#Hardware · 3 Min. Lesezeit · Tim Rinkel

BASTLER AUFGEPASST! Diese RAM-Sperre in deinem Raspberry Pi ist zwei Jahre alt — und jetzt wieder Thema

BASTLER AUFGEPASST! Diese RAM-Sperre in deinem Raspberry Pi ist zwei Jahre alt — und jetzt wieder Thema

Ein Raspberry Pi, der nach einem RAM-Tausch nur noch mit blinkenden Fehlercodes reagiert, wirkt erstmal wie ein Defekt. Ist es aber nicht: Wie ein Hackaday-Artikel vom 22. September noch einmal aufgerollt hat, steckt dahinter eine ganz bewusste Bootloader-Sperre, die die Raspberry Pi Foundation schon vor zwei Jahren eingebaut hat — nur eben lange Zeit, ohne dass es jemand richtig bemerkt hätte.

DIE SPERRE: Wenn der RAM nicht zum Werkszustand passt

Zwischen dem 10. und 23. September 2024 hat die Raspberry Pi Foundation eine Bootloader-Änderung ausgerollt, die bei Raspberry Pi 4, Pi 5 und diversen Compute-Module-Varianten die tatsächlich verbaute RAM-Kapazität gegen die Werksangabe abgleicht. Weicht sie ab — etwa weil jemand die RAM-Chips auf der Platine gegen größere ausgetauscht hat —, verweigert das Board den Start und zeigt stattdessen einen Flash-Fehlercode 8 oder 9 an.

WARUM DAS ZWEI JAHRE UNTER DEM RADAR LIEF

Die Sperre betrifft nur eine sehr kleine Zielgruppe: Boards, deren RAM nachträglich per Hand oder durch einen Reseller getauscht wurde — ab Werk verbaut die Foundation ihren RAM fest und nicht nachrüstbar. Breite Aufmerksamkeit bekam das Thema erst, als der bekannte Bastler-YouTuber Jeff Geerling Mitte 2026 ein Video dazu veröffentlichte. Der Hackaday-Artikel vom 22. September ordnet die Sperre jetzt noch einmal ein — als Analyse eines seit Langem bestehenden, aber wenig dokumentierten Verhaltens, nicht als neu entdeckten Bug.

DIE BEGRÜNDUNG: Schutz vor windigen RAM-Upgrades

Die Foundation selbst hat die Sperre nie groß beworben, die Logik dahinter ist aber nachvollziehbar: Hauptzielgruppe der nachträglichen RAM-Tauschaktionen sind offenbar zweifelhafte Online-Reseller, die Boards mit minderwertigen oder recycelten RAM-Chips als „aufgerüstet“ verkaufen, ohne das offenzulegen. Für Einsteiger, die einen vermeintlich stärkeren Pi kaufen, kann das zu instabilen Systemen führen, ohne dass sie den wahren Grund je erfahren. Die Bootloader-Prüfung macht ein solches Board zumindest sichtbar unbrauchbar, statt einfach nur unzuverlässig.

DIE UMGEHUNG: Alter Bootloader per USB

Wer selbst RAM tauscht oder ein Board mit dieser Sperre erwischt, kommt trotzdem wieder zum Laufen: Der Bootloader lässt sich per rpiboot über USB auf den letzten kompatiblen Stand vom 10. September 2024 zurücksetzen — diese ältere Version prüft die RAM-Größe schlicht nicht. Wichtig danach: Raspberry Pi OS aktualisiert die Firmware standardmäßig automatisch im Hintergrund, ohne Nachfrage. Wer nicht will, dass die Sperre beim nächsten Update zurückkehrt, muss diesen Auto-Update-Dienst gezielt deaktivieren.

Häufige Fragen

Ist meine Platine kaputt, wenn sie Fehlercode 8 oder 9 zeigt?
Meist nicht. Diese Codes deuten in aller Regel auf die RAM-Prüfung des Bootloaders hin, nicht auf einen Hardwaredefekt — vorausgesetzt, am Board wurde tatsächlich der RAM-Chip getauscht oder das Board stammt von einem Reseller mit inoffiziellem Upgrade.
Betrifft das auch neu gekaufte, unveränderte Raspberry-Pi-Boards?
Nein. Boards direkt von der Raspberry Pi Foundation oder autorisierten Händlern mit unverändertem, werksseitig verlötetem RAM sind von der Sperre nicht betroffen — sie greift nur, wenn die tatsächliche RAM-Größe vom Werkszustand abweicht.
Wie bekomme ich ein gesperrtes Board wieder zum Laufen?
Über das rpiboot-Tool per USB lässt sich der Bootloader auf die letzte Version vor der RAM-Prüfung (Stand 10. September 2024) zurücksetzen. Danach sollte zusätzlich das automatische Firmware-Update deaktiviert werden, damit die Sperre nicht beim nächsten Update zurückkehrt.
Warum wird das Thema gerade jetzt wieder diskutiert?
Ein Hackaday-Artikel vom 22. September 2026 hat die zwei Jahre alte Bootloader-Sperre erneut aufgegriffen und eingeordnet, nachdem sie durch ein YouTube-Video von Jeff Geerling Mitte 2026 erstmals breiter bekannt geworden war. Neu entdeckt wurde dabei nichts, die Sperre existiert unverändert seit 2024.

Quellen

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