Bei NAS-Systemen muss man sich meist entscheiden: viel günstiger Massenspeicher auf klassischen Festplatten, oder maximales Tempo über NVMe-SSDs. QNAP versucht mit dem neuen TS-h966TX beides gleichzeitig unterzubringen — in einem Gehäuse, das trotzdem kleiner ausfällt als der bisherige Ansatz des Herstellers.
FÜNF PLUS VIER: DAS HYBRID-PRINZIP
Der Name „9-Bay” verschleiert etwas, wie unterschiedlich diese neun Schächte tatsächlich sind: Fünf 3,5-Zoll-SATA-Bays nehmen klassische Festplatten oder 2,5-Zoll-SSDs auf und liefern die günstige Kapazität für große Datenmengen. Dazu kommen vier 2,5-Zoll-U.2-NVMe-Bays, die als schnelle Cache- oder Arbeitsschicht für aktive Projekte dienen. Alle neun Schächte sind hot-swappable, lassen sich also im laufenden Betrieb tauschen — praktisch, wenn eine Platte im 24/7-Betrieb ausfällt.
THUNDERBOLT 4 STATT NUR NETZWERK
Statt sich allein auf Ethernet zu verlassen, bringt das TS-h966TX zwei Thunderbolt-4-Anschlüsse mit, über die sich das NAS wie ein externes Hochgeschwindigkeits-Laufwerk direkt an einen Schnittschnitt-Rechner anschließen lässt. In Tests von QNAP mit AJA-Benchmark-Software erreichte die Direktverbindung per Thunderbolt 4 rund 2.252 MB/s Schreib- und 2.004 MB/s Lesegeschwindigkeit — Werte, die klassische Netzwerkfreigaben über Gigabit- oder selbst 2,5-Gigabit-Ethernet deutlich hinter sich lassen. Für den Netzwerkbetrieb selbst stehen zusätzlich ein 10GBASE-T-Port (10G/5G/2,5G/1G/100M) und ein dedizierter 2,5-Gigabit-Port bereit.
UNTER DER HAUBE: INTEL-CPU UND ZFS
Als Antrieb dient ein Intel-Core-i3-Sechskerner mit bis zu 4,4 GHz Taktfrequenz und integrierter UHD-Grafik, unterstützt von 8 GB DDR5-Arbeitsspeicher ab Werk, der sich auf bis zu 64 GB aufrüsten lässt. Als Betriebssystem kommt QNAPs ZFS-basiertes QuTS hero zum Einsatz, das unter anderem unveränderliche WORM-Snapshots, automatische Selbstheilung bei stiller Datenkorruption sowie Inline-Deduplizierung und Echtzeit-Kompression mitbringt — Funktionen, die man sonst eher von größeren Enterprise-Storage-Systemen kennt.
KLEINER ALS DER VORGÄNGER, TROTZ MEHR TECHNIK
Bemerkenswert ist vor allem der Formfaktor: QNAP gibt an, dass das neue Gehäuse 36 Prozent kleiner ausfällt als die bisherigen HDD-basierten 6-Bay-Thunderbolt-4-NAS-Modelle des Herstellers — bei gleichzeitig mehr Bays und zusätzlicher NVMe-Beschleunigung. Abgerundet wird die Ausstattung durch zwei USB-3.2-Gen-2-Anschlüsse, einen USB-2.0-Port und einen HDMI-Ausgang mit 4K-Unterstützung bei 60 Hz, falls das NAS direkt an einem Monitor betrieben werden soll.
FÜR WEN SICH DAS LOHNT
QNAP positioniert das TS-h966TX klar für Videoproduktion und andere bandbreitenhungrige Kreativ-Workflows in kleinen Studios — Zielgruppen, die bislang zwischen reinem NVMe-Tempo und günstiger SATA-Kapazität wählen mussten. Für ambitionierte Homelab-Nutzer, die ohnehin mit großen Medienbibliotheken oder Backup-Mengen jonglieren, ist die Kombination aus günstiger Masse und schneller Cache-Schicht ebenfalls interessant, auch wenn der Einstiegspreis mit 1.299 US-Dollar für das Modell mit 8 GB RAM klar oberhalb reiner Einsteiger-NAS liegt. Vorbestellungen laufen bereits, die Auslieferung soll laut QNAP zwei bis vier Wochen dauern; auf die Standardgarantie von drei Jahren lässt sich optional eine Verlängerung auf fünf Jahre draufbuchen.