#Netzwerk & Sicherheit · 4 Min. Lesezeit · Tim Rinkel

RANSOMWARE-WELLE! INC-Bande reitet auf der SonicWall-Lücke — und klaut sogar deine MFA-Codes

RANSOMWARE-WELLE! INC-Bande reitet auf der SonicWall-Lücke — und klaut sogar deine MFA-Codes

Jetzt ist klar, wer hinter der SonicWall-Angriffswelle steckt: Die INC-Ransomware-Bande hat sich laut übereinstimmenden Berichten von Sicherheitsforschern zum dominierenden Täter aufgeschwungen — und sie legt gerade erst richtig los. Seit Anfang August tauchen im Tagesrhythmus neue Opfer auf der Leak-Seite der Gruppe auf. Die technische Vorgeschichte kennst du vielleicht schon aus unserem Juli-Bericht zum SonicWall-Zero-Day — jetzt folgt das hässliche zweite Kapitel.

VOM TUNNEL ZUM ROOT: So funktioniert die Angriffskette

Die Angreifer verketten zwei Lücken in den SMA-1000-Fernzugriffs-Appliances: CVE-2026-15409 (CVSS 10.0) erlaubt es ohne jede Anmeldung, über einen WebSocket-Tunnel (WSProxy) auf eigentlich abgeschottete interne Dienste zuzugreifen. Von dort hebelt CVE-2026-15410 (CVSS 7.2) die Rechte bis auf Root-Niveau. Ergebnis: volle Kontrolle über genau die Box, die dein Firmennetz eigentlich schützen soll.

Besonders bitter: Ausgenutzt wurden die Lücken schon seit mindestens 22. Juni als Zero-Days — also wochenlang, bevor SonicWall am 14. Juli den Patch lieferte und die US-Behörde CISA die Lücken noch am selben Tag in ihren KEV-Katalog aufnahm.

DIE BEUTE: PASSWÖRTER, SESSIONS — UND DEINE MFA-SEEDS

Forensiker von Rapid7 haben rekonstruiert, was die Angreifer auf gekaperten Geräten abgeräumt haben: Zugangsdaten, aktive Session-Datenbanken und die TOTP-Seeds der Multi-Faktor-Authentifizierung. Das ist der eigentliche Skandal in dieser Geschichte — denn wer die TOTP-Seeds besitzt, kann die Einmal-Codes deiner Authenticator-App selbst generieren. Deine Zwei-Faktor-Anmeldung ist damit wertlos, selbst NACH dem Patch.

Genau darauf zielt die Bande ab: dauerhafter, unauffälliger Zugang, um sich später in Ruhe durchs interne Netz zu bewegen — bis zur Verschlüsselung. Das Muster kennen wir schon von der FortiBleed-Welle, bei der dieselbe INC-Gruppe geleakte VPN-Zugänge verwertet hat.

OPFER RUND UM DEN GLOBUS — TEMPO ZIEHT AN

Laut Resecurity wurden allein zwischen 17. Juli und 1. August neue Opfer aus Australien, den USA, den Emiraten, Kolumbien und der Schweiz auf der Leak-Seite gelistet — Privatwirtschaft ebenso wie Behörden. Und seit Anfang August beschleunigt sich die Schlagzahl noch einmal deutlich. Wer eine ungepatchte SMA-1000 am Netz hat, spielt gerade russisches Roulette mit vollem Magazin.

SO RETTEST DU DEIN NETZ — IN 5 SCHRITTEN

1. Sofort patchen: Die seit 14. Juli verfügbare, korrigierte Firmware für SMA 1000 einspielen.
2. Vom Schlimmsten ausgehen: War das Gerät vor dem Patch erreichbar, behandle es als kompromittiert — nicht als „wahrscheinlich sauber“.
3. ALLES rotieren: Passwörter UND MFA neu aufsetzen — TOTP-Seeds neu ausrollen, alte Enrollments widerrufen, aktive Sessions killen.
4. Spuren suchen: Logs auf ungewöhnliche WebSocket-Verbindungen, unbekannte Admin-Konten und Konfig-Änderungen prüfen.
5. Angriffsfläche verkleinern: Management-Interfaces niemals offen ins Internet stellen, Zugriff auf vertrauenswürdige Netze beschränken.

FAZIT: Diese Welle zeigt das neue Normal: Edge-Geräte wie VPN-Gateways sind DAS Lieblingsziel der Ransomware-Banden — und ein Patch allein beendet den Spuk nicht, wenn die Schlüssel längst kopiert sind.

Häufige Fragen

Welche Geräte und Versionen sind betroffen?
Betroffen sind SonicWall-Appliances der SMA-1000-Serie, also die Fernzugriffs-Gateways für Firmen. Ausgenutzt werden CVE-2026-15409 (CVSS 10.0) und CVE-2026-15410 (CVSS 7.2), die sich zu unautorisierter Befehlsausführung mit Root-Rechten verketten lassen. SonicWall hat am 14. Juli Firmware-Updates veröffentlicht, die beide Lücken schließen.
Reicht es, einfach den Patch einzuspielen?
Nein. Die Lücken wurden seit mindestens 22. Juni als Zero-Days ausgenutzt — Wochen vor dem Patch. Wurden Zugangsdaten, Sessions oder TOTP-Seeds bereits kopiert, funktionieren sie auch nach dem Update weiter. Deshalb gehören Passwort-Rotation, neues MFA-Enrollment und das Beenden aller aktiven Sessions zwingend dazu.
Woran erkenne ich eine Kompromittierung?
Verdächtig sind unbekannte Administrator-Konten, unerklärliche Konfigurationsänderungen, ungewöhnliche WebSocket-Verbindungen zu internen Diensten sowie VPN-Logins zu untypischen Zeiten oder aus untypischen Regionen. Im Zweifel das Gerät isolieren und forensisch untersuchen lassen — die Angreifer setzen gezielt auf langfristige, unauffällige Persistenz.
Was ist die INC-Ransomware-Gruppe?
INC ist eine seit 2023 aktive Ransomware-Bande, die auf doppelte Erpressung setzt: Daten stehlen, dann verschlüsseln, dann mit Veröffentlichung drohen. Die Gruppe fiel zuletzt bereits bei der Verwertung geleakter Fortinet-VPN-Zugänge auf und gehört aktuell zu den aktivsten Erpressergruppen weltweit.

Quellen: The Hacker News, SecurityWeek, Resecurity („From WSProxy to Root“), Tenable, Dark Reading

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