#Künstliche Intelligenz · 4 Min. Lesezeit · Tim Rinkel

AUSSPÄHT! ChatGPT setzt heimlich einen Cookie, der dir quer durchs Netz folgt

AUSSPÄHT! ChatGPT setzt heimlich einen Cookie, der dir quer durchs Netz folgt

Während sich die Konkurrenz gerne als datenschutzbewusste Alternative positioniert, holt ausgerechnet OpenAI gerade ordentlich Kritik ab: Unabhängige Analysten haben ein Werbe-Tracking-System hinter ChatGPT dokumentiert, das dein Konto mit deinem Verhalten auf hunderten fremden Websites verknüpfen kann.

DER COOKIE, DER MITREIST

Im Zentrum steht ein Cookie namens __obi. Er entsteht, sobald du ChatGPT besuchst, und wird an bzr.openai.com geschickt — einen internen Sammel-Dienst, den Analysten unter dem Codenamen „Bazaar“ identifiziert haben. Der Dienst antwortet, indem er den obi-Cookie für die Domain .openai.com setzt. Technisch entscheidend sind zwei Einstellungen: SameSite=None und Secure erlauben es dem Browser ausdrücklich, den Cookie auch bei Anfragen an fremde Websites mitzuschicken. Die Laufzeit: bis zu ein Jahr.

936 WERBE-PIXEL, 1.029 DOMAINS

Sobald du später eine Website besuchst, die OpenAIs Werbe-Pixel eingebaut hat, kann der Cookie zurück an OpenAI übertragen werden — und dein ChatGPT-Konto mit deinem Verhalten auf genau dieser Website verknüpfen. Die Analysten reproduzierten den Mechanismus unabhängig auch auf einem mobilen Gerät und beobachteten ihn über 936 Werbe-Pixel auf 1.029 verschiedenen Domains hinweg — ein beachtliches Netz für ein Unternehmen, das sich öffentlich stark auf Sicherheit und Vertrauen beruft.

DAS PROBLEM MIT DER EINWILLIGUNG

Richtig unangenehm wird es beim Blick auf die Cookie-Einstellungen: OpenAI führt __obi intern als „Analyse“-Cookie, nicht als Marketing-Cookie. Wer im Cookie-Banner also Analyse-Cookies zugelassen, Marketing-Cookies aber bewusst abgelehnt hat, könnte das Tracking trotzdem aktiviert haben — ohne es zu wissen. Genau das ist der Kern der Kritik: Das beobachtete Verhalten des Cookies ähnelt einer klassischen Werbe-Erfolgsmessung, die Kategorie auf dem Papier sagt aber etwas anderes.

WAS DAS FÜR DICH BEDEUTET

Ein Sicherheits-Notfall ist das nicht — niemand kann über den Cookie dein Konto übernehmen oder deine Chats mitlesen. Es geht um Profilbildung: Welche Werbe-Websites du besuchst, könnte mit deinem ChatGPT-Konto verknüpft werden. Für Nutzer, die bei jedem anderen Anbieter penibel auf Cookie-Einstellungen achten, ist das ein Weckruf, bei OpenAI genauso genau hinzusehen.

FAZIT: Auch KI-Labore brauchen Werbeeinnahmen

Der Fall reiht sich in ein Muster ein, das große KI-Anbieter zunehmend teilen: Je mehr Nutzer ein Produkt hat, desto verlockender wird klassisches Werbegeschäft — auch wenn das nicht zur Selbstdarstellung als Forschungslabor passt. Wer ChatGPT nutzt und Wert auf Datenschutz legt, sollte die Cookie-Einstellungen des eigenen Kontos einmal bewusst durchgehen, statt sich auf die Kategorie-Bezeichnung allein zu verlassen.

Häufige Fragen

Was genau macht der obi-Cookie?
Der Cookie __obi wird beim Besuch von ChatGPT gesetzt und kann laut Analysten bei späteren Besuchen auf Websites mit OpenAIs Werbe-Pixel wieder an OpenAI zurückgeschickt werden. Dadurch lässt sich dein ChatGPT-Konto potenziell mit deinem Verhalten auf diesen fremden Websites verknüpfen — klassisches Cross-Site-Tracking.
Kann jemand dadurch mein ChatGPT-Konto übernehmen?
Nein, es handelt sich nicht um eine Sicherheitslücke, über die sich Konten kapern lassen. Das Problem liegt im Datenschutz: Es geht um Profilbildung durch Verknüpfung von Konto und Surfverhalten auf Drittseiten, nicht um Kontoübernahme oder Datendiebstahl im klassischen Sinn.
Warum ist die Cookie-Kategorie ein Problem?
OpenAI stuft __obi als Analyse-Cookie ein. Wer im Cookie-Banner Analyse zugelassen, Marketing aber abgelehnt hat, hat das beschriebene Tracking nach Einschätzung der Analysten trotzdem aktiviert — obwohl das Verhalten des Cookies eher einer Werbe-Erfolgsmessung entspricht als reiner Nutzungsstatistik.
Was kann ich als Nutzer jetzt tun?
Prüfe deine Cookie-Einstellungen bei ChatGPT und widerrufe die Zustimmung zu Analyse- und Marketing-Cookies, wenn dir Cross-Site-Tracking wichtig ist. Browser-Erweiterungen, die Cross-Site-Cookies grundsätzlich blockieren, wirken ebenfalls gegen diesen Mechanismus, unabhängig von der Einstellung im Banner.

Quellen

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