Monatelang war Meta im Wettlauf um die besten KI-Modelle das Unternehmen, das anderen hinterherlief. Mit Muse Wonder und Muse Wonder Full meldet sich Meta Superintelligence Labs unter der Leitung von Alexandr Wang jetzt mit einem echten Sprung nach vorne zurück. Laut unabhängigen Benchmark-Messungen landen die neuen Modelle plötzlich nur noch knapp hinter Anthropics Spitzenmodell.
ENDLICH WIEDER AUF AUGENHÖHE
Meta beschreibt die beiden Modelle in der offiziellen Ankündigung als die bislang fähigsten eigenen Modelle für persönliche und berufliche Agenten-Aufgaben. Zwei Fähigkeiten stellt Meta besonders heraus: Active Memory, also die Fähigkeit, wichtige Informationen über mehrere Unterhaltungen hinweg zu behalten und bei Bedarf wieder einzubringen, und Active Focus — das Modell soll an einem Ziel festhalten, auch wenn eine Aufgabe schwierig wird, andere Lösungswege ausprobieren und sich von Fehlern erholen. Dazu kommen laut Meta ausgeprägte Fachkenntnisse in Recht, Finanzen und Gesundheit sowie, nach eigenen Angaben, Programmierleistung auf Frontier-Niveau.
DIE BENCHMARK-ZAHLEN, DIE AUFHORCHEN LASSEN
Der unabhängige Messdienst Artificial Analysis hat beide Modelle in seinen Intelligence Index v4.3 eingeordnet: Muse Wonder erreicht bei maximaler Denkleistung 52 Punkte, Muse Wonder Full 56 Punkte — ein Sprung von acht Punkten gegenüber dem bisherigen Meta-Modell Muse Spark 1.3. Damit zieht Muse Wonder Full laut der Auswertung mit Claude Sonnet 5.5 gleich, liegt vor GPT-6 Astra, Gemini 4 Argon und Claude Fable 5.1 und bleibt nur noch knapp hinter Claude Opus 5.5 zurück. In Einzeltests wie Terminal-Bench 4.0 kommt Muse Wonder Full auf 57 Prozent, bei CritPt und beim Benchmark GDP.pdf belegt es jeweils Platz eins unter allen getesteten Modellen, bei SciCode Platz drei mit 63 Prozent. Die gemessene Halluzinationsrate liegt bei 23 Prozent.
VERFÜGBAR IST NUR DAS SCHWÄCHERE DER BEIDEN MODELLE
Hier liegt der Haken: Muse Wonder, das schwächere der beiden Modelle, ist ab sofort über die Meta-Model-API und über Muse Code nutzbar. Das stärkere Muse Wonder Full bekommen vorerst nur zahlende Muse-Code-Abonnenten zu Gesicht — eine freie API-Anbindung für das Spitzenmodell gibt es laut Ankündigung derzeit nicht. Beide Modelle sollen künftig auch die Muse-Plattform antreiben, zunächst exklusiv für Abonnenten. Konkrete Preise für API-Zugriff oder Abo nennt Meta in der offiziellen Mitteilung nicht.
WAS DAS FÜR DEN KI-MARKT BEDEUTET
Für Nutzer, die Modelle über offene Schnittstellen vergleichen, ändert sich damit erst einmal wenig an der gewohnten Reihenfolge — Anthropics Claude Opus 5.5 bleibt nach dieser Messung die Nummer eins. Spannend ist der Trend: Meta hat den Rückstand zu den führenden Anbietern deutlich verkürzt, und mit Active Memory und Active Focus setzt das Unternehmen gezielt auf die beiden Fähigkeiten, die bei langlaufenden Agenten-Aufgaben am meisten zählen. Wer eigene KI-Workflows betreibt, sollte Muse Wonder über die API zumindest testen — ein ernstzunehmender neuer Mitspieler ist es in jedem Fall.