auf GitHub dokumentiert.

DER HERSTELLER ZUCKT MIT DEN SCHULTERN

Besonders aufschlussreich ist die Reaktion von TRENDnet, die in der offiziellen Schwachstellen-Dokumentation zitiert wird: „As this router was EOL’d in 2011, we have no way of testing if such vulnerability exists. We will notify our customers of a potential vulnerability on this product.“ Übersetzt: Der Hersteller kann die Lücke nicht einmal mehr testen, weil die nötige Infrastruktur für ein 15 Jahre altes Produkt längst abgebaut ist. Immerhin verspricht TRENDnet, betroffene Kunden zu informieren — einen Patch gibt es trotzdem nicht.

WARUM DAS TROTZDEM JEDEN TREFFEN KANN

Uralte Router verschwinden selten so schnell, wie man denkt. Sie landen als Zweitgerät im Gästenetz, als Repeater im Keller, gebraucht bei Nachbarn oder einfach vergessen in einer Ecke des Netzwerkschranks weiter im Einsatz. Wer eines dieser drei Modelle noch betreibt und dabei auch nur versehentlich den Verwaltungszugang aus dem Internet erreichbar gemacht hat — etwa über eine unbedacht aktivierte Fernwartung oder eine Portweiterleitung — bietet Angreifern einen vollständig unauthentifizierten Zugriff auf das gesamte Gerät, inklusive allem, was dahinter im Heimnetz hängt.

WAS DU JETZT TUN KANNST

Da ein offizieller Fix ausgeschlossen ist, bleibt nur der Umgang mit dem Risiko selbst:

  • Prüfen, ob eines der drei Modelle noch im eigenen Netz aktiv ist — auch als vergessenes Zweitgerät.
  • Die Verwaltungsoberfläche niemals aus dem Internet erreichbar machen, Fernwartung und Portweiterleitungen für das Gerät deaktivieren.
  • Besser: das Gerät komplett ersetzen und durch aktuell unterstützte Hardware mit laufenden Sicherheitsupdates ablösen.
  • Falls ein Austausch nicht sofort möglich ist, das Gerät in ein eigenes, isoliertes VLAN ohne Zugriff auf sensible Geräte verschieben.

Häufige Fragen

Welche Geräte sind von CVE-2026-108804 betroffen?
Betroffen sind die TRENDnet-Router TEW-751DR, TEW-752DRU und TEW733GR mit den Firmware-Versionen 1.03B01 oder 1.03B03. Alle drei Modelle wurden bereits 2011 vom Hersteller als End-of-Life eingestuft und erhalten seitdem keine regulären Firmware-Updates mehr.
Wie merke ich, ob ich eines dieser Modelle nutze?
Modellbezeichnung und Firmware-Version stehen meist auf einem Aufkleber an der Geräteunterseite oder lassen sich über die Weboberfläche unter dem Status- oder Systeminfo-Menü auslesen. Wer unsicher ist, sollte alle aktiven Netzwerkgeräte im Haushalt einmal durchgehen, insbesondere alte Zweitrouter und Repeater.
Wie behebe ich das Problem, wenn es keinen Patch gibt?
Ohne Hersteller-Patch hilft nur Risikomanagement: Verwaltungszugang und Fernwartung vom Internet trennen, das Gerät in ein isoliertes Netzwerksegment verschieben oder es komplett durch ein aktuell unterstütztes Modell ersetzen. Letzteres ist bei einem 15 Jahre alten Gerät ohnehin empfehlenswert.
Gab es schon aktive Angriffe?
Ein funktionierender Exploit-Code ist öffentlich auf GitHub verfügbar, was das Risiko einer Ausnutzung deutlich erhöht. Konkrete Berichte über breite aktive Angriffswellen liegen aktuell nicht vor, die Kombination aus öffentlichem Exploit und fehlendem Patch macht schnelles Handeln aber sinnvoll.

Quellen

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