Ein Raspberry Pi, der nach einem RAM-Tausch nur noch mit blinkenden Fehlercodes reagiert, wirkt erstmal wie ein Defekt. Ist es aber nicht: Wie ein Hackaday-Artikel vom 22. September noch einmal aufgerollt hat, steckt dahinter eine ganz bewusste Bootloader-Sperre, die die Raspberry Pi Foundation schon vor zwei Jahren eingebaut hat — nur eben lange Zeit, ohne dass es jemand richtig bemerkt hätte.
DIE SPERRE: Wenn der RAM nicht zum Werkszustand passt
Zwischen dem 10. und 23. September 2024 hat die Raspberry Pi Foundation eine Bootloader-Änderung ausgerollt, die bei Raspberry Pi 4, Pi 5 und diversen Compute-Module-Varianten die tatsächlich verbaute RAM-Kapazität gegen die Werksangabe abgleicht. Weicht sie ab — etwa weil jemand die RAM-Chips auf der Platine gegen größere ausgetauscht hat —, verweigert das Board den Start und zeigt stattdessen einen Flash-Fehlercode 8 oder 9 an.
WARUM DAS ZWEI JAHRE UNTER DEM RADAR LIEF
Die Sperre betrifft nur eine sehr kleine Zielgruppe: Boards, deren RAM nachträglich per Hand oder durch einen Reseller getauscht wurde — ab Werk verbaut die Foundation ihren RAM fest und nicht nachrüstbar. Breite Aufmerksamkeit bekam das Thema erst, als der bekannte Bastler-YouTuber Jeff Geerling Mitte 2026 ein Video dazu veröffentlichte. Der Hackaday-Artikel vom 22. September ordnet die Sperre jetzt noch einmal ein — als Analyse eines seit Langem bestehenden, aber wenig dokumentierten Verhaltens, nicht als neu entdeckten Bug.
DIE BEGRÜNDUNG: Schutz vor windigen RAM-Upgrades
Die Foundation selbst hat die Sperre nie groß beworben, die Logik dahinter ist aber nachvollziehbar: Hauptzielgruppe der nachträglichen RAM-Tauschaktionen sind offenbar zweifelhafte Online-Reseller, die Boards mit minderwertigen oder recycelten RAM-Chips als „aufgerüstet“ verkaufen, ohne das offenzulegen. Für Einsteiger, die einen vermeintlich stärkeren Pi kaufen, kann das zu instabilen Systemen führen, ohne dass sie den wahren Grund je erfahren. Die Bootloader-Prüfung macht ein solches Board zumindest sichtbar unbrauchbar, statt einfach nur unzuverlässig.
DIE UMGEHUNG: Alter Bootloader per USB
Wer selbst RAM tauscht oder ein Board mit dieser Sperre erwischt, kommt trotzdem wieder zum Laufen: Der Bootloader lässt sich per rpiboot über USB auf den letzten kompatiblen Stand vom 10. September 2024 zurücksetzen — diese ältere Version prüft die RAM-Größe schlicht nicht. Wichtig danach: Raspberry Pi OS aktualisiert die Firmware standardmäßig automatisch im Hintergrund, ohne Nachfrage. Wer nicht will, dass die Sperre beim nächsten Update zurückkehrt, muss diesen Auto-Update-Dienst gezielt deaktivieren.