Während sich die Konkurrenz gerne als datenschutzbewusste Alternative positioniert, holt ausgerechnet OpenAI gerade ordentlich Kritik ab: Unabhängige Analysten haben ein Werbe-Tracking-System hinter ChatGPT dokumentiert, das dein Konto mit deinem Verhalten auf hunderten fremden Websites verknüpfen kann.
DER COOKIE, DER MITREIST
Im Zentrum steht ein Cookie namens __obi. Er entsteht, sobald du ChatGPT besuchst, und wird an bzr.openai.com geschickt — einen internen Sammel-Dienst, den Analysten unter dem Codenamen „Bazaar“ identifiziert haben. Der Dienst antwortet, indem er den obi-Cookie für die Domain .openai.com setzt. Technisch entscheidend sind zwei Einstellungen: SameSite=None und Secure erlauben es dem Browser ausdrücklich, den Cookie auch bei Anfragen an fremde Websites mitzuschicken. Die Laufzeit: bis zu ein Jahr.
936 WERBE-PIXEL, 1.029 DOMAINS
Sobald du später eine Website besuchst, die OpenAIs Werbe-Pixel eingebaut hat, kann der Cookie zurück an OpenAI übertragen werden — und dein ChatGPT-Konto mit deinem Verhalten auf genau dieser Website verknüpfen. Die Analysten reproduzierten den Mechanismus unabhängig auch auf einem mobilen Gerät und beobachteten ihn über 936 Werbe-Pixel auf 1.029 verschiedenen Domains hinweg — ein beachtliches Netz für ein Unternehmen, das sich öffentlich stark auf Sicherheit und Vertrauen beruft.
DAS PROBLEM MIT DER EINWILLIGUNG
Richtig unangenehm wird es beim Blick auf die Cookie-Einstellungen: OpenAI führt __obi intern als „Analyse“-Cookie, nicht als Marketing-Cookie. Wer im Cookie-Banner also Analyse-Cookies zugelassen, Marketing-Cookies aber bewusst abgelehnt hat, könnte das Tracking trotzdem aktiviert haben — ohne es zu wissen. Genau das ist der Kern der Kritik: Das beobachtete Verhalten des Cookies ähnelt einer klassischen Werbe-Erfolgsmessung, die Kategorie auf dem Papier sagt aber etwas anderes.
WAS DAS FÜR DICH BEDEUTET
Ein Sicherheits-Notfall ist das nicht — niemand kann über den Cookie dein Konto übernehmen oder deine Chats mitlesen. Es geht um Profilbildung: Welche Werbe-Websites du besuchst, könnte mit deinem ChatGPT-Konto verknüpft werden. Für Nutzer, die bei jedem anderen Anbieter penibel auf Cookie-Einstellungen achten, ist das ein Weckruf, bei OpenAI genauso genau hinzusehen.
FAZIT: Auch KI-Labore brauchen Werbeeinnahmen
Der Fall reiht sich in ein Muster ein, das große KI-Anbieter zunehmend teilen: Je mehr Nutzer ein Produkt hat, desto verlockender wird klassisches Werbegeschäft — auch wenn das nicht zur Selbstdarstellung als Forschungslabor passt. Wer ChatGPT nutzt und Wert auf Datenschutz legt, sollte die Cookie-Einstellungen des eigenen Kontos einmal bewusst durchgehen, statt sich auf die Kategorie-Bezeichnung allein zu verlassen.