#Künstliche Intelligenz · 4 Min. Lesezeit · Tim Rinkel

STICHTAG! Brüssel darf ab HEUTE KI-Riesen bestrafen — und dein Chatbot muss sich zu erkennen geben

STICHTAG! Brüssel darf ab HEUTE KI-Riesen bestrafen — und dein Chatbot muss sich zu erkennen geben

Zwölf Monate Schonfrist sind vorbei: Seit heute darf Brüssel zubeißen. Am 2. August 2026 treten die Durchsetzungsbefugnisse der EU-Kommission gegenüber Anbietern von General-Purpose-AI-Modellen (GPAI) in Kraft — also gegenüber den Firmen hinter ChatGPT, Claude und Gemini. Bereits im Juni haben wir den Countdown erklärt — jetzt ist der Stichtag da.

MACHTWECHSEL: Das darf die Kommission ab heute

Die Pflichten für GPAI-Anbieter gelten formal schon seit dem 2. August 2025. Ein Jahr lang konnte die Kommission aber nicht durchgreifen — diese Gnadenfrist endet heute. Ab sofort kann das KI-Büro der EU:

  • Dokumentation und Auskünfte anfordern — etwa zu Trainingsdaten und Sicherheitstests,
  • Modelle selbst evaluieren, also technisch unter die Lupe nehmen,
  • Maßnahmen anordnen — von Risiko-Minderung bis hin zu Marktbeschränkung und Rückruf.

Wer nicht spurt, riskiert Bußgelder bis 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes — je nachdem, was höher ist. Bei Konzernen wie Google oder Microsoft reden wir also über Milliardenbeträge.

WICHTIG für dich: Chatbots müssen sich ab jetzt outen

Der zweite Baustein des heutigen Stichtags betrifft nicht nur die KI-Riesen, sondern jeden, der KI einsetzt: Die Transparenzpflichten aus Artikel 50 greifen. Konkret heißt das:

  • Ein Chatbot muss klar sagen, dass er eine KI ist — verständlich und gleich zu Beginn der Interaktion.
  • KI-generierte Inhalte müssen maschinenlesbar als solche markiert werden.
  • Deepfakes — also täuschend echte Bild-, Audio- oder Videofälschungen — müssen sichtbar gekennzeichnet sein.

Auch die nationalen Marktaufsichtsbehörden können ab heute Verstöße gegen den AI Act untersuchen und ahnden. In Deutschland ist dafür maßgeblich die Bundesnetzagentur im Gespräch — die endgültige Behördenstruktur ist noch im Aufbau.

ENTWARNUNG an anderer Stelle: Das wurde verschoben

Falls du den Überblick verloren hast — kein Wunder, Brüssel hat den Fahrplan zuletzt kräftig umgebaut. Mit dem Digital Omnibus, den das EU-Parlament am 16. Juni 2026 mit 423 zu 57 Stimmen final beschlossen hat, wurden die Pflichten für Hochrisiko-KI deutlich nach hinten geschoben: Eigenständige Hochrisiko-Systeme (etwa fürs Recruiting oder Kredit-Scoring) müssen erst zum 2. Dezember 2027 liefern, KI in regulierten Produkten wie Medizingeräten sogar erst zum 2. August 2028.

Die heutigen Regeln sind davon ausdrücklich ausgenommen: Transparenzpflichten und GPAI-Durchsetzung kommen ohne Aufschub. OpenAI hat passenderweise wenige Tage vor dem Stichtag ein eigenes EU-Compliance-Playbook veröffentlicht — man ahnt, dass Brüssel genau hinschauen wird.

FAZIT: Papiertiger oder Zahnwechsel?

Ob die Kommission ihre neuen Zähne direkt einsetzt, muss sie erst beweisen — Personal und Verfahren beim KI-Büro sind noch im Aufbau. Aber die Richtung ist klar: Die Ära der unverbindlichen Ankündigungen ist vorbei. Für Modelle, die schon vor dem 2. August 2025 auf dem Markt waren, gilt übrigens eine letzte Frist: Sie müssen bis zum 2. August 2027 nachziehen. Wenn du selbst einen Chatbot auf deiner Website betreibst, gilt für dich ab heute ganz praktisch: KI-Kennzeichnung rein — das ist keine Kür mehr, sondern Pflicht.

Häufige Fragen

Was genau gilt seit dem 2. August 2026?
Zwei Dinge: Die EU-Kommission kann Anbieter großer KI-Modelle (GPAI) jetzt aktiv beaufsichtigen — mit Auskunftspflichten, Modell-Evaluierungen, Anordnungen und Bußgeldern. Außerdem greifen die Transparenzpflichten aus Artikel 50: Chatbots müssen sich als KI zu erkennen geben, KI-Inhalte und Deepfakes müssen gekennzeichnet werden.
Betrifft mich das als Privatnutzer oder Blogger?
Als reiner Privatnutzer nicht direkt — der AI Act nimmt private, nicht-berufliche Nutzung aus. Sobald du aber geschäftlich einen Chatbot anbietest oder KI-generierte Inhalte veröffentlichst, greifen die Transparenzpflichten: KI-Interaktion offenlegen und Deepfakes klar labeln. Redaktionelle KI-Texte mit menschlicher Kontrolle haben Erleichterungen.
Welche Strafen drohen den KI-Anbietern?
Für GPAI-Anbieter sind Bußgelder bis 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes möglich — je nachdem, welcher Wert höher ist. Dazu kommen Anordnungen wie verpflichtende Nachbesserungen, Marktbeschränkungen oder im Extremfall der Rückruf eines Modells vom EU-Markt.
Was wurde mit dem Digital Omnibus verschoben?
Die Pflichten für Hochrisiko-KI: Eigenständige Systeme nach Anhang III (z. B. Recruiting, Kredit-Scoring) müssen erst am 2. Dezember 2027 konform sein, KI in regulierten Produkten nach Anhang I (z. B. Medizingeräte, Maschinen) am 2. August 2028. Die GPAI-Durchsetzung und die Transparenzpflichten wurden dagegen nicht verschoben.

Quellen: artificialintelligenceact.eu, EU-Kommission, Gibson Dunn

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