#Künstliche Intelligenz · 5 Min. Lesezeit · Tim Rinkel

FALLE! Gefälschte ChatGPT- und Claude-Apps auf GitHub schleusen Krypto-Miner ein — an diesen Fehlern erkennst du den Fake

FALLE! Gefälschte ChatGPT- und Claude-Apps auf GitHub schleusen Krypto-Miner ein — an diesen Fehlern erkennst du den Fake

Du suchst eine Desktop-App für ChatGPT oder Claude, landest auf einer hübschen GitHub-Seite und lädst ein ZIP herunter. Genau auf diese Falle zielt die Kampagne „Yoba“, die Check Point Research beschreibt. The Hacker News berichtete am 29. Oktober.

Am Ende läuft auf deinem Rechner ein XMRig-Krypto-Miner, der deine CPU für fremdes Geld rechnen lässt. Das Perfide: Die Angreifer nutzen echte, signierte Programme als Türöffner.

DER KÖDER

Die Täter legten gefälschte GitHub-Projekte an, die als Desktop-Apps für ChatGPT und Claude auftreten. Die Namen klingen nach den neuesten Modellen, zum Beispiel „GPT-5.6 Sol“, „GPT-6 Astra“ und „Claude Opus“. Dazu bauten sie GitHub.io-Seiten, die die angebliche Software beschreiben und glaubwürdig wirken sollen.

In den Repositories liegt ein ZIP-Archiv mit zwei Dateien: einer echten, signierten ausführbaren Datei von OpenAI Codex oder Claude, umbenannt in Setup.exe, und einer bösartigen winmm.dll. Check Point vermutet, dass die Seiten über SEO-Poisoning in Google-Treffern nach oben rutschen. Die Beliebtheit der Repos sei laut Bericht nicht künstlich aufgeblasen worden.

WAS IST DLL-SIDELOADING?

Windows-Programme laden Bibliotheken (DLLs) oft aus ihrem eigenen Ordner. Legt ein Angreifer eine manipulierte DLL neben eine vertrauenswürdige, signierte Datei, lädt diese die Schad-DLL von selbst. Sicherheitsprogramme, die signierter Software vertrauen, schlagen dann womöglich nicht an. Du siehst nur ein bekanntes Programm, das scheinbar normal startet.

DIE ZWEI STUFEN

Stufe 1: YobaDropper. Das Programm läuft nur, wenn es als Setup.exe gestartet wird. Alleine, etwa in einer Analyse-Umgebung, beendet es sich. Es wartet außerdem mit einer langen Schleife von 200.000 Mal Sleep(5500), zusammen rund 12,7 Tage. Auf Systemen mit Tastaturlayouts aus Russland, Belarus, Zentralasien, Armenien, Aserbaidschan und Georgien bricht es ab. Die Ukraine fehlt in der Liste, anders als in früheren Kampagnen. Danach kopiert es wmpdmc.exe aus System32 in einen neuen Ordner „WMProcess“ unter ProgramData, entschlüsselt dort die nächste Nutzlast und legt eine geplante Aufgabe für den Neustart an.

Stufe 2: YobaLoader. Er läuft nur unter wmpdmc.exe und lädt ein Bild aus einem Telegram-Kanal. Dessen letzte 50 Bytes dienen als Startwert für einen Domain-Generator. Daraus entstehen Adressen aus Adjektiv, Substantiv, Verb und einer Zahl unter dedyn.io. Über Googles DNS-over-HTTPS-API fragt der Loader einen TXT-Eintrag ab. Darin steckt ein Base64-Befehl mit dem Link zur nächsten Nutzlast, gehostet auf catbox.moe. Diese wird in svchost.exe eingeschleust und startet XMRig. DoH und gängige Hoster sollen die Erkennung per DNS-Überwachung erschweren.

WANN LIEF DAS?

  • Das erste GitHub-Repository tauchte etwa im Juli 2026 auf.
  • Schädliche Releases folgten Ende August.
  • Frühe Versionen schlossen nur Russland aus und enthielten viele Anti-Debugging- und Anti-VM-Prüfungen. Neuere ließen diese weg.
  • Opferzahlen oder Download-Zahlen nennt der Bericht nicht.

SO ERKENNST DU DEN FAKE

Der Bericht enthält keinen eigenen Schutz-Abschnitt. Aus den beschriebenen Methoden ergeben sich diese sinnvollen Schritte (unsere Einschätzung, nicht Teil der Quelle):

  • Nur offizielle Quellen: Lade KI-Apps ausschließlich von den Seiten der Anbieter, nicht aus GitHub-Treffern oder Suchanzeigen.
  • Misstrauisch bei Namen: Modelle wie „GPT-6 Astra“ als Gratis-Download sind ein Warnsignal.
  • ZIP mit Setup.exe und DLL: Eine „Installationsdatei“, die neben einer fremden winmm.dll liegt, gehört nicht auf deinen Rechner.
  • Auffälligkeiten: Ein Ordner „WMProcess“ unter ProgramData, neue geplante Aufgaben, eine kopierte wmpdmc.exe, hohe CPU-Last durch svchost.exe.
  • Netzwerk: Verdächtig sind DoH-Anfragen von Programmen außerhalb des Browsers und Lookups unter dedyn.io.

Die Check-Point-Indikatoren nennen unter anderem die Domain files.catbox.moe, den Telegram-Kanal yoba_fanclub und GitHub-Konten mit Namen wie „gpt-5-6“, „gpt-6-astra“ und „opus-5-0“.

FAZIT: Der Hype ist die Falle

Neue KI-Modelle erzeugen Suchdruck, und genau den nutzen die Täter. Ein Miner richtet weniger Schaden an als Ransomware, bringt aber Strom, Lärm und ein fremdes Programm auf deinen Rechner. Wenn du eine solche ZIP-Datei schon geöffnet hast, prüfe die genannten Spuren und lösche die geplante Aufgabe.

Häufige Fragen

Was ist die Yoba-Kampagne?
Yoba ist der Name, den Check Point Research einer Kampagne mit gefälschten KI-Desktop-Apps gegeben hat. Die Täter stellen auf GitHub Projekte ein, die sich als ChatGPT- oder Claude-App ausgeben. Das ZIP enthält eine echte, signierte Programmdatei und eine manipulierte DLL. Sie lädt in zwei Stufen, YobaDropper und YobaLoader, am Ende einen XMRig-Krypto-Miner nach.
Was ist DLL-Sideloading und warum klappt es?
Windows-Programme laden Bibliotheken häufig aus ihrem eigenen Ordner. Legt ein Angreifer eine manipulierte DLL daneben, lädt ein signiertes, vertrauenswürdiges Programm sie selbst. Schutzsoftware, die signierten Dateien traut, kann dadurch umgangen werden. Die DLL im Fall Yoba heißt winmm.dll und liegt neben einer umbenannten Setup.exe.
Woran erkenne ich eine Infektion?
Die Quelle nennt Spuren wie einen Ordner WMProcess unter ProgramData, eine kopierte wmpdmc.exe, eine neue geplante Aufgabe sowie Netzwerkverkehr zu dedyn.io, catbox.moe und DoH-Anfragen. Ein Miner äußert sich zudem oft durch dauerhaft hohe CPU-Last und einen lauten Lüfter. Der Bericht selbst enthält keinen Abschnitt zur Bereinigung.
Wo bekomme ich ChatGPT- und Claude-Apps sicher?
Auf den offiziellen Seiten der Anbieter OpenAI und Anthropic oder über die großen App-Stores, nicht über GitHub-Projekte mit Modellnamen aus Suchtreffern. Das ist unsere Empfehlung und keine Aussage der Quelle. Wer unsicher ist, prüft die Domain, den Herausgeber und die Signatur, bevor er etwas startet.

Quellen

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