Wenn du das BI-Tool Metabase selbst hostest, hör kurz auf zu scrollen: Eine Schwachstelle mit dem Höchstwert CVSS 10.0 wurde bereits als Zero-Day ausgenutzt — und die Liste der Opfer liest sich wie ein Who’s who der Tech-Szene. Der PC-Hersteller Framework, die Workflow-Plattform n8n und das KI-Tool Kilo Code haben in den letzten Tagen Datenabflüsse bestätigt; die jüngsten Updates stammen vom 11. August.
SO simpel ist der Angriff
Die Lücke — sie trägt bislang nicht einmal eine CVE-Nummer — erlaubt es einem nicht angemeldeten Angreifer, SQL direkt in die Metabase-Anwendungsdatenbank zu injizieren. Einfallstor ist der Endpunkt /api/session/reset_password. Wer durchkommt, macht sich selbst zum Administrator und kann dann: die Konfiguration ändern, gespeicherte Zugangsdaten aller verbundenen Datenbanken stehlen, sämtliche darüber erreichbaren Daten lesen und exportieren.
Metabase zufolge wurde zuerst die eigene Cloud angegriffen — betroffen sind aber genauso alle Self-Hosted-Versionen ab x.58. Gepatchte Releases stehen für alle Zweige bereit (x.58.24, x.59.21, x.60.17, x.61.11, x.62.9 und x.63.5).
Die Opferliste wächst — DAS ist bisher bekannt
Bei Framework griffen die Angreifer Namen, E-Mail-Adressen, Anschriften, Telefonnummern und Login-IPs von Kunden ab — Zahlungs- und Bestelldaten blieben verschont. n8n meldet 136 abgeflossene Kundendatensätze, fünf davon mit bcrypt-gehashten Passwörtern von Cloud-Accounts; bei der Untersuchung stolperte das Team zusätzlich über einen Altfehler von 2023, durch den einige Passwörter im Klartext gespeichert worden waren. Bei Kilo Code erwischte es Slack-Tokens des hauseigenen Slackbots — der Angriff lief dort in einem Zeitfenster von nur vier Stunden am 2. August.
PRÜFE deine Logs — die Spuren sind eindeutig
Metabase-Chef Sameer Al-Sakran nennt ein klares Erkennungsmuster: ein POST /api/session/reset_password mit Status 400, direkt gefolgt von einem GET /api/user/current mit Status 200. Findest du diese Kombination in deinen Access-Logs, musst du von einer Kompromittierung ausgehen.
Dann gilt der volle Notfallplan: alle aktiven Sessions löschen (Tabelle core_session in der Anwendungsdatenbank leeren), API-Keys durchsehen und unbekannte entfernen, Admin-Konten auf Änderungen prüfen und — das ist der wichtigste Punkt — die Zugangsdaten aller in Metabase hinterlegten Datenbanken rotieren. Wer nicht sofort updaten kann, sollte den Endpunkt /api/session/reset_password per Reverse Proxy blockieren.
FAZIT: Dashboards sind Kronjuwelen-Verwalter
Der Fall zeigt einmal mehr, warum Analytics-Tools nie sorglos im offenen Netz stehen sollten: Metabase kennt die Zugangsdaten zu all deinen Datenbanken — wer es knackt, bekommt den Generalschlüssel. Schon die n8n-Lücke mit CVSS 10 im Mai und das Botnetz, das offene KI-Dienste abgrast, haben gezeigt, wie schnell exponierte Self-Hosting-Dienste gefunden werden. Pack deine internen Tools hinter VPN oder Reverse Proxy mit Auth — und patche Metabase heute, nicht morgen.