Bisher war ein Claude Project im Grunde ein Ordner: Anweisungen rein, Referenzmaterial rein, fertig. Seit dem 17. September 2026 macht Anthropic daraus etwas komplett anderes — einen durchgehenden Gesprächs-Koordinator, der selbst entscheidet, wie viele parallele Arbeitsstränge ein Ziel braucht, und diese Arbeitsstränge dann eigenständig steuert.
SCHLUSS MIT DEM ORDNER-PRINZIP
Das neue Projects ist ein einziges, fortlaufendes Gespräch. Du beschreibst, was erledigt werden soll — Claude entscheidet, was davon zu einem eigenen Thread wird. Jeder Thread ist technisch eine eigenständige Claude-Code-Cloud-Session: eine Instanz von Claude, die in Anthropics eigener Cloud-Infrastruktur läuft, auf einem eigenen Branch eines verbundenen Repositorys arbeitet, Tests ausführen und Pull Requests öffnen kann — unabhängig davon, ob du gerade am Rechner sitzt oder nicht.
MEHRERE THREADS, EIN KOORDINATOR
Der Clou: Diese Threads laufen gleichzeitig. Claude selbst übernimmt die Rolle des Koordinators — es zerlegt eine Anfrage in Teilaufgaben, delegiert sie an verschiedene Threads, verfolgt den Fortschritt, prüft die Ergebnisse und setzt am Ende alles zusammen. Jeder einzelne Thread kann dabei wiederum eigene Subagenten, Schleifen und Workflows starten, wenn die Aufgabe das erfordert. Stoßen zwei Threads beim Zusammenführen ihrer Arbeit auf Konflikte, behandelt Claude das wie einen ganz gewöhnlichen Merge-Konflikt bei einem Pull Request — inklusive Vorschlag, wie er sich auflösen lässt.
CLAUDE MERKT SICH DEN GANZEN VERLAUF
Weil alles in einem durchgehenden Gespräch stattfindet, behält Claude laut Anthropic auch den Kontext über die Zeit: Es kann sich erinnern, dass ein Release auf Freitag verschoben wurde, warum ein Export-Feature wieder rausgeflogen ist, oder wen man vor einer Änderung an der Abrechnung noch fragen sollte. Genau dieses Gedächtnis über mehrere Threads und Wochen hinweg soll den Unterschied zu einer normalen Chat-Session ausmachen, die nach Projektende meist einfach vergessen wird.
WER DARF SCHON RAN?
Der Zugang ist bewusst eng gehalten: Die Beta startet für eine ausgewählte Gruppe von Claude-Pro- und Max-Abonnenten, die bereits Cloud-Sessions in Claude Code nutzen und noch keine bestehenden Projekte auf Web oder Desktop angelegt haben. In der folgenden Woche soll der Kreis auf weitere Nutzer dieser Pläne wachsen, danach folgen Team- und Enterprise-Kunden. Wer bereits klassische Projects nutzt, merkt vorerst nichts — die bestehende Struktur bleibt für diese Nutzer unangetastet, bis der Umbau für sie ansteht.
DER HAKEN: SCHNELLER AM LIMIT
Anthropic warnt selbst vor dem naheliegenden Nebeneffekt: Weil mehrere Threads gleichzeitig Rechenleistung verbrauchen, können Nutzungslimits bei parallelen Projekten deutlich schneller erreicht werden als bei einer einzelnen Chat-Session. Im Interface lässt sich der planspezifische Verbrauch verfolgen, und Modell sowie Aufwandsstufe pro Thread lassen sich konfigurieren, um das im Griff zu behalten. Aktuell läuft die Ausführung ausschließlich in der Cloud — die Möglichkeit, Threads auch auf der eigenen Maschine laufen zu lassen, kündigt Anthropic als Ergänzung „sehr bald” an.
WARUM DAS MEHR IST ALS EIN UI-UPDATE
Der Umbau reiht sich in eine Serie von Anthropic-Ankündigungen der vergangenen Woche ein, die alle in dieselbe Richtung zeigen: weg vom Werkzeug für eine einzelne Aufgabe, hin zu einem System, das über längere Zeiträume selbstständig an größeren Zielen arbeitet. Für Entwickler-Teams bedeutet das potenziell einen echten Rollenwechsel — statt Prompt für Prompt zu steuern, formuliert man ein Ziel und überlässt Claude die Aufteilung, Überwachung und Zusammenführung der Arbeit. Ob sich das im Alltag bewährt, muss sich erst zeigen, sobald mehr Nutzer Zugang bekommen.