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Ohne achte Testwoche, ohne Verlängerung: Linus Torvalds hat Linux 7.2 am 17. August 2026 freigegeben. Und das nach einem der arbeitsreichsten Entwicklungszyklen, die der Kernel je gesehen hat — mit fast 600.000 neuen Codezeilen.
TORVALDS über die Flut an Kleinigkeiten
Auffällig war weniger die Menge an großen Neuerungen als die Menge an kleinen Korrekturen. Torvalds selbst führt das ungewöhnlich hohe Aufkommen an Patches und Fehlerberichten darauf zurück, dass Entwickler zunehmend KI- und LLM-Werkzeuge einsetzen — die finden eben auch das, was jahrelang niemandem aufgefallen ist.
Er beschrieb den letzten Release-Kandidaten deshalb als ungewöhnlich groß. Trotzdem hielt er am Termin fest.
CACHE AWARE SCHEDULING: der Kernel denkt mit
Die wichtigste Neuerung unter der Haube heißt Cache Aware Scheduling. Vereinfacht gesagt berücksichtigt der Kernel bei Mehrkern-Prozessoren jetzt besser, welche Daten bereits im Cache des jeweiligen Kerns liegen — und verschiebt Aufgaben nicht mehr so bereitwillig auf einen Kern, der erst alles neu laden müsste.
Für Homelab-Betreiber ist das interessant, weil genau solche Verschiebungen bei vielen parallel laufenden Containern und VMs sonst spürbar Leistung kosten.
NEUE HARDWARE: Apple M3 zieht ein
Linux 7.2 bringt erste Unterstützung für Apples M3-Chip mit. Das ist ein Anfang, kein fertiger Zustand — aber ein wichtiger Schritt für alle, die Linux auf Apple-Hardware betreiben wollen.
Dazu kommt USB4STREAM, ein von Intel entwickeltes Protokoll, mit dem sich Daten direkt zwischen zwei Geräten über ein USB4- oder Thunderbolt-Kabel streamen lassen. Ebenfalls neu: AMDGPU HDMI 2.1 sowie eine breite Palette an Treiberverbesserungen für AMD- und Intel-Hardware.
SPEICHER und Dateisysteme
Im Speichermanagement geht der Umbau des Swap-Subsystems weiter: Anonyme und Shared-Memory-Folios werden weiter vereinheitlicht behandelt, der Speicher-Overhead sinkt. Bei den Dateisystemen bekommt Btrfs Unterstützung für große Folios. Und Rust läuft jetzt auch auf s390 — IBMs Mainframe-Architektur.
RÜCKZIEHER in letzter Sekunde beim GPU-Scheduler
Die vielleicht spannendste Geschichte spielte sich kurz vor der Freigabe ab. Der DRM-GPU-Scheduler wurde auf seine frühere FIFO-Strategie zurückgesetzt — also zurück auf „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“.
Der Grund: Die neuere, auf faire Zuteilung ausgelegte Implementierung hatte bei Nutzern schwere Leistungseinbrüche und Desktop-Freezes unter anhaltender GPU-Last verursacht. Der Rückbau wurde noch unmittelbar vor dem finalen Release eingereicht. Kein schöner Moment für die Beteiligten — aber genau so soll ein Release-Prozess funktionieren.
SOLLTEST DU jetzt updaten?
Kurze Antwort: Nicht von Hand. Ein frischer Hauptkernel geht üblicherweise erst über die Distribution zu dir — Arch und Fedora sind meist schnell, Debian und Ubuntu LTS lassen sich bewusst Zeit. Wer produktive Server betreibt, wartet genau darauf.
Zum Ausprobieren eignet sich eine kleine Zweitmaschine deutlich besser als der Hauptserver. Ein Mini-PC wie der Minisforum UM790 Pro* ist dafür ein solider Kandidat: aktuelle AMD-Plattform, wenig Stromverbrauch, und wenn ein neuer Kernel zickt, steht nicht gleich das halbe Homelab still.
FAZIT
Linux 7.2 ist keine Revolution, aber ein sehr solides Paket: besseres Scheduling, neue Hardware-Unterstützung und ein Projekt, das den Mut hat, eine Änderung zurückzunehmen, wenn sie in der Praxis nicht funktioniert. Man kann sich Schlimmeres vorstellen.